Das Gaufest des Bayerischen Inngau-Trachtenverbandes und das 130-jährige Gründungsjubiläum des GTEV Alpenrose Nußdorf sind vorbei. Die Musik ist verklungen, die Gäste sind heimgekehrt, das Festzelt ist verschwunden. Zurück bleibt mehr als Erinnerung.
Nußdorf am Inn – Wo vor wenigen Tagen noch Tausende Menschen gefeiert, gebetet, getanzt, musiziert und miteinander angestoßen haben, ist wieder Ruhe eingekehrt. Das große Festzelt, das für kurze Zeit zum Mittelpunkt der Inngauer Trachtenfamilie wurde, ist verschwunden. Der Festplatz liegt wieder offen da. Nur die Spuren im Boden, die Erinnerungen der Menschen und die vielen Bilder erzählen noch davon, welch großes Geschehen hier stattgefunden hat.

Der Auftakt einer großen Festwoche: Mit dem Anstich des ersten Fasses eröffnete Schirmherrin Susanne Grandauer das Gaufest des Bayerischen Inngau-Trachtenverbandes und das 130-jährige Jubiläum des GTEV Alpenrose Nußdorf.
Und doch ist gerade dieser Moment besonders. Wenn ein Fest vorbei ist, wenn die letzten Töne verklungen, die Fahnen eingerollt, die Bänke abgebaut und sogar das Festzelt verschwunden ist, wird oft erst sichtbar, was es bedeutet hat. Das Gaufest des Bayerischen Inngau-Trachtenverbandes und das 130-jährige Gründungsjubiläum des Gebirgstrachtenerhaltungsvereins Alpenrose Nußdorf waren nicht nur eine Abfolge von Programmpunkten. Es waren Festtage, in denen ein ganzes Dorf sichtbar wurde: als Gastgeber, als Helfergemeinschaft, als Ort der Tracht, der Musik, des Glaubens, der Jugend und des Ehrenamts.

Die Aktiven des GTEV Alpenrose Nußdorf im voll besetzten Festzelt: Junge Trachtlerinnen und Trachtler zeigten, wie lebendig Brauchtum in Nußdorf weitergetragen wird.
Begonnen hatte alles mit dem Bieranstich durch Bürgermeisterin und Schirmherrin Susanne Grandauer. Drei kräftige Schläge waren nötig, dann floss das erste Festbier, und Nußdorf startete in eine Festwoche, auf die viele Menschen fast zwei Jahre lang hingearbeitet hatten. Schon dieser Auftakt zeigte, dass hier nicht einfach ein Fest organisiert worden war, sondern ein gemeinsames Werk entstanden war. Vorstand Andreas Mayer, Festleiter Peter Oberauer, die Vorstandschaft des GTEV Alpenrose Nußdorf, der Festausschuss, die Ortsvereine, die vielen Helferinnen und Helfer sowie zahlreiche Unterstützer hatten über Monate hinweg vorbereitet, geplant, aufgebaut und mitgetragen.

Viele Stunden auf den Beinen und immer mitten im Festgeschehen: Die Service-Kräfte waren stille Leistungsträger der Nußdorfer Gaufesttage – ohne sie wäre ein Fest dieser Größe nicht möglich gewesen.
Der Gauheimatabend führte dann eindrucksvoll vor Augen, worum es bei einem solchen Fest im Kern geht: um die Weitergabe von Brauchtum, um die Freude an der Tracht, um Musik und Tanz, aber auch um das Miteinander der Generationen. Kinder, Jugend und Aktive des Trachtenvereins standen auf der Bühne und zeigten, dass Heimat dort lebendig bleibt, wo sie nicht nur bewahrt, sondern weitergegeben wird. Wenn Kinder Hand in Hand ihre Runden drehten, junge Dirndl mit schwingenden Röcken tanzten und die Aktiven mit sicherem Auftreten auf der Bühne standen, dann war das kein folkloristisches Bild für Außenstehende, sondern gelebte Vereinsarbeit.

Vor dem Feiern stand das Erinnern: Beim Totengedenken wurde der verstorbenen Mitglieder, Gefallenen und Vermissten gedacht – ein stiller und würdiger Moment der Nußdorfer Gaufesttage.
Zu den stilleren, aber wichtigen Momenten gehörte das Totengedenken. Vor dem großen Feiern stand die Erinnerung an jene, die den Weg mitbereitet haben: verstorbene Mitglieder, Gefallene und Vermisste. Gerade dieser ernste Augenblick gab dem Gaufest eine Tiefe, die über Musik und Festbetrieb hinausreichte. Tracht ist eben nicht nur Gewand, sondern auch Gedächtnis, Herkunft und Verpflichtung.

Mit sichtbarer Freude zogen die jungen Trachtlerinnen und Trachtler beim Gauheimatabend ins voll besetzte Festzelt ein – ein starkes Bild für die lebendige Nachwuchsarbeit im GTEV Alpenrose Nußdorf.
Der große Festsonntag wurde zum sichtbaren Höhepunkt der Festtage. Der Kirchenzug, der feierliche Festgottesdienst im Waldpark und der anschließende Festzug durch Nußdorf machten deutlich, welche Kraft in der Inngauer Trachtenfamilie liegt. Tausende Trachtlerinnen und Trachtler, Musikkapellen, Fahnenabordnungen, Festwägen und Besucher prägten das Ortsbild. Nußdorf hatte sich herausgeputzt, und das Dorf trug sein Fest mit einer Geschlossenheit, die weit über den Ort hinaus wahrgenommen wurde.
Doch die Stärke dieser Festwoche lag nicht nur in den großen Bildern. Sie zeigte sich ebenso in den vielen einzelnen Tagen und Begegnungen: beim Kesselfleischessen, beim Seniorentag, beim Kindernachmittag, beim Volksmusikabend, beim Goaßlschnalzertreffen mit Spanferkelessen, bei den Musikabenden mit ProMill, Brassaranka und weiteren Gruppen, beim Bier- und Weinfest, beim Trachten- und Handwerkermarkt und schließlich beim Gaudirndldrahn. Jeder dieser Programmpunkte hatte seinen eigenen Charakter und zeigte eine andere Seite dieses Gaufestes.

Die Alt-Aktiven beim Gauheimatabend: ein starkes Bild dafür, wie Tracht, Tanz und Gemeinschaft über Generationen hinweg weitergetragen werden.
Besonders eindrucksvoll war die Breite der Beteiligung. Da waren die Musikanten auf der Bühne, die Kinder in Tracht, die jungen Leute an den Tischen, die Senioren beim gemeinsamen Nachmittag, die Goaßlschnalzer, die Dirndl beim Wettbewerb, die Burschen beim Platteln, die Bedienungen mit vollen Händen, die Helfer an Schänke, Küche, Einlass, Aufbau, Technik und Organisation. Viele standen nicht im Mittelpunkt, aber ohne sie wäre nichts gegangen. Ein Fest dieser Größe entsteht nicht durch wenige Namen, sondern durch viele Menschen, die anpacken, bevor andere kommen – und bleiben, wenn andere längst gegangen sind.

Ein besonderer Auftakt zum Festsonntag: Die Musikkapelle Nußdorf weckte Festleiter Peter Oberauer und seine Familie früh am Morgen mit Musik – ein gelebter Brauch und Zeichen besonderer Wertschätzung.
Beim Bier- und Weinfest am letzten Samstagabend wurde noch einmal sichtbar, wie groß die Resonanz bis zum Schluss war. Weit über 2000 Besucher kamen noch einmal ins Festzelt, das erneut voll besetzt war. Verschiedene Musikgruppen aus der Region sorgten für Unterhaltung, die Bedienungen waren im Dauereinsatz, und das Festzelt lebte ein letztes Mal in jener Fülle, die diese Tage geprägt hatte.

Der Festgottesdienst im Waldpark war einer der würdigen Höhepunkte des Gaufestes: Trachtlerinnen und Trachtler, Musikkapellen, Fahnenabordnungen und zahlreiche Ehrengäste versammelten sich unter freiem Himmel zum gemeinsamen Gebet.
Schirmherrin Susanne Grandauer nutzte den Abend, um allen Mitwirkenden zu danken. Es sei ein großartiges Gaufest gewesen, sagte sie sinngemäß – und sie fand dafür ein besonders schönes Bild: Diese gemeinsam gelebte Zeit sei für sie ein „leuchtender Faden im Gewand des Lebens“.
Der Sonntag setzte dann den traditionellen Schlusspunkt. Der Trachten- und Handwerkermarkt gab dem letzten Festtag einen ruhigeren Rahmen. Zwischen Brezen, Brot, Trachtenzubehör, Lederarbeiten, Taschen, Trachtenstoffen, Haferlschuhen, Fächern und handwerklich gefertigten Waren konnten die Besucher noch einmal verweilen, schauen und ins Gespräch kommen. Auf der Bühne aber stand mit dem Gaudirndldrahn ein Wettbewerb im Mittelpunkt, der eindrucksvoll zeigte, wie anspruchsvoll gelebtes Brauchtum sein kann.

Rund 5.300 Trachtlerinnen und Trachtler kamen am Festsonntag nach Nußdorf: Das voll besetzte Festzelt wurde zum eindrucksvollen Bild für die große Gemeinschaft des Bayerischen Inngau-Trachtenverbandes.
Was beim Zuschauen leicht und elegant wirkt, verlangt jahrelange Übung, Konzentration, Ausdauer und Körperbeherrschung. Die Dirndl drehten sich in kleinen, schnellen Schritten um sich selbst und um den Burschen, während Haltung, Taktgefühl und saubere Ausführung von den Preisrichtern genau beobachtet wurden.

Der große Festzug am Festsonntag wurde zu einem der Höhepunkte der Nußdorfer Gaufesttage: Tausende Trachtlerinnen und Trachtler, Musikkapellen, Festwägen und Zuschauer verwandelten den Ort in ein lebendiges Bild gelebter Heimat.
Auch das Gruppenplatteln zeigte mit kraftvollen Sprüngen, exakten Abläufen und sicherem Zusammenspiel, dass bayerisches Brauchtum nicht museal ist, sondern lebendig, sportlich und mit großem Ernst gepflegt wird.
So endeten die Nußdorfer Festtage nicht mit einem bloßen Ausklang, sondern mit einem starken Zeichen: Tracht lebt dort, wo sie getragen wird. Musik lebt dort, wo sie gespielt wird. Gemeinschaft lebt dort, wo Menschen bereit sind, Zeit, Kraft und Herzblut einzubringen.

Ein Fest für alle Generationen: Beim Seniorennachmittag wurde sichtbar, dass das Nußdorfer Gaufest nicht nur von großen Auftritten lebte, sondern vor allem von Gemeinschaft, Begegnung und Erinnerung.
Wenn nun das Festzelt abgebaut ist und der Alltag zurückkehrt, bleibt mehr als eine schöne Erinnerung. Es bleiben Bilder von vollen Bänken, von tanzenden Kindern, von stillen Momenten des Gedenkens, von einem feierlichen Gottesdienst, von einem langen Festzug, von Musik und Applaus, von schwingenden Röcken, von lachenden Helfern, von dankbaren Blicken und von einem Dorf, das für wenige Tage zum Mittelpunkt der großen Inngauer Trachtenfamilie wurde.

Vielleicht ist genau das die besondere Kraft solcher Feste: Sie dauern nur wenige Tage, aber sie entstehen aus Monaten und Jahren der Vorbereitung. Sie kosten Arbeit, Zeit, Nerven und unzählige Stunden ehrenamtlichen Einsatzes. Und dann gehen sie scheinbar viel zu schnell vorbei.
Doch was bleibt, ist nicht wenig. Es bleibt Dankbarkeit. Es bleibt Zusammenhalt. Es bleibt das Wissen, dass ein Dorf Großes leisten kann, wenn viele Menschen an einem Strang ziehen.
Und es bleibt Nußdorf selbst – eingebettet zwischen Inn, Kirchen, Bergen und dem Blick hinüber ins Kaisergebirge – als Ort, der in diesen Festtagen weit über sich hinausgestrahlt hat.

Nußdorf am Inn im Abendlicht: Der Ort war während der Gaufesttage Gastgeber, Bühne und Mittelpunkt einer großen Trachtenfestwoche.
Beitrag & Fotos: Rainer Nitzsche


