Kultur

Opern-Pfingstfestspiele in Salzburg

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Ich mag hinken, doch habe ich Flügel“  –  Monteverdis „Il Ritorno d’Ulisse“ bei den Pfingstfestspielen als Marionettentheater  -Von Daniella Rieger-Böhm

Claudio Monteverdi war bereits 70 Jahre, als er die letzten Kapitel vom Homers Epos „Die Irrfahrten des Odysseus“ im Jahre 1640 vertonte. Seine Barock-Oper „Il Ritorno d’Ulisse in Patria“ setzt ein, als die Phäaken den Helden von Troja, nach seinen langen Irrfahrten, nahe seiner Heimat Ithaka absetzen. Die Handlung beginnt erst nach einem Prolog, in dem sich der hinfällige Mensch, als Stellvertreter der Menschheit, bei den allegorischen Figuren Zeit, Glück und Liebe über seine Machtlosigkeit beklagt.

Mit Hilfe der Göttin Minerva (mit kraftvoll-flexiblen Sopran: Arianna Venditelli), trifft Odysseus (mit warm-tönenden Bariton: Vito Priante) seinen Sohn Telemach (Tenor Massimo Altieri). In Gestalt eines greisen Bettlers geht Odysseus zum Königspalast, um die machtgierigen Freier seiner Frau zu vernichten. Penelope (Altistin Sara Mingardo) zögert zu akzeptieren, dass der Mann, dem sie während seiner 20-jährigen Abwesenheit die Treue gehalten hat, wirklich wieder vor ihr steht. Doch am Ende siegt die Liebe.

Monteverdi stellt, wie in der Renaissance üblich, den Odysseus als Menschen in den Mittelpunkt, der sich gegen die Willkür der Götter stellt. Musikalisch ist Monteverdi bereits in der Epoche des Frühbarock, also mit dem Ausreizen und Erweitern der Harmonik, dem Auskomponieren der „Affekte“, virtuosem Solo-Gesang und einer farbigen Orchestrierung, mit dem „Basso continuo“ als rhythmisch-harmonischem Fundament, das die Dramatik der Handlung charakterisiert. Die Pfingstfestspiele greifen mit dieser Inszenierung eine auf eine Tradition zurück, die schon Goethe und Kleist zu schätzen wussten: das Marionettentheater. In Salzburg ist das kein Novum: Das Figurentheater in der Schwarzstraße gehört zum Weltkulturerbe und bietet abendfüllendes Musiktheater.

Leider fand die Produktion von Monteverdis „Ritorno d’Ulisse“ im Haus für Mozart im Festspielhaus statt. Das Puppenspiel mit seiner relativ kleinen Guckkasten-Bühne ist nur im vorderen Bereich des Saals ein optischer Genuss. Die Zuschauer auf den hinteren Plätzen und den beiden Rängen können nicht alle Details erkennen. Das ist schade, denn die historische „Compagnia Marionettistica Carlo Colla e Figli“ gestaltet die Szenerie fantasie- und liebevoll aus. Vögel flattern durch die Lüfte, Schafe mit Hund umgeben den Hirten Eumete. Sogar Penelopes Webstuhl kann man erkennen.

Wo aber sind die Sänger in dieser Opernproduktion? Die Musik kommt, wie gewohnt, aus dem Orchestergraben. Dort sitzen die Streicher, die Continuo-Gruppe (darunter zwei Theorben) und die Schlagwerker der „Musiciens du Prince“ aus Monaco. Ungewohnt ist die ständige Bewegung im Graben, denn die zehn Gesangssolisten wechseln die Position, um zum Notenpult mit Mikrofon neben dem Dirigenten Gianluca Capuano zu gelangen. Auch die Instrumente werden verstärkt. Damit erhebt sich die Frage, ob es sich hier wirklich um „Originalklang“ im ursprünglichen Sinn handelt, denn im 17. und 18. Jahrhundert hatte man diese elektro-akustischen Mittel nicht. Freilich waren Gesang und Instrumente so kunstvoll abgemischt, dass der musikalische Genuss ungeschmälert war.

Auch das bunt bemalte Bühnenbild, in der Tradition des barocken Illusionstheaters gemalt, war ein Kunstwerk für sich. Das Puppenspiel verdeutlichte den lehrhaften Charakter des Barocktheaters: Das Schicksal wird „von oben“ bestimmt, es hängt an Fäden. Penelope und Odysseus aber setzen dem blinden Schicksal Tugenden wie Beharrlichkeit, Treue und Liebe entgegen. Monteverdis Odysseus drückt das Wiedersehen mit Penelope so aus: „O meiner Mühen süßes und sanftes Ziel“.

Diese Produktion der Pfingstfestspiele ist wieder am 13. April 27 in der Opéra de Monte-Carlo zu sehen, wo die künstlerische Leiterin von Salzburg, Cecilia Bartoli die Direktorin ist.

Text: Daniella Rieger-Böhm – Fotos: Salzburger Festspiele 

  1. Odysseus und Penelope  (Foto_ Salzburger Festspiele)
  2. Abschlussapplaus (Foto_ Salzburger Festspiele)
  3. Göttin Minerva weist Odysseus den Weg (Foto_Salzburger Festspiele)

Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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