Eine große Trauergemeinde fand sich zur Trauerfeier in der Kirche „St. Laurentius“ in Bernau für Josef Wörndl ein, der im Alter von 91 Jahren nach kurzer Krankheit in seinem Zuhause friedlich verstarb. Allseits bekannt und geschätzt war der „Seiser Sepp“ als Wirt, Bauer und Vereinsförderer. Den Trauergottesdienst feierte Pater Livio vom Pfarrverband Westliches Chiemseeufer, die musikalische Gestaltung übernahm die Bernauer Blasmusik in der Kirche und auf dem Friedhof .
„Gastwirt, aber auch Land- und Forstwirt aus Leidenschaft“
In Erinnerung bleibt, dass Josef Wörndl 1934 auf dem Seiserhof in Reit oberhalb von Bernau zur Welt kam. Der Seiserhof zählt zu den ältesten Höfen der Region und befindet sich seit 1892 im Besitz der Familie Wörndl. Hier verbrachte Josef seine Kindheit und Jugend zusammen mit seinen Geschwistern Hans, Peter und Johanna und blieb seinem Zuhause das ganze Leben treu. In Rottal-Münster absolvierte er seine landwirtschaftliche Ausbildung und vertiefte dort auch sein Wissen über die Forstwirtschaft. 1961 trat er in den Bund der Ehe ein. Als ältester Sohn am Hof übernahm er in den frühen 1960er Jahren gemeinsam mit seiner Frau Johanna die Verantwortung für den Betrieb. Unter ihrer Führung entwickelte sich der ehemalige Bauernhof zu einem beliebten Gasthaus mit Gästezimmern und später zu einem bekannten Ausflugslokal mit Blick über den Chiemsee. 1962 wurde Tochter Elisabeth geboren, 1964 folgte Sohn Peter. Die Familie war eng mit dem Hof und der Arbeit verbunden. Josef widmete sein Leben dem Erhalt der Tradition, der Landwirtschaft und dem Aufbau der Gastwirtschaft. Ein schwerer Schicksalsschlag traf die Familie im Jahr 1983, als Josefs Bruder Peter verstarb. Neben der Arbeit als Wirt war Josef zeitlebens mit ganzem Herzen Forstwirt. Die Pflege der Wälder und die Arbeit mit Holz waren für ihn nicht nur Aufgabe, sondern Leidenschaft und tiefe Verbundenheit mit der Natur. Eigene Hobbys mussten oft hinter dem Betrieb zurückstehen – doch genau dieser Betrieb war zugleich sein größtes Hobby und seine Lebensaufgabe. Besonders liebte Josef die Besuche auf der Alm. Dort fand er Ruhe, Verbundenheit zur Natur und genoss viele schöne Stunden im Kreis von Familie und Freunden. Josef lebte die Tradition des bayerischen Wirtes mit voller Überzeugung. Der Stammtisch, die Geselligkeit und das Miteinander waren fester Bestandteil seines Lebens. Viele Menschen kannten ihn als humorvollen und lebensfrohen Wirt, der stets ein offenes Ohr für seine Gäste hatte und immer gerne in Gesellschaft war.
„Ein Herz für die Vereine hat aufgehört zu schlagen“
Betroffen vom Tode von Josef Wörndl war auch der Trachtenverein D’ Staffelstoana Bernau. „Der Seiser Sepp trat bereits 1952 unserem Verein bei, in seiner aktiven Zeit hat er viele Jahre das Plattlerwesen in Bernau mitgeprägt und er hat das Vereinsleben mit Herz, Engagement und Verbundenheit zur Tradition gemocht. 1987 konnten wir ihn zum Ehrenmitglied ernennen und 1999 wurde ihm im Rahmen unseres Gaufest das Goldene Verdienstzeichen durch den Chiemgau Alpenverband verliehen“ – so Erster Vorstand Franz Praßberger am offenen Grab zum Verstorbenen, der alljährlich ein Besucher der Veranstaltungen und ein Spender für das Preisplatteln war. Anstatt eines Kranzes spendete der Trachtenverein im Sinne des Verstorbenen für die Ökumenische Kranken- und Bürgerhilfe Bernau-Hittenkirchen. Und auch als Vorstand von dieser bedankte sich Franz Praßberger bei der Familie Wörndl für die stete und gute Verbundenheit. Auch die Bernauer Edelweiß-Schützen sowie der Trachtenverein „Edelweiß“ Niederaschau haben nach den Worten von Zweiten Schützenmeister Florian Lackerschmid und ehemaligem Vorstand Paul Kink ein treues Mitglied und einen großzügigen Gönner verloren. Die genannten Vereine verabschiedeten sich mit ihren Fahnenabordnungen, der Chiemgau-Alpenverband war mit seiner 1984 in Bernau geweihten Standarte sowie mit einer Abordnung mit Gauvorstand Thomas Hiendl vertreten.
Foto: Josef Wörndl / Sterbefoto: Josef Wörndl






