Leitartikel

Urkunde für Molkerei BGL

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Molkerei Berchtesgadener Land erhält Urkunde für genetisches Erhaltungsgebiet im WEL-Hotspot Teisendorf 

Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Wiese wirkt, ist in Wahrheit ein wertvoller Speicher genetischer Vielfalt. Für ihr Engagement im Erhalt sogenannter Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft (WEL) wurde die Molkerei Berchtesgadener Land jetzt offiziell ausgezeichnet. Im Mittelpunkt stehen dabei die artenreichen Dauergrünlandflächen des Demeter-Hofs der Familie Langwieder in Oberstarz bei Teisendorf, die seit 1994 Mitglied der Molkereigenossenschaft ist. Als Partner des genetischen Erhaltungsgebiets „Bei Teisendorf“ ist die Molkerei Teil des bundesweiten Netzwerks „Genetische Erhaltungsgebiete Deutschland“. Die entsprechende Urkunde erhielt die Molkerei von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) überreicht durch das Julius Kühn-Institut.

Artenreiche Wiesen als lebendige Genbank

Das genetische Erhaltungsgebiet umfasst 5,43 Hektar Dauergrünland rund um die Hofstelle der Familie Langwieder. Die Flächen werden als Weide- und Futterwiesen im Rahmen der Demeter-Milcherzeugung genutzt. Auf einzelnen Teilflächen wurden bis zu 24 verschiedene WEL-Arten nachgewiesen, darunter Gewöhnliche Schafgarbe, Echter Kümmel, Wilde Möhre, Feld-Thymian oder Echter Baldrian. Die Wiesen liegen teilweise in Hanglage und sind eingebettet in die typische Kulturlandschaft der Alpenregion. Durch die extensive Bewirtschaftung konnten sich dort über Jahrzehnte stabile Pflanzenpopulationen entwickeln. „Diese Flächen zeigen eindrucksvoll, dass nachhaltige Landwirtschaft und Biodiversität zusammengehören. Unsere Bauernfamilien bewirtschaften diese Wiesen nicht gegen die Natur, sondern mit ihr“, betont Molkerei-Geschäftsführer Bernhard Pointner.

Nachhaltige Bewirtschaftung schützt genetische Vielfalt

Die Erhaltung der Wildpflanzen erfolgt direkt im natürlichen Lebensraum – also in situ. Anders als bei der Lagerung in Genbanken bleiben die Pflanzenpopulationen dabei Teil eines lebendigen Ökosystems und können sich weiterentwickeln. Damit dies langfristig gelingt, hat sich die Familie Langwieder freiwillig verpflichtet, die bisherige Wirtschaftsweise auf den Flächen fortzuführen. Dazu gehören die organische Düngung sowie die Nutzung als Weide- und Futterflächen für die Milchviehhaltung. Der Betrieb stellte die Bewirtschaftung 2022 auf Demeter um und liefert seitdem Demeter-Bio-Milch an die Molkerei. „Die biodynamische und nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wiesen ist mir ein persönliches Anliegen. Durch die organische Düngung und die schonende Nutzung fördern wir Bodenleben und Humusaufbau auf unseren Flächen“, so Betriebsleiter Robert Langwieder. „Dass wir damit gleichzeitig einen Beitrag zum Erhalt der genetischen Vielfalt von Wildpflanzen leisten können, freut mich besonders.“

Teil eines bundesweiten Netzwerks

Die Einrichtung genetischer Erhaltungsgebiete ist Teil des nationalen Fachprogramms für pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft. Seit 2019 wächst das „Netzwerk Genetische Erhaltungsgebiete Deutschland“, in dem ausgewählte Flächen und regionale Partner zusammenarbeiten. Betreut wurde das IsWEL-Projekt von David-Michael Schafmeister und der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Eckhard Jedicke vom Institut für Landschaftsplanung und Naturschutz der Hochschule Geisenheim. Für die Molkerei Berchtesgadener Land ist die Auszeichnung zugleich ein Signal für die Bedeutung der traditionellen Grünlandwirtschaft im Alpenraum. Denn artenreiche Wiesen sichern nicht nur die Futtergrundlage für die Milchwirtschaft, sondern erhalten auch wertvolle Lebensräume und genetische Vielfalt für kommende Generationen.

Beispiel-Liste der auf der Fläche „Bei Teisendorf“ nachgewiesenen WEL-Arten:

Wissenschaftlicher Name/Deutscher Pflanzenname

Achillea millefolium/Gewöhnliche Schafgarbe

Carum carvi / Echter Kümmel

Crataegus laevigata / Zweigriffeliger Weißdorn

Dactylis glomerata / Wiesen-Knäuelgras

Daucus carota / Wilde Möhre

Festuca arundinacea / Rohr-Schwingel

Festuca rubra  / Rot-Schwingel

Fragaria vesca / Wald-Erdbeere

Lolium multiflorum / Welsches Weidelgras

Lolium perenne / Deutsches Weidelgras

Phleum pratense / Wiesen-Lieschgras

Rubus caesius  / Kratzbeere

Thymus pulegioides/F eld-Thymian

Trifolium pratense / Rotklee

Trifolium repens / Weißklee

Urtica dioica / Große Brennnessel

Valeriana officinalis / Echter Baldrian

Bericht und Bilder: Molkerei BGL –

(1) Demeter-Landwirt der Molkerei Berchtesgadener Land, Robert Langwieder mit Frau Julia und Sohn Josef auf einer der als besonders WEL-artenreich kartierten Weide. Basis für die große Pflanzenvielfalt ist die extensive biodynaische Bewirtschaftung und die Nutzung als Weide fürs Milchvieh.

(2) Neben den WEL-Arten wie Echter Baldrian,Wiesen-Knäuelgras, Wilde Möhre, und z.B. Wald-Erdbeeren wächst auf der hofnahen Weide bei den Langwieders in Teisendorf auch der Echte Kümmel – weißblühend im Bild-Vordergrund.

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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