Berchtesgadener Land. Leuchtend blaue Blüten, die Hummeln und Taubenschwänzchen Nektar bieten, dazu zarte tief eingeschnittene Blätter aus langen schmalen Zipfeln: Der Feldrittersporn wurde von der Loki Schmidt Stiftung zur Blume des Jahres gekürt. Mit dieser Wahl soll auf das Verschwinden der Arten in Agrarlandschaften aufmerksam gemacht werden – und damit auf den Verlust der biologischen Vielfalt.
Der Feldrittersporn (Consolida regalis) ist seit Jahrhunderten Teil der heimischen Kulturlandschaft. Seine auffälligen blauen Blüten prägten zusammen mit Kornblume, Mohn und Kamille einst das Bild blühender Getreidefelder und Wegesrändern. Seine Blüten boten Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten eine wichtige Nahrungsquelle. Heute ist der Feldrittersporn wie viele andere Ackerwildkräuter und feldgebundene Tierarten selten geworden.
Eine jahrtausendalte Kulturlandschaft ist gefährdet
Dabei hat der Ackerbau – und damit eng verbunden ein Teil der biologischen Vielfalt – eine jahrtausendlange Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte. Mit der Sesshaftwerdung des Menschen vor etwa 10.000 Jahren – der sogenannten Neolithischen Revolution – fand der Ackerbau seinen Anfang. Ausgehend von Mesopotamien verbreitete er sich bis nach Europa.
Mit dem Ackerbau entwickelte sich eine strukturreiche Kulturlandschaft aus artenreichen Feldlebensräumen: Mit den ersten Kulturpflanzen wie Emmer, Gerste, Einkorn und Weizen wanderten zahlreiche begleitende Pflanzen und Tiere ein oder breiteten sich aus. So entwickelten sich über Jahrtausende strukturreiche Lebensräume aus einem artenreichen, vielfältigen und fein aufeinander abgestimmten Gefüge aus angebauten Nutzpflanzen, Ackerwildkräutern und Feldtieren. Auch heute gibt es noch zahlreiche dieser Arten – wie Kornblume, Kamille, Mohn, Feldhase, Feldlerche, Feldhamster oder Rebhuhn. Diese Arten sind speziell an Feldlebensräume und die dort vorherrschenden Lebensbedingungen angepasst – und viele dieser Arten sind gefährdet.
Der Grund für die Gefährdung liegt im Verlust dieser Lebensräume – insbesondere durch die Intensivierung der Landwirtschaft: Strukturreiche Acker- und Feldlebensräume verschwinden, Brachflächen fehlen, es gibt nur noch wenige Hecken und Feldraine. Durch den Anbau von Monokulturen und einseitigen Fruchtfolgen fehlt es an einer Vielfalt von Gräsern, Kräutern und samentragenden Wildpflanzen, durch den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden werden zusätzlich Insekten und Wildkräuter zurückgedrängt. So finden auch die an die extensive Bewirtschaftung strukturreicher Lebensräume angepassten Feldtierarten immer weniger Nahrung, Brutplätze, Rückzugsorte oder Versteckmöglichkeiten.
Der Feldrittersporn als Stellvertreter bedrohter Ackerwildkräuter
Der Feldrittersporn steht stellvertretend für diesen Verlust an Lebensräumen – und für viele Ackerwildkräuter, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten zurückgedrängt wurden. So steht der Feldrittersporn in allen Bundesländern auf den Roten Listen – auch in Bayern ist er gefährdet. Der Feldrittersporn wächst bevorzugt auf besonnten, kalkhaltigen Böden, die regelmäßig gestört werden – diese Bedingungen findet er etwa auf extensiv bewirtschafteten Getreideäckern, auf Brachflächen und entlang von Wegrändern. Dort wuchs er früher zusammen mit anderen Ackerwildkräutern und war eine wichtige Nahrungsgrundlage für Insekten. So bieten seine leuchtend blauen Blüten tief im namensgebenden Blüten-Sporn Nektar an. Dieser ist nur für Insekten mit langen Saugrüsseln erreichbar – wie Schmetterlinge oder Hummeln.
Naturschonende Bewirtschaftung zur Förderung der Artenvielfalt
Landwirte können auf ihren Flächen viel zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen: So fördert der Verzicht auf Herbizide und Insektizide – auch auf Teilflächen – das Vorkommen von Ackerwildkräutern und Insekten. Das Belassen von Brachflächen, Ackerrand- bzw. Blühstreifen und Feldrainen schafft wichtige Brut- und Nahrungsräume für Pflanzen und Tiere. Auch späte Mahd- und Erntezeitpunkte helfen – und schützen z.B. bodenbrütende Vogelarten und die blühende Begleitflora. Zusätzlich tragen Hecken, Altgrasstreifen und Saumstrukturen zu einer strukturreichen, artenfreundlichen Feldlandschaft bei.
Interessierte Landwirte können sich für mögliche Fördermöglichkeiten an den Naturschutz im Landratsamt Berchtesgadener Land wenden: per E-Mail unter Naturshutz@lra-bgl.de.
Was wir selbst für den Erhalt der Artenvielfalt tun können
Der Schutz der Artenvielfalt findet jedoch nicht nur auf dem Acker statt– sondern auch direkt vor der eigenen Haustür. Jeder Garten und Balkon kann ein Lebensraum für zahlreiche bedrohte Pflanzen und Tiere sein. So kann jeder einzelne etwas für den Erhalt von Ackerwildkräutern wie dem Feldrittersporn tun – und damit etwas für die Artenvielfalt.
Der Feldrittersporn ist recht unkompliziert und eher anspruchslos – an einem sonnigen Platz in lockeren, eher mageren Böden kommt er ohne viel Pflege aus. Man kann ihn direkt ins Beet, in große Töpfe oder Balkonkästen säen – idealerweise im Herbst oder im zeitigen Frühjahr. Da sich seine einzelnen Blüten von unten nach oben nacheinander öffnen, bietet der Feldrittersporn dann von Mai bis September über relativ lange Zeit Nahrung für Wildbienen, Schmetterlinge und anderen Insekten. Praktischerweise versamt sich die Pflanze nach der Blüte selbst und kommt im darauffolgenden Jahr zurück – wenn man sie nach der Blüte stehen lässt. So kann man relativ einfach ein Stück lebendige Kulturlandschaft in seinen Garten oder Balkon zurückholen. Wer etwas mehr tun möchte: Man kann generell auch mit wenig Aufwand schon viel für die Artenvielfalt tun: Heimische Wildpflanzen statt exotischer Ziergewächse anpflanzen, ungefüllte Blüten mit leicht zugänglichem Nektar, offene Bodenstellen, Totholzecken, alte Bäume und bewusst „unaufgeräumte“ Ecken im Garten: Hier können Kräuter, Gräser und Stauden stehen bleiben und Laubhaufen liegen gelassen werden – insbesondere über den Herbst und Winter sind diese wichtige Nahrungsquellen und Rückzugsorte. Auch der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel schafft wertvollen Raum für Leben. So wird aus jedem naturnah gestalteten Quadratmeter ein kleines dringend benötigtes Refugium für Insekten, Vögel und viele anderen Balkonbesucher und Gartenbewohner. Der Feldrittersporn als Pflanze des Jahres 2026 erinnert daran, wie wertvoll die biologische Vielfalt ist – und wie einfach es sein kann, sie zu fördern.
Bericht und Foto: LRA BGL / Kreisgartenfachberatung – Die Blüten des Feldrittersporns sind leuchtend Blau – und tragen einen langen namensgebenden Sporn, in dem Nektar enthalten ist (Foto: pixabay).



