Brauchtum

120 Jahre GTEV Chiemgau Feldwies

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Zwei Tage lang am Freitag, 12. Juni und am Samstag, 13. Juni feiert der Trachtenverein “Chiemgau” Feldwies sein 120jähriges Bestehen – Programm siehe Anlage. 

Die Geschichte des GTEV Chiemgau Feldwies ist eine Geschichte voller Leidenschaft, Zusammenhalt und gelebter Tradition. Seit der Gründung im Jahr 1906 prägt der Verein das kulturelle Leben in der Feldwies und weit darüber hinaus. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich über Generationen hinweg ein lebendiger, moderner und zugleich traditionsbewusster Trachtenverein.

Gegründet wurde der Verein von Jakob Schmid, Andre Franz Nikolaus Kerndlmayer, Xaver Stephl, August Schmid, Stefan Stephl, Sebastian Huber, Baptist Donauer sowie insgesamt weiteren 56 Mitgliedern. Als Vereinssymbol diente damals eine Standarte, die heute leider nicht mehr erhalten ist. Wie viele Trachtenvereine jener Zeit schloss sich auch der Feldwieser Trachtenverein zunächst dem Gauverband I an.
Ein erster großer Höhepunkt war die Fahnenweihe im Jahr 1923. Trotz Inflation und großer wirtschaftlicher Not gelang es den Mitgliedern mit großem Einsatz, Spenden und außergewöhnlichen Aktionen wie Heu- und Zigarettenverkauf, eine neue Fahne zu finanzieren. Am 17. Juni 1923 wurde sie feierlich in der Pfarrkirche St. Nikolaus geweiht. Patenverein war Alt Salzburg, Fahnenmutter Maria Steffl und Fahnenbraut Johanna Schwaiger.

Der Zweite Weltkrieg brachte das Vereinsleben nahezu vollständig zum Erliegen. Viele Mitglieder wurden eingezogen, und die schweren Jahre hinterließen tiefe Spuren. Doch bereits 1946 begann mit einer konstituierenden Versammlung der Neuanfang. Männer wie Jakob Schupfner, Josef Genghammer, Franz Huber und insbesondere Xaver Hartl prägten den Wiederaufbau des Vereins entscheidend.
1948 wechselte der Verein nach intensiven Beratungen vom Gauverband I in den Chiemgau Alpenverband. In den folgenden Jahrzehnten erlebte der Verein eine beeindruckende Blütezeit. Heimatabende, Sommernachtsfeste, Frühjahrssingen, Hoagarts und zahlreiche Veranstaltungen machten den Verein zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.

Besonders stolz können die Feldwieser Trachtler auf ihre internationalen Auftritte sein. Bereits 1960 führte eine Reise zum internationalen Tanzfest nach Desenzano del Garda in Italien. Kurz darauf entstanden Kontakte nach England, die viele weitere Einladungen nach sich zogen. Die Aktiven vertraten Chiemgauer Brauchtum unter anderem in Stratford-upon-Avon, Sidmouth, Newcastle, Irland, Holland, Belgien, Spanien, Jugoslawien, der Schweiz, Tschechien und den USA. Ein ganz besonderer Höhepunkt war die Teilnahme einiger Feldwieser Trachtler 1972 an einer Tournee des „German Nationalzirkus“ durch Australien. Weitere unvergessliche Reisen führten die Aktiven unter anderem nach Salt Lake City in den USA sowie 2004 zum größten Kulturfestival nach Peking in China.

Auch bei großen Veranstaltungen im eigenen Gau setzte der Verein immer wieder Maßstäbe. Vier Gaupreisplatteln, mehrere Gründungsfeste, zwei internationale Folklorefeste, Gauheimatabende und Gautrachtenfeste zeigen eindrucksvoll die Bedeutung des Vereins im Chiemgau Alpenverband. Neben den großen Reisen und Auftritten stand jedoch immer eines im Mittelpunkt: die Gemeinschaft. Der Zusammenhalt zwischen Jung und Alt, das Herzblut der Mitglieder und die Begeisterung für Musik, Tanz und Tradition prägen den Verein bis heute.

Dies spiegelte sich auch im vergangen Jahr wieder. Das Gaufest 2025! Ein weiteres besonderes Ereignis in der Vereinsgeschichte. Geprägt von Zusammenhalt, Gemeinschaft und einer einzigartigen Energie von Anfang bis Ende Für Begeisterung sorgte die Präsentation des Films „´d Feldwieser Roas“. Der Film über die Feldwieser Trachtler stellte den Verein auf eine Weise dar, wie es kaum besser hätte gelingen können. Dieser Feldwieser Festabend , voller Emotionen, Musik, bewegenden Bildern und gelebter Tradition wird vielen weit über die Gemeindegrenze hinaus noch lange in Erinnerung bleiben. Als am Festsonntag dann auch noch die Sonne über der Feldwies strahlte und der große Festzug durch den Ort zog, war die Begeisterung groß. Begleitet von bester Stimmung, Musik und zahlreichen Zuschauern wurde dieser Tag ebenfalls zu einem Tag der in Erinnerung bleibt. Das gesamte Gaufest stand unter dem Motto „A scheene Zeit mit guade Leid“ – und genau das war es auch.
Heute, nach 120 Jahren Vereinsgeschichte, stehen die Feldwieser Trachtler mehr denn je für eine gelungene Verbindung aus Tradition und Moderne. Der Verein glüht noch immer – voller Freude, Leidenschaft und Begeisterung. Aus der Glut vergangener Generationen ist ein lebendiger Verein entstanden, der stolz auf seine Wurzeln blickt und zugleich modern, spritzig und offen in die Zukunft geht. Und genau das möchten wir mit euch gemeinsam feiern.

Am 12. & 13. Juni bei unserem Vereinsjubläum. Kemmt`s vorbei auf „a scheene Zeit mit gaude Leid“.

Anlage: Programm für Freitag, 12. Juni und Samstag, 13. Juni


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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