Kultur

REG: Bayernausstellung 2026 eröffnet

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Haus der Bayerischen Geschichte | Regensburg   – Bayernausstellung 2026 „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie“, 08. Juli 2026 bis 07. August 2027  –  Der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder, MdL hat die Bayernausstellung 2026 im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg feierlich eröffnet 

Der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder, MdL und der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Dr. Richard Loibl haben am Mittwochvormittag die Bayernausstellung 2026 im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg eröffnet.

Dr. Markus Söder, MdL, Bayerischer Ministerpräsident: „Aus der Geschichte lernen, um die Zukunft positiv zu gestalten: Das Wissen um die Geschichte hilft, Zusammenhänge zu verstehen, Entwicklungen zu erkennen und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus darf sich niemals wiederholen. Die beispiellosen Verbrechen an Millionen Menschen bleiben ein immer währendes Mahnmal. Die Weimarer Republik ist nicht wegen der Stärke der Radikalen gescheitert, sondern auch wegen der Schwäche der Demokraten. Heute gibt es wieder Verunsicherung und die Suche nach vermeintlich einfachen Antworten und Schuldigen. Zur Bewahrung von Demokratie und Freiheit sind Pluralismus und gemeinschaftlicher Zusammenhalt umso wichtiger. Unsere Demokratie muss stark, lebendig und wehrhaft sein. Es ist unsere tägliche Aufgabe, unsere Werte zu verteidigen und die Demokratie zu schützen.“

Kunstminister Markus Blume erläutert: „Eine Ausstellung mit historischem Tiefgang und hochaktueller Botschaft! Die Bayernausstellung 2026 zeigt auf: Demokratie ist kein Selbstläufer, sie muss verstanden, gelebt und verteidigt werden. Genau dafür schafft das Haus der Bayerischen Geschichte einen außergewöhnlichen Lern- und Erlebnisort. Gerade in einer Zeit, in der Extremisten unsere Demokratie herausfordern, Hass und Hetze den öffentlichen Diskurs vergiften und Gewissheiten ins Wanken geraten, ist dieser Blick auf die 1920er Jahre wichtiger denn je. Das Haus der Bayerischen Geschichte leistet hier Großartiges. Die Ausstellung führt ihre Besucherinnen und Besucher mitten hinein in die politischen Bühnen der 1920er Jahre. Sie öffnet den Blick auf die Mechanismen der Radikalisierung, verbindet historisches Wissen mit einem innovativen Filmschauspiel und macht Demokratie mit interaktiven Angeboten und dem Fest der Demokratie unmittelbar erlebbar. Genau so gelingt zeitgemäße Demokratiebildung. Mein herzlicher Dank gilt Dr. Richard Loibl und seinem gesamten Team für diese kluge, mutige und hochinnovative Ausstellung. Sie macht Vergangenheit verständlich, schärft den Blick für die Gegenwart und stärkt das Bewusstsein dafür, dass Demokratie unser wertvollstes Gut ist.“

Ein Land im Umbruch

Wirtschaftliche Krisen und politische Gewalt bedrohen in den frühen 1920er Jahren die Weimarer Republik. Zum Brennpunkt wird Bayern. Hier erringen die Nationalsozialisten erste Erfolge, scheitern aber im November 1923 mit einem Putschversuch. Im Hochverratsprozess lässt die bayerische Justiz die Rädelsführer glimpflich davonkommen. Die Bayernausstellung 2026 im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg zeigt den Kampf um die Demokratie Anfang der 1920er Jahre und wie sich darin der 1913 nach Bayern übersiedelte Hitler von der Zuschauer-, in die Statisten-, und schließlich in die Hauptrolle drängt.

Ein Land im Umbruch, die Demokratie von Rechtsaußen und Linksaußen bedrängt, Politiker bedroht. Einem Politiker aus den 1920er Jahren kämen die heutigen Zeiten womöglich bekannt vor. Mehr als 600 Hassbotschaften, die Kurt Eisner innerhalb von drei Monaten erhielt, fand man im Nachlass des Ministerpräsidenten. „Daran sieht man: Man muss aufpassen. Auch damals beginnt die Radikalisierung mit der Sprache.“, erklärt Dr. Richard Loibl, der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte. Vor 100 Jahren allerdings hatte das Land gerade den Ersten Weltkrieg verloren, war radikalisiert, noch von Monarchie geprägt, von Armut, Mangel und den Nachwirkungen der Spanischen Grippe geschlagen. Die Anzahl der Menschen, die 100-prozentig hinter der Demokratie standen, war klein. „Heute genießt Demokratie stabile Wertschätzung insbesondere bei den Jungen“, ordnet Dr. Loibl ein.

Politische Bühnen der 1920er Jahre

Im Zeitalter der Massenkundgebungen führen die Protagonisten den Kampf um die Demokratie mit theatralischen, bereits von den Zeitgenossen als beinahe bühnenhaft wahrgenommenen Auftritten. Schriftsteller wie Lion Feuchtwanger oder die Journalistin Paula Schlier verarbeiten die Ereignisse in ihren Werken und beschreiben das bayerisch-politische Milieu als Nährboden des Nationalsozialismus. Deshalb fasst die rund 500 Quadratmeter große Ausstellung die prägenden Ereignisse im Brennpunkt Bayern in fünf Bühnenbildern zusammen und beleuchtet die zentralen Protagonisten: Wer gefährdet die Demokratie? Wer verteidigt sie? Wer wird von der Bühne gedrängt? Wer agiert im Hintergrund?

 Blick hinter die Kulissen

Der Blick hinter die Kulissen zeigt die Radikalisierung der politischen Auseinandersetzungen nach der Revolution 1918, deckt die unrühmliche Rolle bayerischer Staatsvertreter im Krisenjahr 1923 auf, öffnet den Vorhang in die bürgerlichen Salons, enthüllt die Vernetzung der Rechtsextremisten und offenbart, warum die Niederschlagung des Hitler-Putsches 1923 nur ein vorläufiger Sieg der Demokratie ist.

Demokratiebildung und Extremismusprävention

In Zeiten zunehmender Radikalisierung an den Rändern der Gesellschaft leistet das Haus der Bayerischen Geschichte mit der Ausstellung einen wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung und Extremismusprävention. Für Schülerinnen und Schüler aller weiterführenden Schularten werden interaktive Begleitprogramme angeboten. Darüber hinaus können Schulen die ausstellungsbegleitende Plakatserie „Geschichte frei Haus“ kostenlos beziehen. Als weiteres Highlight wird vom 24. bis 26. Juli 2026 das „Fest der Demokratie“ mit umfassendem Programm für Jung und Alt die Werte unserer Demokratie in den Mittepunkt stellen.

Internationale Kooperationsausstellung

Die Bayernausstellung 2026 wird in Kooperation mit dem Haus der Geschichte | Museum Niederösterreich präsentiert, das 2020 in der Ausstellung „Der junge Hitler. Prägende Jahre eines Diktators 1889 – 1914“ die Jugendjahre Adolf Hitlers in den gesellschaftlich-politischen Kontext der Donaumonarchie Österreich-Ungarn um 1900 eingeordnet hat. An die Erzählung anknüpfend, zeigt das Haus der Bayerischen Geschichte nun die gesellschaftlich-politischen Ereignisse und Strömungen in Bayern sowie Adolf Hitlers politische Anfänge in den 1920er Jahren. Die Konzeption der internationalen Kooperationsausstellung wurde von einem hochrangig besetzten wissenschaftlichen Beirat begleitet.

Wartesaal – Bayern in den 1920er Jahren

Als kostenlose Attraktion zeigt das Haus der Bayerischen Geschichte das 25-minütige Filmschauspiel „Wartesaal – Bayern in den 1920er Jahren“, von und mit Christoph Süß, sowie Luise Kinseher, Christian Springer, Max Uthoff und Helmut Schleich in den weiteren Rollen. Das mit modernster Technik produzierte Schauspiel blickt in eine Zeit der Auf- und Umbrüche aber auch der Abgründe. Der Film ist zweimal täglich und nach Voranmeldung auf großer Leinwand zu sehen.

Magazin zur Bayernausstellung

Das neue HDBG-Magazin ist der Begleitband zur Bayernausstellung „Brennpunkt Bayern. Im reich bebilderten Magazin beschäftigen sich neun Expertinnen und Experten mit Fragen rund um das politische Geschehen der 1920er-Jahre in Bayern. Was ist die Ordnungszelle Bayern? Wie entwickelt sich Adolf Hitler vom perspektivlosen Weltkriegsveteran zum Führer der Rechtsextremen? Sind nur zwei der Fragen, die im Magazin beantwortet werden. Neben den historischen Fragen spielen auch aktuelle Themen eine wichtige Rolle im Magazin. So wird etwa der Fragen nachgegangen: Wie steht es um jüdisches Leben heute in Bayern? Außerdem erfahren Sie Hintergründe zur Ausstellungsgestaltung: die politischen Auseinandersetzungen der 1920er-Jahre trugen oftmals theatralische Züge – wie gelingt es den Szenografen, dies in begehbaren Bühnenbildern erlebbar zu machen?

Bericht und Bilder: Haus der Bayerischen Geschichte / www.altrofoto.de 

AL_0005: S.K.H. Ludwig Prinz von Bayern (li.) im Gespräch mit Ministerpräsident Dr. Markus Söder, MdL (re.) und Direktor Dr. Richard Loibl in der Bayernausstellung

AL_0012: Ministerpräsident Dr. Markus Söder, MdL beim Rundgang durch die eröffnete Bayernausstellung „Brennpunkt Bayern“ mit dem Direktor des Hauses der Bayerischen Dr. Richard Loibl


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!