Gesundheit

Woche “Älter werden im Achental”

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Brigitte Schmitz, Quartiersmanagerin vom Treffpunkt M., ging mit den Teilnehmern in einen Dialog über das Thema „Älter werden im Achental – Gemeinschaftliches Wohnen in guter Nachbarschaft“. Das Interesse an dieser Möglichkeit war groß.

Brigitte Schmitz stellte die Frage, was für die Teilnehmer wichtig wäre für das Wohnen zum Beispiel in einer „WG“? Die Antworten kamen schnell „gegenseitige Hilfe, Unterstützung, aufeinander schauen und harmonisches Miteinander“.

Dafür hatte Brigitte Schmidt eine gute und eine schlechte Nachricht:

Es gäbe keine Garantie für das Gelingen in einer Gemeinschaft, aber jeder kann etwas dafür tun und das beginnt mit einer Haltung der Toleranz. Das bedeutet, Respekt und Akzeptanz und das Geltenlassen anderer Meinungen, selbst wenn man sie nicht teilt. Sie skizzierte die Situation eines alleinstehenden Menschen, der vielleicht den Partner verloren hat und jetzt allein in einem viel zu großen Haus sitzt, die Kinder sind ausgezogen und die Angst vor der Einsamkeit ist groß. In dieser schwierigen Lebenssituation muss sich der Betroffene fragen „was will ich?“, Nähe oder Distanz, Betreuung oder Anonymität?

Eine Lösung könnte ein Wohnprojekt mit Gemeinschaftsflächen oder ein Mehrgenerationenhaus sein. Aber -und hier brachte Brigitte Schmitz ihre lange Erfahrung auf diesem Gebiet ins Spiel- so ein Projekt muss fachkundig begleitet werden, sonst geht es in den meisten Fällen schief. Schon lange im Vorfeld zur Umsetzung sollten sich die Betroffenen kennenlernen, sich zu regelmäßigen Workshops treffen, denn dabei können die Beteiligten spüren, wer zusammenpasst und wer nicht.

Für so ein Gemeinschaftsprojekt braucht es die Kommune, die ein Baurecht dafür ausweisen muss. Es ist eine Möglichkeit für die Gemeinden Wohnraum zu schaffen. Grundstücke könnten im Konzeptverfahren vergeben werden und nicht -wie gewohnt- an einen Investor, der einfach nur Einfamilienhäuser baut. Dafür braucht es aufgeschlossene Kommunen, die Perspektiven aufzeigen und Architekten, die gut durchdachte Raum- und Außenplanungen konzipieren. Zum Beispiel kann Flächenersparnis erreicht werden, wenn das Wohnzimmer für Alleinstehende kleiner ausfällt, aber dafür in die Gemeinschaftsflächen investiert wird.

Die wenigsten Menschen müssten in ein Pflegeheim

Ziel ist es eine Heimunterbringung zu vermeiden oder zu verzögern. Nach der Erfahrung der Quartiersmanagerin, müssten die wenigsten in ein Pflegeheim, sie würden bei geringer Hilfe  auch allein zurechtkommen.

Eine weitere Möglichkeit wäre „Wohnen für Hilfe“. Das ist ein generationenübergreifendes Wohnmodell, bei dem Studierende oder Auszubildende mietfrei oder sehr günstig bei Senioren, Familien oder Menschen mit Behinderung wohnen. Im Gegenzug leisten sie Hilfe im Alltag, wie Einkaufen, Gartenarbeit oder Gesellschaft, jedoch keine Pflege.

Es gibt viele weitere Möglichkeiten der Einsamkeit zu entfliehen, ein Gast erzählte von dem Projekt aus München „Kuchentratsch“ (Oma Kuchen). Hierbei ist das Ziel, dass Omas und Opas gemeinsam klassische Kuchen nach Großeltern-Rezepten backen, die online verkauft werden oder in Erlebnisbackstuben. Eine weitere Möglichkeit „wohnen mit Bauernhofbeteiligung“.

Es war eine Veranstaltung im Treffpunkt M., bei der die Besucher mit einem guten Gefühl nachhause gegangen sind und der Erkenntnis, dass es Wege aus der Einsamkeit gibt, wenn man das will.

Das Titelbild zeigt Quartiersmanagerin Brigitte Schmitz bei der Moderation.

Bericht und Fotos: Sybilla Wunderlich


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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