Am Donnerstag, 23. April pflanzten sechs Gemeinden in der Biosphärenregion Berchtesgadener Land anlässlich des Tags des Baumes am kommenden Samstag Wildbienenbäume – diese Stadtbäume wurden aus den Mitteln des Wildbienenprojekts Berchtesgadener Land finanziert.
Bereits im Herbst letzten Jahres veranstaltete die Verwaltungsstelle der Biosphärenregion Berchtesgadener Land gemeinsam mit dem Kreisfachberater für Gartenbau und Landschaftspflege Josef Stein ein Bauhoftraining rund um die Frage, wie eine gute Zukunft von Bäumen innerorts aussehen kann. Zahlreiche Mitarbeitende der kommunalen Bauhöfe im Berchtesgadener Land waren damals gekommen, um sich zu informieren. Im Zuge der Veranstaltung konnten sich die Gemeinden zwei Bäume aus einer Empfehlungsliste heimischer und für den Siedlungsbereich geeigneter Bäume aussuchen. Diese Wildbienenbäume wurden heute nun in den sich beteiligenden Gemeinden Ainring, Freilassing, Laufen, Piding, Saaldorf-Surheim und Teisendorf gepflanzt. Die Ausgabe der Bäume erfolgte dankenswerterweise am Bauhof Saaldorf-Surheim. Die Vielfalt der Arten ist sehr groß und reicht von Winterlinde Stieleiche, Schwarzkiefer und Felsenbirne über Zerreiche, Schmalkroniger Stadt-Ulme „Lobel“ bis hin zur Waldkiefer. Die Artenauswahl der Bäume erfolgte mit Blick auf die jeweiligen Standorte in enger Absprache von den Bauhöfen mit Josef Stein.
Überlegungen, die die Artenauswahl begleiteten, waren zum Beispiel der Zwiespalt zwischen der Auswahl heimischer Arten, die heimische Insektenarten unterstützen und nicht-heimischer Arten, die hinsichtlich des Klimawandels und erheblich trockeneren und heißeren Bedingungen innerorts auch in 50-100 Jahren hier im Berchtesgadener Land überleben können. So besteht die Auswahl nun aus einer Mischung von heimischen und nicht-heimischen Bäumen, um möglichst vielen Faktoren gerecht zu werden. Bei den nicht-heimischen Baumarten wurde auf Arten heimischer Gattungen, also sehr nahe Verwandte, zurückgegriffen, die natürlicherweise im südlichen Europa vorkommen, wie etwa Flaumeichen, Zerreichen oder Baumhaseln. Zudem wurden extra für urbane Standorte gezüchtete Sorten gepflanzt. So ist die „Rancho“ Linde eine Sommerlinde, die maximal eine Höhe von 20 m erreicht. Bei Ulmus „Lobel“ handelt es sich um eine sogenannte Stadtulme, die nicht vom Ulmensterben betroffen ist, sehr trockenheitstolerant ist und weniger hoch wächst als die heimischen Ulmen.
Besiedelte Räume sind für Bäume stets Mangelstandorte. Die größte Herausforderung für Stadtbäume ist der oft zu kleine durchwurzelbare Raum, der meist auch noch versiegelt ist. Um die natürliche Größe zu erreichen, geht man bei Großbäumen wie etwa Eiche, Linde oder Ahorn, von einem Bedarf an 24 m³ aus, das wäre ein Pflanzloch von circa 3x4x2 m.
Eine weiterer Punkt ist die Durchwurzelungstiefe: Bei verdichtetem Kies, wie es bei asphaltierten Flächen unabdingbar ist, können die Wurzeln aufgrund des fehlenden Sauerstoffs selten tiefer als 50 cm in den Boden wachsen, die Wurzeln bleiben das gesamte Baumleben lang relativ flach, oft direkt unter der Asphaltdecke. Eine Folge dieser flach wachsenden Wurzeln ist, dass sich im Laufe der Zeit häufig der Straßenbelag hebt. Generell leben Bäume auf diesen Standorten meist nicht länger als 50 Jahre, da sie nicht genügend Wurzeln ausbilden können, um Wasser und Nährstoffe aufzunehmen oder da sie wegen des Belaghebens gefällt werden. Um hier den Bäumen möglichst gute und lange Lebenschancen zu geben, wurde im Rahmen der Pflanzaktion den Teilnehmenden auch viel Wissen vermittelt und praktische Tipps an die Hand gegeben: So wird der Standort verbessert, wenn bei der Baumpflanzung ein zertifiziertes Baumsubstrat Verwendung findet. Dabei handelt es sich um Kies mit wenig Kompost und Ziegelbruch, der sehr strukturstark ist, also viele Luftlöcher hat und so ein Wurzelwachstum auch in tiefere Schichten möglich macht. Eine weitere Option ist die Verlegung von Belüftungssystemen. Studien haben gezeigt, dass die Wurzeln im urbanen Bereich durch Luftzufuhr geleitet werden können. Dabei wirkt ein stabiles Drainagerohr, das 1,5 bis 2 m vor der Pflanzung in die Erde installiert wird, wie ein Baumschnorchel, der es dem Baum ermöglicht, Pfahlwurzeln in die Tiefe zu treiben. Dadurch wird er standfester und kann neue Wasser- und Nährstoffquellen in der Tiefe erschließen. Außerdem verringert sich somit das Problem des Belaghebens.
Bäume spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem und übernehmen innerhalb und außerhalb von Siedlungen zahlreiche wichtige Funktionen: Sie tragen zur Luftreinigung, zum Klimaschutz und zur Erhaltung der Biodiversität bei. Der Tag des Baumes wird in Deutschland seit über 70 Jahren immer am 25. April gefeiert, um die Bedeutung von Bäumen und Wäldern für Mensch und Umwelt zu würdigen. Jetzt den sich verändernden klimatischen Bedingungen mit Expertise und konkreten Maßnahmen zu begegnen, sind dabei wichtige Bausteine. Mit der Pflanzung von Stadtbäumen mit den Wildbienengeldern Berchtesgadener Land möchte die Biosphären-Verwaltungsstelle auf die Bedeutung der Bäume gerade auch in besiedelten Bereichen aufmerksam machen.
Bericht und Foto: Regierung von Oberbayern -Biosphärenregion Berchtesgadener Land – Pflanzung eines Wildbienenbaums in Laufen




