Unterwössen – Ein Prosit auf 15 Jahre Trachtenkreuz – Vier ehemalige Jugendleiterinnen des Trachtenvereins D’Rechlberger stießen am Feldkreuz am Baschtlbiche mit Bürgermeister Johannes Weber an. Vor genau 15 Jahren errichtete die Trachtenjugend das hölzerne Wegkreuz in Eigenregie. Initiiert hatten das die Jugendleiterinnen Anja Voit, Evi Loider, Irmi Blösl und Martina Entfellner.
Das Klirren der Sektgläser am Baschtlbiche markiert ein kleines Jubiläum, das im Dorf fast in Vergessenheit geriet. Vielen Mitgliedern des G.T.E.V. D’Rechlberger ist heute nicht mehr bewusst, dass das schlichte Holzkreuz an der Forststraße zur Feldlahnalm ein Werk des eigenen Nachwuchses ist. Für Bürgermeister Johannes Weber war der Vor-Ort-Termin eine Begegnung mit der eigenen Vergangenheit: Er erlebte die Amtszeit der vier Jugendleiterinnen damals selbst in den Reihen der Trachtenjugend.
Die Idee für das Kreuz entstand im 2011 aus einer ungewöhnlichen Hausaufgabe. Die Jugendleiterinnen schickten damals rund 40 Trachtenkinder in Gruppen durch Oberwössen, um Schilder zu zählen, die Hofnamen zu finden und das Dorf besser kennenzulernen. Die Liste der Buben und Mädchen wurde lang: Sie notierten historische Hof- und Haustafeln, offizielle Verkehrszeichen und auch Hinweise wie „Vorsicht bissiger Hund“. Am Ende fiel allen Beteiligten das statistische Ungleichgewicht auf: Über 230 Schildern standen im Gemeindebereich, nur drei Feldkreuze gab es. Der Entschluss der Jugendgruppe stand fest: Ein eigenes Wegkreuz muss her.
Beim Bau im Frühjahr 2011 zeigte sich der Zusammenhalt im Dorf. Den Christus-Korpus hatte der Schwiegervater von Jugendleiterin Anja Voit gerettet: Er fand die Figur an einem alten, verfallenen Kreuz nahe dem Herrenkreuz in Oberwössen und lagerte sie ein. Nun stiftete er sie für das Trachtenkreuz. Das Holz stammte von einer alten Lärche, aus dem Feldlahngebiet. Das lokale Sägewerk schnitt es zu. Lokale Wasserbauer rückten an, um den Hang am Forstweg zu sichern und eine Trockenmauer zu errichten. Wenn die Jugendleiterinnen die beteiligten Handwerker und Bauern nach der Rechnung fragten, fiel immer dieselbe Antwort: „Kost nix!“ Als dann die Einweihungsfeier in einer kleinen Feier in den nahen Werkräumen ausklang, blieb sogar noch Geld für die Kasse der Trachtenjugend übrig.
Am Pfingstmontag 2011 weihte Pfarrer Klaus Wernberger das schmucke kreuz am Wegesrand. Wernberger bezeichnete es damals als Ehre, ein Kreuz segnen zu dürfen, das von Kindern und Jugendlichen mitverantwortet wurde.
Unvergessen bleibt bei den Beteiligten eine Anekdote. In einer Plattlerprobe vor der Einweihung hatten alle Trachtenkinder ihre persönlichen und geheimen Wünsche auf Zettel geschrieben. Diese Botschaften wurden ungelesen mit der Nähmaschine in eine Stoffgirlande eingenäht. Nach der Segnung durch Pfarrer Klaus Wernberger verbrannte die Gruppe die Wimpel in einem kleinen Feuer, sodass der Rauch der Wünsche in den Himmel zog. Nach eigenen Worten erinnert sich Bürgermeister Johannes Weber gerne an seine Zeit in der Trachtenjugend zurück. „Ein herzliches Vergelt‘s Gott“ sprach er dem Trachtenverein, voran den vier ehemaligen Jugendleiterinnen aus. Er lobte die damalige Initiative , die Pflege und den Unterhalt des Wegkreuzes über die Jahre.
Zum 15-jährigen Bestehen soll das Ensemble nun vervollständigt werden. Jugendleiterin Anja Voit brachte zum Treffen den Vorschlag ein, dass die ehemaligen Jugendleiterinnen einen jungen Lindenbaum für den Standort stiften. Damit greifen sie ein Wort des über 100-jährigen Johann Haßlberger auf. Der hochgeachtete Oberwössner hatte einst betont: „Zu einem echten Wegkreuz gehört einfach eine Linde.“ – Ob und wie die kommt, da wollen die Trachtlerinnen nun die Fachleute mitreden lassen.
Bericht und Foto: Ludwig Flug – Bürgermeister Jonnes Weber mit den Initiatorinnen des Feldkreuzes am Bachtebichl, den ehemaligen Jugendleiterinnen (von links) Evi Loider, Anja Voit, Irmi Blösl Öl und Martina Entfellner.




