Kultur

TS: Keramiker stellen aus

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Keramiken von ihrer schönsten Seite  –  „Abgedreht“ – 14 Keramiker aus dem Chiemgau stellen in der Alten Wache aus

Unglaublich, wie vielfältig Keramik und das Arbeiten mit Ton sein kann! Vierzehn professionelle Künstler aus dem Chiemgau,  die alle mit Ton und Keramik arbeiten, zeigen derzeit in der Alten Wache in Traunstein ihre neu gestalteten Werke. Unter dem Titel „Abgedreht“ fand die sehr gut besuchte Eröffnung der  Ausstellung statt. 14 Keramiker aus dem Chiemgau von Wasserburg über Frasdorf und Seeon bis Übersee, Frauenchiemsee, Obing und Pittenhart zeigen eine wunderbare Vielfalt von Gebrauchskeramik und künstlerischen Objekten in vielen Techniken.

Die Gemeinschaft der Keramiker im Chiemgau stellt Im Abstand von zwei oder mehr Jahren immer wieder ihre Werke aus, mal in der Klosterkirche, mal in der Alten Wache. Trotz des vergleichsweise kleinen Ausstellungsraums können alle  Kunsthandwerker Beispiele ihrer Arbeiten wirkungsvoll präsentieren. Da diesmal kein Repräsentant der Stadt kommen konnte, sprach Lisa Heimbucher aus Chieming für die versammelten Berufskeramiker einführende Worte. Allen gemeinsam ist ihre Begeisterung für den Werkstoff Ton, ob gedreht, gebaut, geformt, gegossen, glasiert, dekoriert und hoch gebrannt, wobei es wieder die verschiedensten Brenntechniken gibt. Auch welcher Ton oder welches Porzellan beeinflusst das Ergebnis der Gestaltung. Zum Motto der Präsentation „Abgedreht“ erklärte Lisa Heimbucher diesen Begriff der Keramiker als Arbeitsschritt, der einem Gefäß die endgültige Form gibt und mit speziellen Werkzeugen durchgeführt wird. Andererseits werde er umgangssprachlich auch für „leicht verrückt, eigenartig, schräg oder außergewöhnlich“ verwendet. „Manches trifft vielleicht auch auf uns Keramiker zu“, so Frau Heimbucher.  Musikalisch für beste Stimmung sorgten vier schon lange miteinander spielende Musiker, unter anderem mit einem spanischen Dudelsack.

Mit dabei sind heuer zum ersten Mal Mia Böddecker aus Ruhpolding mit ihren oft sehr witzig kreativen Figuren und Manuela Hollerbach aus Höslwang, die zeitlos schöne Keramiken in modernen Formen herstellt. Wieder dabei sind Kathrin und Martin Ernst aus Babensham bei Wasserburg, die im Gasofen mit Schmauchbrand gebrannte anspruchsvolle Gefäßkeramik ausstellen. Dorothe Hahn aus Pittenhart präsentiert farblich fein abgestimmtes Gebrauchsgeschirr und künstlerische Einzelstücke. Aus der Chieminger Werkstatt von Thomas und Elisabeth Heimbucher kommen fantasievoll geistreiche Plastiken und schöne Schalen. Ein experimentierfreudiger Keramiker ist Wolfgang Irmer aus Seeon, der unter anderem ein dreiteiliges Wandbild zeigt und kleine, amorph geformte Schälchen, die bei 1220 Grad gebrannt wurden. Mit frei modellierten Miniaturnixen erfreut Pia Keul  aus Schilding am Samerberg und Magdalena Kink, Frasdorf, präsentiert unter anderem die Installation „Drahdiwaball“ aus Porzellan und Tüll.  Barbara Lammers aus Aschau präsentiert ihr unverwechselbares Steinzeuggeschirr und Wandbilder.  Simone Loy zeigt aus ihrer Werkstatt in Höslwang  aus besonderen Erden gefertigtes zeitlos schönes Design in hochwertigem Steinzeugton. Irmgard Minisini-Kurz, die Werkstatt und Wohnung in Übersee hat, zeigt ein hauchdünnes Keramikset, das sich durch intensive Farbigkeit und formale Strenge auszeichnen. Altmeisterin Karin Rauchalles von der „kleinsten Töpferei im Chiemgau“ in Siegsdorf, begeistert mit einem „Obstkorb“ und „die Jägerei“ und Iris Stoff von Frauenchiemsee zeigt neben 16 Wandtafeln neun Dosen mit den verschiedensten Frauenfiguren. Manuela Zückert aus Baierbach am Simsee zeigt hier mehrere Stücke ihres ästhetisch harmonisch gestaltenen Porzellans „Tea for four“.

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts war es das Hauptanliegen der „Arts and crafts“ – Bewegung in England, Kunst und Handwerk wieder zu vereinigen, um die „schöpferische Vollwertigkeit“ und die „ihm innewohnende Schönheit“ der Gegenstände darzustellen. Plastisch vorgeführt wird dem Besucher anhand der vielen, ganz unterschiedlichen Objekte die jeweilige „Eigensprache“ des Keramikers. Dabei zeigt sich die Qualität des Objekts in seinem plastischen Ausdruck der Form und seiner sinnlichen Gestaltung, die den Benutzer – bei Gebrauchskeramik – den Gegenstand immer wieder gerne benützen lässt – wie zum Beispiel beim Morgenkaffee immer denselben Becher.

Geöffnet ist die Ausstellung bis Sonntag, 26. März, täglich von 11 bis 18 Uhr, wobei immer einer der Keramiker für Erklärungen und Gespräche bereitsteht.

Bericht und Bilder: Christiane Giesen

„Krumme Dinger“ von 15 Flaschen von Kathrin Ernst

Dosen, Fayencen mit Figuren von Iris Stoff

„Faktencheck“ von Mia Böddecker

Alle ausstellenden Keramiker/innen

Blick ins Publikum

Die vier Musiker bei der Vernissage

 


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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