Ministerpräsident Dr. Markus Söder sprach beim Katholischen Männerverein Tuntenhausen – Dr. Florian Herrmann begrüßte die Teilnehmer – Landrat Otto Lederer dankte zum Abschluss.

Die Frühjahrswallfahrt des Katholischen Männervereins Tuntenhausen führte zahlreiche Ehrengäste zusammen. Vor dem Festgottesdienst stellten sich Geistlichkeit, Ministranten, Vereinsvertreter und politische Gäste mit Ministerpräsident Dr. Markus Söder zum Gruppenbild vor dem Gasthof Schmid.

Tuntenhausen – Die Frühjahrswallfahrt des Katholischen Männervereins Tuntenhausen hat am Sonntag zahlreiche Gläubige, Mitglieder und Gäste in den traditionsreichen Wallfahrtsort geführt. Den Festgottesdienst in der Basilika zelebrierte Abt Petrus Höhensteiger OSB. Mit dabei war auch Pfarrer Richard Basta, Pfarrer der Basilika Tuntenhausen und Leiter der Geschäftsstelle des Katholischen Männervereins.

Festlicher Gottesdienst in der Basilika Tuntenhausen: In den ersten Bankreihen versammelten sich Ehrengäste, Mitglieder des Katholischen Männervereins und Ministranten zur Frühjahrswallfahrt.

Im Anschluss stand die Zusammenkunft im Zeichen von Glaube, Gemeinschaft, Heimat und bayerischer Identität. Festredner war der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Die einleitenden Worte sprach der Vereinsvorsitzende Dr. Florian Herrmann, MdL, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien. Den Abschluss übernahm der stellvertretende Vorsitzende, Landrat Otto Lederer.

Stiller Moment während des Festgottesdienstes: Ministerpräsident Dr. Markus Söder in der ersten Reihe der Basilika Tuntenhausen.

Schon in seiner Begrüßung machte Dr. Florian Herrmann deutlich, dass die Frühjahrswallfahrt für den Katholischen Männerverein weit mehr ist als ein fester Termin im Jahreslauf. Er hieß die Mitglieder des Vereins ebenso willkommen wie die vielen Freunde, Gäste und Teilnehmer, die nach Tuntenhausen gekommen waren. Besonders begrüßte er Ministerpräsident Dr. Markus Söder, dessen Kommen er als große Ehre für den Verein bezeichnete. Herrmann dankte zudem Abt Petrus Höhensteiger OSB für den festlichen Gottesdienst und die eindrucksvolle Predigt sowie allen, die zur musikalischen Gestaltung beigetragen hatten. Die Kirchenmusik und das anschließende Standkonzert gaben dem Tag einen festlichen Rahmen, der die Verwurzelung der Wallfahrt in Kirche, Vereinstradition und regionalem Leben sichtbar machte.

Pfarrer Richard Basta (Leiter der Geschäftsstelle des Katholischen Männervereins Tuntenhausen) begrüßt die Ehrengäste der Wallfahrt.

Ministerpräsident Söder nahm den besonderen Charakter des Ortes und des Vereins in seiner Rede auf – zunächst mit Humor, dann zunehmend grundsätzlich. Als evangelischer Franke bei einem katholischen Männerverein in Altbayern sprechen zu dürfen, sei für ihn durchaus eine besondere Gnade, sagte Söder augenzwinkernd. Zugleich würdigte er die lange Tradition des Vereins, der aus der Landwirtschaft und dem ländlichen Raum heraus entstanden sei. Bayern könne, so Söder, bei aller Bedeutung seiner Städte und Ballungsräume seine Seele nicht bewahren, wenn der ländliche Raum und die Landwirtschaft an den Rand gedrängt würden. Man müsse, sagte er sinngemäß, schon sehr töricht sein, jene ständig belehren zu wollen, die einen ernähren.

Dr. Florian Herrmann, MdL, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien und Vorsitzender des Kath. Männervereins Tuntenhausen

Damit war einer der Grundtöne der Rede gesetzt: Söder sprach nicht über tagespolitische Detailfragen, sondern über das, was aus seiner Sicht Bayern im Innersten zusammenhält. Sein Leitbegriff war Identität. Bayern sei ein modernes Land, technologisch stark und offen für Fortschritt, sagte der Ministerpräsident. Er erinnerte an Franz Josef Strauß und dessen Entscheidung für Technologie und Luftfahrt, an Edmund Stoiber und die Hightech-Politik der 1990er Jahre sowie an die heutige Digitalisierung. Bayern dürfe Zukunft nicht allein Amerikanern oder Chinesen überlassen, sondern müsse selbst an der Spitze des Fortschritts stehen. Konservativ sein heiße, zitierte Söder sinngemäß Strauß, an der Spitze des Fortschritts zu stehen.

Stiller Moment beim Festgottesdienst in der Basilika Tuntenhausen: Eine Ministrantin verfolgt konzentriert die Liturgie der Frühjahrswallfahrt des Katholischen Männervereins.

Doch Fortschritt allein reiche nicht aus, um ein Land zusammenzuhalten. Gerade in einer Zeit, in der sich die Welt rasant verändere, in der Globalisierung vieles gleichförmig mache und Menschen täglich mit Krisenmeldungen konfrontiert seien, brauche es Orientierung. „Wer nicht weiß, woher er kommt, weiß nicht, worauf er steht und hat keine Ahnung, wohin er gehen soll“, stellte Söder heraus. Bayerische Identität sei deshalb kein nostalgisches Beiwerk, sondern ein Anker. Sie gebe Halt, ohne die Zukunft zu verweigern.

Abt Petrus Höhensteiger OSB bei der Predigt in der Basilika Tuntenhausen. Der Festgottesdienst bildete den geistlichen Auftakt der Frühjahrswallfahrt des Katholischen Männervereins.

Diese bayerische Identität fasste Söder in drei Begriffe: Freiheit, Heimat und Glaube. Freiheit bedeute in Bayern mehr als eine abstrakte politische Formel. Sie meine die Freiheit des Denkens, des Redens, der eigenen Meinung und auch eine gewisse bayerische Eigenwilligkeit gegenüber staatlicher Bevormundung. Bayern sei nicht zufällig ein Freistaat, sagte Söder. Es gebe hier eine besondere Mischung aus Staatsbewusstsein und Widerspruchsgeist, aus Ordnungssinn und Freiheitsdrang. Man stehe zum Staat, lasse sich aber nicht vorschreiben, was man zu denken, zu sagen oder zu meinen habe.

Weihrauch beim Festgottesdienst in der Basilika Tuntenhausen: Die liturgischen Zeichen prägten den geistlichen Auftakt der Frühjahrswallfahrt des Katholischen Männervereins.

Beim Thema Heimat spannte Söder den Bogen von Tracht, Blasmusik und Gebirgsschützen bis zu Ehrenamt, Feuerwehr und Vereinsleben. Tracht sei keine bloße Mode, sondern Ausdruck eines Lebensgefühls. Blasmusik gehöre ebenso zu Bayern wie die Feste, die Vereine und die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Gerade dieses sichtbare, hörbare und gelebte Bayern werde weltweit wahrgenommen. Bayern sei Marke, Lebensgefühl und Heimat zugleich. Dass Menschen aus anderen Regionen oder Ländern dieses Lebensgefühl suchten und zeitweise daran teilhaben wollten, zeige seine Kraft.

Feierlicher Auszug nach dem Festgottesdienst in der Basilika Tuntenhausen: Ministranten, Geistliche und Teilnehmer prägten das eindrucksvolle Bild der Frühjahrswallfahrt des Katholischen Männervereins.

Den stärksten und persönlichsten Teil seiner Rede widmete Söder dem Glauben. Er stellte die Frage, ob der Glaube heute nur noch Tradition sei, ein Überbleibsel vergangener Zeiten, oder ob er auch in der Gegenwart Halt geben könne. Seine Antwort war eindeutig: Nicht der Glaube selbst sei in der Krise, sondern vielfach der öffentliche Mut, sich zu ihm zu bekennen. Die Suche nach Sinn sei so groß wie je zuvor. Menschen suchten Orientierung in Büchern, im Internet, in Ersatzangeboten und Ratgebern. Gerade deshalb brauche es aus Söders Sicht wieder ein stärkeres öffentliches Bekenntnis zum Glauben.

Dr. Florian Herrmann, MdL, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien sowie Vorsitzender des Katholischen Männervereins Tuntenhausen, begrüßte die Gäste der Kundgebung nach dem Festgottesdienst.

Dabei sprach der Ministerpräsident nicht nur politisch, sondern auch persönlich. Er erzählte von seiner eigenen religiösen Prägung, von Gebeten in der Kindheit, von seiner Zeit in der evangelischen Jugendarbeit und von einer Phase, in der der Glaube in seinem Leben weniger Raum eingenommen habe. Den tiefsten Einschnitt habe der Tod seiner Mutter wenige Wochen vor seiner ersten Landtagswahl 1994 bedeutet. Sie sei mit 56 Jahren gestorben. Söder schilderte, wie ihn dieser Verlust erschüttert und auch religiös herausgefordert habe. Lange habe er nicht verstanden, warum ein aus seiner Sicht guter Mensch so früh sterben müsse.

Festredner in Tuntenhausen: Ministerpräsident Dr. Markus Söder sprach bei der Frühjahrswallfahrt des Katholischen Männervereins über Freiheit, Heimat, Glauben und den Zusammenhalt der Gesellschaft.

Erst später habe er über einen Gebetskreis wieder einen Zugang zum Glauben gefunden. Dort habe er erfahren, dass Glaube nicht bedeute, dass Gott alle Probleme löse, sondern dass er begleite. Besonders eindringlich schilderte Söder die Erfahrung mit einem schwer kranken Freund aus diesem Kreis, der trotz seiner Krankheit gesagt habe, er werde von Jesus Christus getragen. Nach dieser Begegnung, so Söder, seien die anderen im Glauben stärker gewesen als zuvor. Daraus leitete er eine zentrale Botschaft ab: Glaube sei nicht nur Privatsache. Er könne gerade in Gemeinschaft tragen, stärken und verbinden.

Großes Interesse bei der Kundgebung nach dem Festgottesdienst: Im voll besetzten Saal verfolgten die Gäste die Festrede zur Frühjahrswallfahrt des Katholischen Männervereins Tuntenhausen.

Im christlichen Menschenbild sieht Söder nach eigenen Worten eine Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Jeder Mensch sei gleich wertvoll, unabhängig von Stärke, Schwäche, Reichtum, Alter, Herkunft oder Behinderung. Scharf wandte er sich gegen jede politische Sprache, die Menschen in „normale“ und „unnormale“ Menschen einteile oder Leben mit Handicap geringer bewerte. Auch bei Fragen des Lebensschutzes am Anfang und am Ende des Lebens bezog Söder klar Stellung.

Blick in den voll besetzten Saal beim Weißwurstfrühstück nach dem Festgottesdienst: Die Frühjahrswallfahrt des Katholischen Männervereins Tuntenhausen verband Gottesdienst, Kundgebung und geselliges Beisammensein.

Er sprach sich für den Schutz des ungeborenen Lebens aus und warnte vor einem assistierten Suizid als gesellschaftlich organisiertem Normalweg. Aus eigener Erfahrung schilderte er den Tod seines Vaters auf einer Palliativstation und die Würde, die ihm dort durch menschliche Zuwendung gegeben worden sei. Palliativmedizin und Hospizarbeit seien für ihn Ausdruck einer Haltung, die den Menschen bis zuletzt nicht alleinlasse.

Nach Festgottesdienst und Kundgebung trug sich Ministerpräsident Dr. Markus Söder in das Goldene Buch der Gemeinde Tuntenhausen ein – begleitet von Vertretern des Katholischen Männervereins und weiteren Ehrengästen.

Auch die Rolle der Kirche im öffentlichen Leben verteidigte Söder deutlich. Kirche sei mehr als Tradition, Ritual oder äußere Form. Sie müsse wieder stärker vermitteln, was Glauben bedeute, welche Hoffnung er gebe und welche Vorstellung vom Menschen ihm zugrunde liege. Der christliche Glaube dürfe aus dem öffentlichen Raum nicht verdrängt werden. In diesem Zusammenhang erinnerte Söder an das Kreuz in Behörden, an die Bedeutung christlicher Feiertage und an die Bayernhymne, die nach seinem Willen an Schulen wieder verbindlich gelernt und gesungen werden solle. Christliche Feiertage seien für ihn nicht nur arbeitsfreie Tage, sondern der Rhythmus eines Landes.


Söders Rede war damit eine Mischung aus politischem Bekenntnis, persönlicher Glaubensrede und bayerischer Selbstvergewisserung. Er stellte Bayern als modernes, technologisch starkes Land dar, das zugleich seine Seele aus Freiheit, Heimat und Glauben schöpfe. Der Katholische Männerverein Tuntenhausen sei für ihn kein rückwärtsgewandter Zirkel und schon gar keine geheimnisvolle Organisation, sondern ein weltoffener und prägender Bestandteil dieses Bayerns. Ein Verein, der helfe, geistiges Gerüst, Herz und Haltung zu bewahren.


Zum Abschluss griff Landrat Otto Lederer als stellvertretender Vorsitzender die Gedanken des Ministerpräsidenten auf. Söder habe deutlich gemacht, dass Glaube viel mit Gemeinschaft zu tun habe. Natürlich könne jeder für sich glauben, sagte Lederer sinngemäß. Aber einander zu unterstützen, zu stärken und zu begleiten, gelinge nur in der Gemeinschaft. Genau deshalb gebe es den Katholischen Männerverein. Die Frühjahrs- und Herbstwallfahrten seien Gelegenheiten, gemeinsam über Werte, über das christliche Menschenbild und über Verantwortung in der Gesellschaft nachzudenken.

Mit großer Sorgfalt vorbereitet: Eine Ministrantin beim Festgottesdienst in der Basilika Tuntenhausen. Auch solche stillen Details prägten die besondere Atmosphäre der Frühjahrswallfahrt.

Diese Werte, so Lederer, sollten nicht bei der Wallfahrt enden. Sie müssten in den Alltag hineingetragen werden: an den Arbeitsplatz, in die Familie, in die Nachbarschaft, in die Vereine und in das öffentliche Leben. Er dankte Ministerpräsident Söder für seine Rede und dafür, dass er sich Zeit für die Wallfahrt genommen hatte. Ebenso galt sein Dank den Ehrengästen, dem Vorsitzenden Dr. Florian Herrmann, den Vorstandskollegen, Beiräten, Obmännern, Mitgliedern und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Der Ministerpräsident war ein gefragter Interviewpartner bei der Wallfahrt in Tuntenhausen.

Besonders erwähnte Lederer auch die Frauen, die regelmäßig an den Veranstaltungen teilnehmen. Zwar könnten sie dem Verein nicht als Mitglieder beitreten, sie seien bei den Wallfahrten und Veranstaltungen aber ausdrücklich willkommen und gern gesehen. Auch das zeige, dass die Wallfahrt über den engeren Kreis des Vereins hinausreiche.
Ein herzlicher Dank ging an alle Helfer, die Feuerwehr, die Verantwortlichen für Parkplätze, Lautsprecheranlage, Plakate und Homepage, an die Wirtsleute und ihre Mannschaft sowie an die Schönauer Musik. Auch den Vertreterinnen und Vertretern der Medien dankte Lederer und verband dies mit der Hoffnung auf eine wohlwollende Berichterstattung.

Der feierliche Schlusssegen durch Abt Petrus Höhensteiger OSB beschloss den Festgottesdienst in der Basilika Tuntenhausen.

So wurde die Frühjahrswallfahrt in Tuntenhausen zu einem Tag, der Liturgie, Tradition, politische Rede und gesellschaftliche Standortbestimmung miteinander verband. Im Mittelpunkt stand nicht nur die Erinnerung an gewachsene Formen, sondern die Frage, was Menschen heute Halt gibt. Die Antwort, die an diesem Sonntag in Tuntenhausen immer wieder anklang, lautete: Gemeinschaft, Heimat, Glaube und die Bereitschaft, diese Werte nicht nur zu bewahren, sondern im Alltag sichtbar werden zu lassen. Zum Schluss wünschte Lederer allen einen guten Heimweg, einen schönen Sonntag und Treue zu den Zielen des Katholischen Männervereins und zur Heimat – verbunden mit dem bayerischen Schlusswort: „Gott mit dir, du Land der Bayern.“

Fotos & Beitrag: Rainer Nitzsche

 

 

 

 

 

 

 


Redaktion

Rainer Nitzsche

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Als Reportage-Fotograf möchte ich mit wenigen Bildern wiedergeben, was als geschriebener Text vielleicht Bände füllen würde. Es geht um Ereignisberichte in Bildern. Es gilt, schrittweise und in den richtigen Momenten Entwicklung und Ablauf von Ereignissen festzuhalten, die schließlich in einem Höhepunkt gipfeln. Das bedeutet, meine Fotografien sind sehr oft weniger formell und zeigen den Charakter der Menschen eher in einer pose-freien, authentischen Weise, die nicht inszeniert ist.
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