Kultur

TS: Preisträger-Ausstellung im LRA

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Kunst muss nicht erklärt werden, sie muss uns berühren“, sagte der stellvertretende Landrat, Stefan Kattari, auch Bürgermeister von Grassau, bei der mit Spannung erwarteten Eröffnung der Ausstellung von Arbeiten der Preisträger des „Roter-Reiter-Preis“. Er wird seit 2013 alle zwei Jahre verliehen und erinnert dem Namen nach an die bedeutende Künstlergruppe „Roter Reiter“, die 1945 in Traunstein gegründet worden war und für Aufbruch und Erneuerung nach dem Krieg stand.Ihr gehörten damals der Maler Erwin Shoultz-Carnoff mit den Künstlern Franz Rudolf Wanka, Otto Speidel und Otto Sliwka an.

Die neue Ausstellung ist bis Mitte Oktober während der Öffnungszeiten des Landratsamtes Traunstein auf drei Stockwerken zu sehen. Stefan Kattari wies auf die Besonderheit in Traunstein hin, dass der Kunst mitten in der Stadt ein so exponierter Ort für junge Künstler und ausgezeichnete Kunst eingeräumt wird. Zum fünften Mal  wurde im letzten Jahr der alle zwei Jahre mit 3000 Euro dotierte Preis von Landkreis, Stadt und Kunstverein Traunstein verliehen. Die drei Preisträger waren der 1971 in Stuttgart geborene Jan Démoulin sowie die beiden Nachwuchskünstler Paul Graßler, aus Maiergschwendt, Ruhpolding, und der 2003 geborene Künstler Philip Craubner aus Marquartstein.

In kurzen Interviews stellte die Kuratorin der Ausstellung und Leiterin des Sachgebiets Kultur- und Heimatpflege am Landratsamt, Dr. Birgit Löffler, die drei Preisträger vor. Allen Arbeiten lag das Thema „Was ist eine Stadt?“ zugrunde, das der Kunstverein Traunstein zum Thema seiner Jahresausstellung gemacht hatte. Die Preisträgerarbeit von Paul Graßler heißt „Wie wollen wir zusammenleben?“ Für ihn sei vor allem das „Zusammen„ wichtig, sagte Graßler im Gespräch mit Frau Dr. Löffler. „Vor allem in einer Zeit, in der antidemokratische und ausschließende Meinungen anscheinend wieder sagbar werden, finde ich es wichtig, Utopien zu schaffen, wie man zusammenleben kann – nicht nur nebeneinander“. Für seine Arbeiten benutzt Graßler eine Schablonendruckverfahren, die Risographie, ähnlich dem Siebdruck. Bei der Vernissage zeigte er vielen interessierten Zuschauern im dritten Stock dieses Verfahren, wobei die Besucher die Drucke auch mit nach Hause nehmen durften. Seine Technik erklärte Graßler, dass er zuerst die Zeichnungen angefertigt und dann eingescannt habe. Anfangs seien Risographen nur einfache Drucker gewesen, die  nur einfarbig drucken konnten, nun aber würden sie zunehmend von Künstlern mit echten Ölfarben verwendet. Dadurch wirken die Farben sehr intensiv.

Jan Démoulin, dessen Arbeiten im ersten Stock des Landratsamtes zu finden sind, verbindet in seinen so genannten „Performance Pictures“ Videos, Malerei, Zeichnungen und andere ungewöhnliche Dinge – zum Beispiel Medizinball und Druckwalze. Bei ihm geht es um Bewegung, Kraft, Wucht. Für seine Arbeiten setzt er buchstäblich alle Hebel in Bewegung, baut ein fünf Meter langes Blasinstrument oder zentnerschwere Platten für seine Experimente. Er entwirft fiktive Skulpturen für große Galerieräume und setzt sie digital in Szene. Seine Preisträgerarbeit ist ein Performance-Video aus New York: Mit Seilen, Walzen und anderen Gegenständen entwickelt er Aktionen, aus denen später Skulpturen, Zeichnungen oder Bilder hervorgehen. „Ich versuche, die Aktion in eine Skulptur zu übersetzen“, erklärte der gelernte Holzbildhauer, dessen Arbeitswiese auf den laufend gezeigten Videos besser zu verstehen ist. Während seines Studiums begann er mit klassischen Holzskulpturen, was ihm aber bald zu langweilig war. Dann habe er angefangen, sie zu rollen oder umfallen zu lassen. Heute möchte er vor allem die Energie hinter einer Bewegung einfangen – die Kraft wahrzunehmen, die darin steckt. „Jeder Künstler braucht ein Thema“, sagt Démoulin, „ich bin eigentlich Maler, liebe das Zeichnen und Malen, aber ich bewege mich auch gern im Raum. So wird das Performen zum Thema meiner Malerei“.

Ausdrucksformen der Gegenwart

In der ganzen Ausstellung werden verschiedene künstlerische Techniken und Ausdrucksformen der Gegenwart gezeigt. Dritter im Bunde ist Philip Craubner aus Marquartstein, dessen Arbeiten im zweiten Stock zu sehen sind. Gemeinsam mit Paul Graßler erhielt er den Förderpreis 2025. Craubners farbintensive Malerei versteht er selbst als eine Art visuelles Tagebuch. „Ich laufe herum und sauge auf, was um mich passiert“, beschreibt er seinen Arbeitsprozess. Oftmals erkennt und versteht er verschiedene Erlebnisse erst später in seinen Bildern. Besonders auffällig, vielleicht provozierend – ist ein Bild von einem jungen Mann mit Schnauzbart und Gretelfrisur in einem Dirndl. Dafür spannte der Künstler einen karierten Kissenstoff auf Leinwand und bemalte ihn mit Acrylfarben. „Es soll einen Konflikt darstellen“ erklärt er. Normalerweise trage eine Frau ein Dirndl, hier aber offensichtliche ein Mann. „Meine Aussage ist: das darf jeder anziehen“. Provokation ist für Craubner ausdrücklich erlaubt. „Ich liebe es, wenn Kunst aneckt“ Kunst muss nicht schön sein sie soll zum Nachdenken anregen“.

So ist die Ausstellung, die bis 16. Oktober während der Öffnungszeiten im Landratsamt Traunstein zu sehen ist, „ein Abenteuerspielplatz für Hirn und Auge“, wie Dr. Birgit Löffler während der Vernissage feststellte, und wie sie allen Interessierten zu empfehlen ist.

Bericht und Fotos: Christiane Giesen

Paul Graßler aus Maiergschwendt, Ruhpolding, an der Druckerpresse, dem Risographen, im Landratsamt Traunstein.

Philip Craubner aus Marquartstein hat dieses farbenfrohe Bild einer jungen Frau/Mann mit Gretelfrisur, Schnurrbart und Dirndl geschaffen.

Jan Démoulin ist gelernter Holzbildhauer und Performance-Künstler: für ihn gehören Malerei und Bewegung zusammen.

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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