Wenn heuer im August die Feuerwehr von Hasselbach in der Hochtaunus-Gemeinde Weilrod feiern wird, dann wird das auch ein Begegnungsfest mit Freunden aus dem Chiemgau und Rosenheimer Land. Seit 1986, als Priener Blasmusikanten und Atzinger Trachtler zum damals 60jährigen Bestehen einen Festzelt-Heimatabend gestalteten, gibt es einen regen und gegenseitigen Austausch.
Zum heurigen Fest-Programm der FFW Hasselbach gehörte ein Festgottesdienst in der Ortskirche St. Margaretha mit Pfarrer Joachim Wichmann (Priesterlicher Leiter im Pastoralen Raum Bad Camberg). Anschließend gab es einen feierlichen Zug zum Friedhof, bei der dortigen Gedenkfeier spielten zwei Musikanten der Feuerwehrkapelle Haintchen.
Die Rede bei der Gedenkfeier mit Kranzniederlegung hielt der Vorsitzende vom Festausschuss und Wehrführer Jürgen Mühle im Beisein von Ehrenvorsitzenden Stefan Mühle. Nachfolgend die Rede im Wortlaut.
Gedenkrede von Jürgen Mühle anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Hasselbach (für die Kranzniederlegung auf dem Friedhof)
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kameradinnen und Kameraden,
liebe Angehörige, Freunde und Mitbürger,
wir haben uns heute hier an diesem stillen Ort versammelt, um innezuhalten. Um zu erinnern. Um zu danken. Und um unserer Verantwortung gerecht zu werden, die Vergangenheit zu ehren und die Zukunft würdig zu gestalten.
100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Hasselbach – ein Jahrhundert voller Einsatzbereitschaft, Mut, Kameradschaft und Opferbereitschaft. Doch bei aller Freude über dieses besondere Jubiläum dürfen wir eines nicht vergessen: Hinter dieser langen Geschichte stehen Menschen. Menschen, die ihre Zeit, ihre Kraft und oft auch ihr eigenes Wohl für andere eingesetzt haben. Wenn wir heute zurückblicken, dann führt uns der Weg in eine Zeit, in der es in Hasselbach noch keine organisierte Feuerwehr gab. Brände wurden damals von den Dorfbewohnern selbst bekämpft – mit Eimerketten, mit Wasser aus Brunnen und mit einfachen Handpumpen. Es war ein Kampf gegen die Flammen mit begrenzten Mitteln. Oft breiteten sich Brände schnell aus, weil es an Erfahrung, Struktur und geeigneter Ausrüstung fehlte. Ein einschneidendes Ereignis – ein größerer Brand hier im Ort in der damaligen Langstraße, heute Limburger Straße, führte schließlich zu einem Umdenken. Gebäude konnten nicht ausreichend geschützt werden, der Schaden war groß, und die Erkenntnis reifte in der Dorfgemeinschaft: Wir brauchen eine organisierte Feuerwehr.
So wurde um das Jahr 1926 die Freiwillige Feuerwehr Hasselbach gegründet.
Die Anfangsjahre waren geprägt von Einfachheit, aber auch von großer Entschlossenheit. Freiwillige Männer aus dem Dorf schlossen sich zusammen, um Verantwortung zu übernehmen. Die Ausrüstung war bescheiden – eine Handdruckspritze, einfache Schläuche – und alarmiert wurde per Glocke oder durch Zuruf. Doch was damals vielleicht an Technik fehlte, wurde durch Zusammenhalt, Disziplin und den festen Willen, anderen zu helfen, mehr als ausgeglichen. Aus diesen Anfängen ist das gewachsen, was wir heute kennen und schätzen. Doch bei aller Entwicklung und allem Fortschritt dürfen wir eines nicht vergessen: Viele derjenigen, die diesen Weg geprägt haben, sind heute nicht mehr unter uns.
Wir gedenken heute unserer verstorbenen Kameradinnen und Kameraden. Menschen, die bereit waren, Verantwortung zu tragen, die geholfen haben, ohne zu zögern, die sich in den Dienst der Gemeinschaft gestellt haben. Ihr Einsatz war nicht selbstverständlich. Ihr Mut war leise, aber stark. Ihr Wirken bleibt unvergessen.Wir verneigen uns vor ihrem Lebenswerk in Dankbarkeit und Respekt. Mögen sie in Frieden ruhen.
Gleichzeitig gilt unser Dank den Lebenden – den aktiven und ehemaligen Mitgliedern unserer Feuerwehr. Ihr habt über Jahrzehnte hinweg die Werte weitergetragen, die einst den Grundstein gelegt haben: Hilfsbereitschaft, Pflichtbewusstsein und Kameradschaft. Ihr habt die Feuerwehr Hasselbach zu dem gemacht, was sie heute ist. Feuerwehr bedeutet mehr als Einsätze und Technik. Feuerwehr bedeutet Vertrauen. Es bedeutet, füreinander einzustehen – in schwierigen Momenten und darüber hinaus. Dieses Band verbindet Generationen und gibt unserer Gemeinschaft Halt. Wenn wir nun diesen Kranz niederlegen, dann ist er ein Zeichen des Gedenkens – aber auch ein Symbol der Verbundenheit. Er steht für die Vergangenheit, die uns geprägt hat, für die Gegenwart, die wir gestalten, und für die Zukunft, die wir in Verantwortung tragen.
Lasst uns das Andenken unserer Verstorbenen bewahren, indem wir ihre Werte weiterleben. Lasst uns das Erbe fortführen, das vor 100 Jahren aus Notwendigkeit geboren wurde und bis heute von Gemeinschaft getragen wird. In stiller Ehrfurcht und großer Dankbarkeit legen wir nun diesen Kranz nieder – zum Gedenken an unsere verstorbenen Kameraden und Kameradinnen als Zeichen der Wertschätzung für alle, die sich dem Dienst am Nächsten verschrieben haben. Wir werden euch nicht vergessen. Vielen Dank.
Fotos: Stefan Mühle, Ehrenvorsitzender der Feuerwehr Hasselbach













