Am vergangenen Samstag fand im Priener König-Ludwigs-Saal das diesjährige Frühjahrskonzert des Chiemgau-Orchesters statt. Wie immer hatten der Dirigent Matthias Linke und sein Orchester ein attraktives Programm zusammengestellt: Dieses Mal glich es einer ‚musikalischen Weltreise‘ und führte von den USA über alpenländische Regionen bis nach Paris.
Den Auftakt bildete die ‚Mississippi River Suite‘ (1934) der Afroamerikanerin Florence Price – einer Tonkünstlerin, die das Schicksal vieler weiblicher Komponistinnen teilt und erst in den letzten Jahren wiederentdeckt wurde – wie gut, dass sich das Orchester solchen vergessenen Werken in jüngster Zeit vermehrt zuwendet! Die malerische Komposition bringt auf ihrer musikalischen Fahrt entlang des geschichtsträchtigen Stromes nicht nur Vogelgezwitscher und Wasserwellen, sondern auch das Schicksal der Sklaven zum Erklingen, die im 18./19. Jahrhundert unter brutalen Bedingungen auf Baumwollplantagen im Mississippi-Tal ausgebeutet wurden. An sie wird durch die Einarbeitung von bekannten Gospels erinnert. Der musikalische Abwechslungsreichtum der Suite wurde von gut eingeübten Streichern, der souveränen Bläsergruppe und den Schlagzeugern bravourös gestaltet. – Nach der Pause erklang das Waldhorn-Konzert op. 11 in Es-Dur von Richard Strauss, gespielt vom Solohornisten Nikolaus Dengg. Das Konzert komponierte der erst 18-jährige Strauss im Jahr 1883 als Geburtstagsgeschenk für seinen Vater; das Jugendwerk verlangt dem Solisten dennoch bereits höchste Virtuosität ab, die der Solist dem Publikum in schöner Präzision geradezu sanglich vorführte.
Das Publikum belohnte ihn dafür mit einem anhaltenden Applaus. Entführte schon das Horn-Konzert die Zuhörer in heimatliche Gefilde, dann tat dies die originelle Zugabe des aus Österreich stammenden Solisten einmal mehr: eine eindrückliche Solo-Phantasie für Horn, die Tiroler Volksmusik-Klänge anspruchsvoll variiert. Nach diesem Meisterwerk nahm das Orchester noch einmal Fahrt auf und gestaltete mit George Gershwins Werk ‚An American in Paris‘ (1928) einen schwungvollen Gang durch die französische Metropole. Der hektische, oft grell dissonantische Großstadtlärm wurde mit allen Registern vorgeführt: Ein satter Streichersound, die voll besetzten Bläser mit drei Saxophonen, Schlagwerk, Celesta und Harfe sorgten für einen realistischen Eindruck – nicht zuletzt aber auch die von Gershwin instrumental besetzten Taxihupen, die das Orchester zwar nicht aus Paris, aber immerhin aus Konstanz hatte einfliegen lassen! Als eingefleischter Amerikaner konnte Gershwin es jedoch nicht lassen, einen kleinen musikalischen Wettkampf der Kulturen auszutragen: So erklingen als Gegengewicht zu den Pariser Eindrücken immer wieder jazzige Rhythmen und swingende Melodien aus der ‚neuen Welt‘. Die enormen technischen Herausforderungen meisterten das Orchester und sein Dirigent mit großem Elan und Musizierfreude.
Die ‚neue Welt‘ war auch das Stichwort für Orchestervorstand Christine Böhm, die wie immer heiter und informativ durch das Programm führte. Denn am Ende der Veranstaltung kündigte sie bereits das nächste Konzert an: Im Herbstkonzert am 21. November 2026 steht unter anderem Anton Dvoraks gleichnamige Sinfonie Nr. 9 auf dem Programm. Die Begeisterung des Publikums war groß: „Das war eine Wucht, der Hammer“, meinte ein Besucher; „ein großartiges Konzertvergnügen“ ein anderer. Und eine Zuhörerin schwärmte von der musikalischen Reise, auf die sie mitgenommen worden war: „Ein Abend voller Kopfkino – besser kann Musik nicht wirken“.
Bericht und Bilder: Chiemgau-Orchester, Verena Grillhösl












