Junge Stimmen für die Demokratie – Mit klaren Botschaften, großer musikalischer Vielfalt und spürbarer Begeisterung gestaltete der Kinder- und Jugendchor Prien die Eröffnung der Ausstellung „Könnt ihr noch? – Kunst und Demokratie“ in den unvollendeten Räumen von Schloss Herrenchiemsee musikalisch mit.
Bereits zum zweiten Mal war der Chor unter der Leitung von Chordirektor Bartholomäus Prankl von der Pinakothek der Moderne eingeladen worden, die Ausstellungseröffnung künstlerisch zu begleiten. Dass die Wahl erneut auf den Priener Chor fiel, war mehr als eine musikalische Entscheidung. Der junge Chor verkörpert das zentrale Anliegen der Ausstellung auf eindrucksvolle Weise: Jede Stimme wird gehört – und jede Stimme zählt. Mit 31 Sängerinnen und Sängern im Alter zwischen sechs und 18 Jahren stand eine lebendige Gemeinschaft auf der Bühne, die Vielfalt, Zusammenhalt und Mitbestimmung nicht nur besang, sondern sichtbar machte.
Vor der sieben Meter hohen Installation der Künstlerin Sheila Hicks mit ihren bunt eingefärbten Kugeln entfaltete sich ein Programm, das thematisch und musikalisch punktgenau auf die Ausstellung abgestimmt war. Der dreistimmige Frühlingskanon „Es tönen die Lieder“ verzahnte sich mit „Singing all together“ von Thord Gummesson und zog gleich zu Beginn das Publikum zunehmend in ihren Bann. Besonders eindrucksvoll erklang auch das Volkslied „Die Gedanken sind frei“ in einem modernen, dreistimmigen Arrangement von Matthias Nagel, das dem Volkslied eine überraschend aktuelle Kraft verlieh. Mit Robert Metcalfes „Anders als Du“ setzte der Chor ein deutliches Zeichen für Offenheit und gegenseitigen Respekt. Über das farbenfrohe „Land der Buntgemischten“ (Klaus W. Hoffmann) führte der musikalische Bogen schließlich zu Beethovens „Ode an die Freude“, das als fulminanter Schlussakkord die Räume von Herrenchiemsee erfüllte.
Das zahlreiche Publikum reagierte mit außergewöhnlicher Begeisterung. Immer wieder war zu spüren, wie die Energie des Chores auf die Zuhörer übersprang. Lang anhaltender Applaus und begeisterte Reaktionen machten deutlich, wie stark der Auftritt berührte. Im Schlosscafe gabs hernach für jeden der 31 Sängerinnen und Sänger ein Eis aufs Haus und der Chorausflug war perfekt.
Singen mit Zukunft: Das Priener Chorkonzept
Die Kirchenmusik der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Prien setzt konsequent auf die musikalische Förderung junger Menschen. Von den aktuell 110 Sängerinnen und Sängern, die jede Woche in verschiedenen Chören proben, sind derzeit 40 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren. Das Einzugsgebiet reicht von Grassau bis Wasserburg, zudem besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Kindergarten St. Irmengard Prien sowie den Kindergärten in Rimsting und Greimharting. Chordirektor Bartholomäus Prankl, der das Fach Kinderstimmbildung bei Yoshihisa Kinoshita studiert hat, pflegt ein bewusst dreistufiges und kostenfreies Chorkonzept, das Kinder altersgerecht vom spielerischen Entdecken der Stimme bis hin zum ambitionierten Chorgesang im gemischten Chor begleitet. Den Einstieg bildet der „First-Class-Chor“ für Kinder der ersten Schulklasse. Dort steht ab Ostern das Entdecken der eigenen Stimme ohne Leistungs- oder Auftrittsdruck im Mittelpunkt. Nach Weihnachten wechselnd die Kinder dann in den Kinder- und Jugendchor Prien. Mit etwa 13 Jahren steht ihnen der Kammerchor „Capella Vocale Prien“ offen.
Bericht und Foto: Kirchenmusik Prien – Priener Kinder- und Jugendchor am 17.5.2026 im Schloss Herrenchiemsee



