Von Helmut Rieger – Mit einem Bonmot verteidigte seinerzeit der amerikanische Filmkritiker Roger Ebert den Monty-Python-Film „Das Leben des Brian“ (1979) gegen den Vorwurf der Blasphemie. Der Film sei „auf so vergnügliche Weise harmlos, dass es fast blasphemisch wäre, ihn ernst zu nehmen.“
Nach fast 50 Jahren ist es durchgesickert, dass die erfrischend respektlose Satire der britischen Erfolgsgruppe nicht Religion an sich aufs Korn nimmt, sondern religiösen Fanatismus, Leichtgläubigkeit, Dogmatismus, Personenkult und andere Begleiterscheinungen menschlicher Borniertheit. Und dies mit allen Mitteln von Parodie und Persiflage.
Drei Jahrzehnte nach „Life of Brian“ machten Monty-Python-Mitglied Eric Idle und John Du Prez daraus ein musikalisches Pasticcio für die Bühne, mit der paradoxen Genre-Bezeichnung „Komisches Oratorium“ und dem doppeldeutigen Titel „Not the Messiah“. Dieser verweist auf den Protagonisten, der wider Willen für den Messias gehalten wird, und gleichzeitig auf Händels berühmtes Oratorium, das teilweise zitiert bzw. parodiert wird.
Die Salzburger Inszenierung basiert auf der kongenialen deutschen Fassung von Thomas Pigor, setzt aber als österreichische Erstaufführung unverkennbar austriakische Akzente. Durch die turbulente Handlung führt der Wiener Schauspieler Maximilian Schmiedl, teils als komödiantischer Erzähler, teils als salbungsvoll psalmodierender „Evangelist“. Schmiedl glänzt in weiteren Rollen: So spielt er den römischen Centurio, der Mandy Cohen (Mezzosopranistin Jana Kurucová) verführt, mit ihr Brian zeugt und sich aus dem Staub macht. Urkomisch ist er auch als Wiener Pilger, der sich ins Heilige Land verirrt hat und nichts wie „haam“ (heim) möchte. Schließlich hat Schmiedl einen star-verdächtigen Auftritt als singender Bob Dylan, mit Gitarre und Mundharmonika.
In mehrere Rollen schlüpft auch der wandelbare Marco Dott: einmal als die transsexuelle Betty Parkinson, in erzählender Funktion, einmal als Hirte und dann als der mit einem grotesken Sprachfehler behaftete „Julius Caesar“. Warum hat man den Pontius Pilatus des Monty-Python-Originals (und der Bibel) durch Caesar ersetzt, der im „Jahre 0“ bereits über 40 Jahre tot war? Caesar passt in die Inszenierung wie Pilatus ins Credo, doch macht Dotts brillantes Spiel diesen Schnitzer locker wieder wett.
Tenor Luke Sinclair als Brian und Sopranistin Laura Incko als seine Freundin Judith glänzen stimmlich, mimisch und körpersprachlich. Daniele Macciantelli zeigt als römischer Offizier „Schwanzus Longus“ sein Können als Bass-Buffo. Das Mozarteum-Orchester unter Tobias Meichsner beweist einmal mehr seine Flexibilität und schafft mühelos den Stile-Spagat zwischen Barock und Music Hall. Auch der von Mario El Fakih einstudierte Chor trägt wesentlich zum Gelingen dieser halbszenischen Produktion bei. Die temporeiche und mit Gags gespickte Regie von Carl Philip von Maldeghem (Dramaturgie: Andreas Fladvad-Geier) gibt dem Stück Musical-Charakter. Extra-Beifall gab es in der ausverkauften Premiere für die Dudelsack-Soli von Stefan Janauschek, und bei „Always look on the bright side of life“ sang das Publikum begeistert mit.
Das vergnügliche „Oratorium“ läuft zunächst bis zum 18. Juni und wird ab 12.9. in die neue Spielzeit übernommen. Letzte Vorstellung ist am 6. Dezember.
Text: Helmut Rieger / Foto: Salzburger Landestheater (Christian Krautzberger)
Glanzvolles Finale (v.l.n.r.): Stefan Janauschek (Dudelsack), Jana Kurucová („Mandy“), Maximilian Schmiedl („Evangelist“), Luke Sinclair („Brian“), Laura Incko („Judith“), Daniele Macciantelli („Schwanzus Longus“) und Marco Dott („Caesar“); im Hintergrund: Mozarteum-Orchester und Landestheater-Chor, Ltg. Tobias Meichsner



