Tourismus

Donaureise der Nußdorfer Schiffleut

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Nußdorfer Schiffleut haben kürzlich eine Reise unternommen, die mehr war als ein Vereinsausflug. Von Passau aus folgten sie der Donau bis Budapest und zurück – einer Route, die ihre Vorfahren über Jahrhunderte mit Plätten und Zillen befuhren, als Inn und Donau noch unberechenbare Ströme waren. Die Fahrt auf der MS Amelia verband den Komfort der Gegenwart mit der Erinnerung an eine Arbeitswelt, die für viele Familien in Nußdorf prägend war.

Der Ort am Inn war lange Teil eines weitreichenden Handelsnetzes. Zwischen Hall in Tirol und den Märkten des Ostens wurden Wein, Kalk, Mühlsteine, Getreide und Erze transportiert. Die Flüsse waren Verkehrswege und Risiko zugleich. Wer damals unterwegs war, musste Strömungen lesen, Untiefen erkennen und mit Verlusten rechnen. Viele der heutigen Teilnehmer kennen diese Geschichten aus der eigenen Familienüberlieferung.

Schon die Anfahrt nach Passau machte deutlich, dass die historische Dimension der Reise im Mittelpunkt stand. Horst Barnikel, pensionierter Wasserbaumeister, erläuterte im Bus die Entwicklung der Flussläufe und die Herausforderungen früherer Schiffer. Passau selbst, am Zusammenfluss von Inn, Donau und Ilz, war über Jahrhunderte ein zentraler Umschlagplatz für Salz und andere Güter – ein Startpunkt, der die Verbindung zwischen Inn-Schifffahrt und Donauraum sichtbar machte.

Die Stationen der Reise – Melk, Spitz, Wien, Budapest, Bratislava, Weißenkirchen und Linz – stehen heute für Kultur und Tourismus. Doch viele dieser Orte verdanken ihre Entwicklung der Schifffahrt. Besonders eindrücklich zeigte das das Schifffahrtsmuseum in Spitz. Werkzeuge, Modelle und historische Aufnahmen ließen die Arbeitswelt am Strom sichtbar werden, die für die Nußdorfer weniger museal als vertraut wirkte. Die Wachau, durch die die MS Amelia später glitt, war über Jahrhunderte ein Wirtschaftsraum, in dem Weinbau und Wassertransport eng zusammengehörten. Ein besonderer Höhepunkt war auch der Besuch beim Weingut Müller in Nußdorf ob der Treisen, die uns mit besten Weinen und Brotzeit versorgt haben.

In Wien rückte die politische Bedeutung der Donau in den Blick. Das mittelalterliche Niederlagsrecht, das Händler zwang, Waren anzubieten und zu verzollen, machte die Stadt zu einem einflussreichen Handelszentrum. Die Nußdorfer besichtigten Stephansdom und Ringstraße, doch im Hintergrund blieb die Erinnerung an jene Schiffer, die den Wohlstand vieler Donaustädte mit ermöglicht hatten. Budapest wiederum öffnete den Blick auf den östlichen Donauraum, bei einer Stadtrundfahrt mit dem Bus und einen Abstecher in die Pusta zu einem Reiterhof, dort wurden wir bestens auf ungarische Art verköstigt und konnten eine Reitfuhrführung bestaunen. Die Inn-Schiffer hatten früher bestimmt viel zu erzählen wenn Sie so weit vom von zuhause waren. Die Donau verband Regionen, die auch damals politisch und kulturell unterschiedlich geprägt waren.

Bratislava, Weißenkirchen und Linz ergänzten das Bild. Jede Station zeigte eine andere Facette der historischen Wasserstraße: politische Bedeutung, wirtschaftliche Entwicklung, regionale Kultur. Die Reise bot auch Raum für individuelle Erkundungen und kurze Freizeiteinlagen, musikalisch grandios begleitet vom Onkel-Bazi-Orchester – beste Unterhaltung einer Fahrt, deren Schwerpunkt klar auf der Auseinandersetzung mit der eigenen Tradition lag.

Als die Gruppe wieder in Passau anlegte und der Bus sie mit dem besten Fahrer Hubert zurück nach Nußdorf brachte, war aus der Fahrt eine dichte Erzählung geworden. Die Teilnehmer hatten nicht nur Städte besucht, sondern eine historische Verbindungslinie nachgezeichnet, die ihre Heimat über Jahrhunderte geprägt hat. Die Flüsse Europas sind heute reguliert und berechenbarer. Doch wer mit den Nußdorfer Schiffleuten unterwegs ist, spürt, dass unter der glatten Oberfläche noch immer die Geschichte weiterfließt. Ein besonderer Dank gilt dem ersten Vorstand des Schiffleutvereins, Hans Dettendorfer, sowie dem Reisebüro RT‑Reisen in Brannenburg, deren sorgfältige Planung und Organisation diese Fahrt reibungslos und ohne Wünsche offengelassen haben.

Foto: Schiffleute-Gruppe auf der Donau unterwegs

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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