Leitartikel

Breitbrunn: Abschied von Rosserer Kurzlechner

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Familie, Freunde, Vereinskameraden und weitere Wegbegleiter nahmen Abschied von Martin Kurzlechner aus Breitbrunn, der nach einem erfüllten Leben im Alter von 94 Jahren verstorben ist. Den Trauergottesdienst in der Pfarrkirche Breitbrunn sowie die anschließende Beerdigung leitete Diakon Josef Stürzer. Die musikalische Gestaltung übernahmen der Kirchenchor Breitbrunn, Organistin Nadja Stübl und Geigerin Christine Klotz.

Zu Beginn des Gottesdienstes erinnerte Diakon Stürzer an die enge Verbundenheit des Verstorbenen mit Pferden und Kutschen. Mit Blick auf das wenige Tage zuvor gefeierte 120-jährige Gründungsfest des Trachtenvereins Breitbrunn sagte er: „Für unseren Verstorbenen wäre es noch vor einigen Jahren eine Selbstverständlichkeit gewesen, da auch mit einer Kutsche mitzufahren.“  Diakon Stürzer erinnerte, dass Martin Kurzlechner am 10. März 1932 in Malching im heutigen Landkreis Passau zur Welt kam und dass er sich schon sehr früh und  intensiv mit Pferden beschäftigte. Nach Tätigkeiten in der Landwirtschaft und bei der Deutschen Heraklit AG in Simbach am Inn widmete er sich in seiner Freizeit nahezu ausschließlich dem Reit- und Fahrsport. Bereits 1955 konnte er sein erstes eigenes Pferd erwerben.

1958 erhielt er eine Anstellung als Pferdepfleger, Reitlehrer und Ausbilder auf Herrenchiemsee. Weitere berufliche Stationen führten ihn nach Seebruck, Rimsting und auf Gut Kronberg. Dort war er über viele Jahre als Reit- und Fahrausbilder tätig. 1972 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Reit- und Fahrvereins Chiemgau Nord. Für seine Verdienste um die Ausbildung und Haltung von Pferden wurde ihm 1984 die Goldene Nadel des Bayerischen Staatsministeriums verliehen. Gemeinsam mit seiner 2016 verstorbenen Ehefrau Maria baute er in Breitbrunn sein Zuhause auf. Der Ehe entstammen die Söhne Martin und Thomas. Große Freude bereiteten ihm seine Enkel Fabian, Michael und Maxi. Bis ins hohe Alter blieb Martin Kurzlechner den Pferden treu verbunden. „Mit 92 Jahren ist er das letzte Mal auf der Kutsche gefahren“, erinnerte Diakon Stürzer. Nach dem Gottesdienst bewegte sich der Trauerzug zum Friedhof. Einen besonders würdigen Rahmen erhielt die Beisetzung durch die historische Bestattungskutsche von Peter Herdegen aus Breitbrunn. Die Urne wurde auf ihrer letzten Fahrt von Pferden gezogen, die von Christian Hollinger geführt wurden.

Bei den Nachrufen wurde die große Verbundenheit des Verstorbenen mit den Pferden und den Reitervereinen deutlich. Für die Rosserer Breitbrunn sprach Josef Obermeier. In seinem Nachruf erinnerte er an die lebenslange Leidenschaft des Verstorbenen für Pferde und stellte fest: „Undenkbar bei Martin Kurzlechner irgendwas ohne Pferde.“ Er erinnerte an die Anfänge des Rosserervereins, an die zahlreichen Leonhardiritte sowie Turniere und Veranstaltungen, bei denen Martin Kurzlechner mit seinen Gespannen vertreten war. Bereits beim ersten Leonhardiritt der Rosserer im Jahr 1984 war er mit einem Vierspänner dabei. Für 20 Jahre lückenloses Einspannen beim Leonhardiritt erhielt er im Jahr 2003 eine besondere Auszeichnung.

Mit einem Schmunzeln erinnerte Obermeier daran, dass Martin Kurzlechner „nicht für Pünktlichkeit berühmt“ gewesen sei, zugleich aber immer dabei und stets bester Laune gewesen sei. Zum Abschied richtete er die Worte an seinen langjährigen Vereinskameraden: „Herzlicher Dank für die lebenslange Treue zum Pferd und über 40 Jahre Treue zum Rossererverein. Lieber Martin, reite in Frieden!“. Auch die Mitglieder und die Standartenreiter der Rosserer Breitbrunn, des Reit- und Fahrvereins Chiemgau Nord und der Guntersberger erwiesen Martin Kurzlechner die letzte Ehre. Mit Martin Kurzlechner verliert die Region einen über Jahrzehnte geschätzten Pferdefachmann, Ausbilder und Pferdefreund, dessen Name eng mit dem Reit- und Fahrsport im Chiemgau verbunden bleibt.

Fotos: Herdegen – 1. Porträt Martin Kurzlechner – 2. Martin Kurzlechner mit Pferdegespann – 3. Bestattungs-Kutsche mit Urne von Peter Herdegen

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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