Kultur

Pfingstfestspiele Salzburg: “Ciao, bella ciao”

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Eine Reise durch das Leben einer Diva  – Cecilia Bartoli in ihrer eigenen Show „Ciao, bella ciao“ bei den Pfingstfestspielen kn Salzburg –  von Daniella Rieger-Böhm

Im ausverkauften Großen Festspielhaus zeigt sich die Koloratur-Mezzosopranistin Cecilia Bartoli von einer neuen Seite – italienische Schlager und Musical überwiegen in der von ihr kreierten, eigens auf sie zugeschnittenen Revue-Show. Dabei singt sie stets mit Mikrofon, auch die Opernarien. Das Publikum ist entzückt.

Wie bei der diesjährigen Opernproduktion „Il Viaggio a Reims“, steht das Thema „Reise“, aber mehr noch die künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele Salzburg und, seit 2023 die neue Direktorin der Opéra de Monte-Carlo, Cecilia Bartoli, im Mittelpunkt. Den ursprünglichen Titel ihrer Show, „Voyage da ma vie“ (Reise durch mein Leben) änderte man zu „Ciao, bella ciao“, was im Italienischen eine Doppelbedeutung hat. Nicht nur „ragazzi“ (junge Männer) begrüßen schöne Frauen mit „Ciao bella“ in Italien. Es gibt zudem das bekannte Partisanenlied „Bella Ciao“, was sie in Beziehung zu ihrem Großvater brachte, der vor etwa 90 Jahren als antifaschistischer Partisan gegen Mussolini kämpfte. Das waren einer von zwei politischen Momenten des gesamten Abends.

Der zweite beschrieb die Situation im Herbst 1989, als die Berliner Mauer fiel. Bartoli war gerade für Tonaufnahmen in Berlin, und als sie das Studio verließ, war die Welt um sie herum nicht mehr dieselbe. Video-Einspielungen zeigen Szenen des Mauerfalls, dazu singt Bartoli die Händel-Arie „Lascia ch’io pianga“, mit dem deutschen Text der älteren Fassung: „Lass die Dornen, pflücke die Rose“ („Lascia la sspina, cogli la rosa“).

Berührend war der Moment, als sie ihres verstorbenen Bruders Gabriele mit einem Liebeslied gedachte.

Ihre 90jährige Mutter und Gesangslehrerin, Silvana Bazzoni, bekam stehende Ovationen, als ihre Tochter Cecilia sie bat, aufzustehen. Ihren Dank ausdrückend, beschrieb Bartoli ihre Kindheit mit den Eltern, zwei Opernsängern. In der Küche wurde immer gesungen, und dramatische Szenen wurden auf‘s Korn genommen. Ebenso hat man viel italienische Schlager zuhause gesungen, die sie auch in Salzburg zum Besten gab. Sie erzählte von ihrer Schulzeit bei den Nonnen, die nicht immer so fröhlich war. Mit dem heiteren „I will follow him“ aus dem Musical „Sister Act“, wollte sie dem wohl etwas entgegensetzen. Nach der Klosterschule kam die Ausbildung an einer Wirtschaftsschule. Auf die Frage des „Journalisten“, was sie dort gelernt habe, antwortete sie augenzwinkernd: „Maschine schreiben“. Leroy Andersons „The Typewriter“ wurde zu einem treffenden Kabarett-Stück.

Danach arbeitete Bartoli als Fremdenführerin in ihrer Heimatstadt Rom. Nun erklangen italienische Schlager aus den 1950er Jahren, wie „Venticello di Roma“ oder „Arrivederci Roma“. Mit neun Jahren hatte die Ausnahmesängerin ihren ersten Auftritt in der Oper in Rom, als Hirtenknabe in Puccinis „Tosca“. Beeindruckend, wieviel Kraft ihr Mädchensopran schon damals hatte, wie eine eingespielte Aufnahme bewies. 1985, mit 19 Jahren, wurde Cecilia Bartoli bekannt durch die TV-Show „Fantastico“. Die Originalaufnahmen wurden auf die große Leinwand projiziert. An die TV-Fernsehshow von damals angelehnt, präsentierte „La Bartoli“ die Highlights ihrer Opernkarriere: Rossini, Vivaldi, Bizets „Carmen“, Cherubino aus Mozarts „Figaros Hochzeit“ bis zu Bellinis „Norma“. Alles im rasanten Tempo und gleich ausgesteuert, da sie immer mit Mikrofon sang. Unverwechselbar sind ihr Pianissimo und ihre stimmliche Flexibilität. Dass sie jetzt auch Hits wie „My heart will go on“, „New York, New York“ oder „Volare“ (auf einer Schaukel) singt, ist etwas gewöhnungsbedürftig, gefällt jedoch dem Salzburger Publikum. Wenn sie auch einen Song aus „The Sound of Music“ interpretiert, ist das Touristenherz beglückt. Nebenbei erfährt man, dass „La Divina“ nicht gerne fliegt, lieber mit dem Schiff nach Amerika reist und den Luxus der Langsamkeit genießt. Die Ankunft in New York vergleicht sie mit der Ankunft vieler Emigranten dort und erinnert daran mit der ergreifenden Ballade „Caruso“ von Lucio Dalla, die bereits Luciano Pavarotti meisterhaft interpretierte.

Der fast zweistündige Abend mit Cecila Bartoli, dem Orchester „Les Musiciens du Prince“, unter der Leitung von Yvan Cassar und mit der Regie von Davide Livermore verflog wie im Nu. War es doch beste Unterhaltung, mit großflächigen Video-Einspielungen, die ihre Lebens-Etappen illustrierten, mit Tänzern und einem fiktiven Journalisten (Sax Nicosia), der zum Fernseh-Interview lud.

Die Koproduktion mit der Opéra de Monte-Carlo hat sich gelohnt, und die Geburtstagsfete zum 60. Geburtstag von Cecilia Bartoli (am 4. Juni) mit rund 2300 Besuchern wurde ein rasantes Spektakel mit viel Farbe und Glitzer.

Text: Daniella Rieger-Böhm

Fotos: Salzburger Festspiele, Monika Rittershaus

  1. Schöne Erinnerungen an Rom: Cecilia Bartoli (Mitte), „Schneiderin“ Maria Grazia Solano (l.) und „Interviewer“ Sax Nicosia (r.)
  2. Cecilia Bartoli interpretiert den San-Remo-Schlager „Volare“ auf einer Schaukel.
  3. Fall der Berliner Mauer mit Cecilia Bartoli´s Interpretation von Händels „Lascia ch’io pianga“
  4. Mit 19 Jahren wurde Cecilia Bartoli bekannt durch die TV-Show „Fantastico“.
  5. Cecilia Bartoli reist lieber mit dem Zug als mit dem Flugzeug
  6. „The Sound of Music“ mit Cecilia Bartoli
  7. Abschlussapplaus (Foto_Daniella Rieger-Böhm)

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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