Während der Trauerfeier stand würdevoll aufgebahrt die Urne von Erna Hundsberger neben der Osterkerze in der Pittenharter Pfarrkirche – „Deine Zeit steht in deinen Händen“ singt der Pittenharter Kirchenchor zu Beginn des Trauergottesdienstes für Erna Hundsberger. Zwei Monate nach dem 90. Geburtstag war die Zeit hier auf der Erde für Erna zu Ende.
Bei guter Gesundheit konnte sie im Februar ihren 90. Geburtstag feiern, freute sich über die vielen Glückwünsche und die heiteren Stunden, die sie im Kreis der Familie, Nachbarn und Freunden verbringen durfte. Einige Tage nach der Feier besuchten sie auch ehemaligen Mitarbeiterinnen ihres Edeka-Ladens um bei einer fröhlichen Kaffeerunde ihrer früheren Chefin zu gratulieren.
Zufrieden war sie, hatte Freude am Leben und war dankbar für alles was sie erleben durfte, das sagte sie noch bei ihren 90. Geburtstag. Die Familie bemerkt aber, dass sie immer mehr abbaute und Zunehmens Hilfe brauchte. Eine Woche nach Ostern wendete sich plötzlich das Blatt total. Erna Hundsberger kam ins Krankenhaus, erst nach Trostberg und dann nach Bad Reichenhall, wo sie sich einer kleinen Operation unterziehen musste. Die Operation schien anfangs auch die richtige Entscheidung gewesen zu sein, so ihre Angehörigen, die sie nach dem Aufwachen aus der Narkose besuchten. „Oma ging es sichtlich besser und wir waren sehr zuversichtlichen“, berichten sie, umso überraschender für sie, als dann tags darauf, am Mittwoch den 15. April die Nachricht vom Krankenhaus kam, dass Erna Hundsberger vom Vormittag für immer eingeschlafen ist.
Das Leben von Erna Hundsberger begann am 15. April 1936, als erstes Kind von Florian und Anna Niedermaier erblickte sie in Pittenhart das Licht der Welt. Zusammen mit ihren jüngeren Brüdern Florian und Hermann ist sie in der traditionellen KFZ-Werkstatt und Tankstelle Niedermaier in Pittenhart aufgewachsen und besuchte in Pittenhart die Schule. wie damals üblich wurde noch die Hauswirtschaftsschule in Wasserburg angehängt, die sie mit drei Freundinnen aus der Gemeinde besuchte. Für eine Ausbildung im Einzelhanden bot sich das elterliche Geschäft an, ergänzend wurde die Berufsschule in Traunstein besucht. Damals eine Seltenheit, wenn ein junges Mädchen den Führerschein machte, für die Tochter eines Autohauses eine Selbstverständlichkeit, gehörte doch der Inhaber der Trostberger Fahrschule zu der Kundschaft der Niedermaier‘s. Nach Ausbildungsende führte Erna Niedermaier der berufliche Weg Richtung Tegernsee, wo sie für die Bäckerei Guggenhuber die Verkaufsfahrerin die Verteilung der Backwaren erledigte. Am Wochenende zog es sie immer wieder in die Heimat. Mit dem Pittenharter Schreiner Josef Hundsberger verband sie eine herzliche Freundschaft. Die beiden hatten nicht nur Interesse aneinander, auch pflegten sie gemeinsame Hobbys, wie das Motorradfahren und Tanzen. Aus der jugendlichen Freundschaft wurde bald eine unzertrennliche Liebe. Am 27. September 1958 wurde geheiratet. Die Hochzeit brachte für die Braut einen Umzug mit sich. Das Hundsberger-Anwesen mit Lebensmittelgeschäft und Schreinerei in Pittenhart wurde ihr neues Zuhause und fortan stand Erna im Laden und bediente die Kunden und arbeitete im Büro ihres Mannes mit. Tochter Erna wurde geboren und später dann die Enkel Georg und Christine und fünf Urenkel machten die Familie komplett, die Erna zeitlebens immer sehr wichtig war.
Zu ihren Urenkelinnen sagte sie oft, dass sie sich für die Mädchen einen so guten Mann wünsche, wie sie mit Josef gehabt hatte. Ein großes Kompliment an ihren Mann, von den sie sich im Dezember 2020 verabschieden musste. Neben all der Arbeit im Lebensmittelgeschäft und bei Josef in der Schreinerei und dem Bestattungsunternehmen fand die Familie immer wieder Zeit für Ausflüge und Urlaube. Kurz nach dem Tod von Josef gab es für Erna nochmals eine einschneidende Veränderung in ihrem Leben. Sie zog innerhalb des Dorfes um. Das Haus von Enkel Georg, seiner Frau Sandra und den 3 Urenkelin wurde zu ihrem neuen Dahoam. Gut eingebettet in die Familie und bestens versorgt durfte sie ein sorgenfreies Leben genießen und wie sie zu ihrem 90. Geburtstag sagte, fühlte sie sich in der Familie ihres Enkels wohl und ihr gehe es sehr gut. Am Freitag, den 8. Mai heißt es Abschied nehmen, von einer Frau, deren Lebensfreude und ihre Herzlichkeit immer spürend und ansteckend war. Beim feierlichen Trauergottesdienst, wo auch ihre Urne in der Kirche ihren Platz neben der Osterkerze hatte, würdigte Pfarrer David Mehlich ihr Leben. Unter großer Anteilnahme der Gemeinde wirf ihre Urne im Familiengrab im Pittenharter Friedhof beigesetzt.
Bericht und Foto: Emmy Künzner-Hingerl / Sterbefoto




