Bad Reichenhall. Ein außergewöhnlicher Konzertabend erfüllte am vierten Sonntag der Osterzeit die Evangelische Stadtkirche mit barocker Klangpracht: Zwei selten zu hörende Oratorien von Johann Sebastian Bach – das Oster- und das Himmelfahrts-Oratorium – zogen die Zuhörer in ihren Bann.
Unter der Gesamtleitung von Kirchenmusikdirektor Matthias Roth musizierten der Motettenchor und das Orchester der Stadtkirche mit Musikern aus den Reihen der Reichenhaller Philharmoniker. Unterstützt wurden sie von einem hochkarätigen Solistenensemble: Diana Plasse (Sopran), Astrid Hofer (Alt), Bernd Lambauer (Tenor) und Felix Mischitz (Bass). Bereits das feierliche Glockengeläut um 19 Uhr setzte einen stimmungsvollen Auftakt, bevor eine eindrucksvolle Sinfonia das Oster-Oratorium eröffnete. Strahlende Trompetenklänge – getragen von Nikola Curovic, Bíborka Boldizsár und Kadosa Péli – verschmolzen mit der warmen Basslinie des Fagotts und dem Fundament von Violoncello und Kontrabass zu einem festlichen Gesamtklang.
Trotz räumlicher Gegebenheiten entwickelte sich eine reizvolle Aufstellung der Instrumentalgruppen, die an die barocke Mehrchörigkeit erinnerte: Die Continuo-Gruppe – mit Daygoro Serón am Violoncello, Tibor Janoschka am Kontrabass, Francesco Muratori am Fagott und Markus Hanke an der Orgel – war rechts positioniert, ebenso wie die Trompeten, während links die hohen Streicher und Holzbläser, wie Oboen und Flöten, agierten. Diese Aufteilung verlieh dem Klangbild zusätzliche Tiefe und Transparenz.
Besondere musikalische Höhepunkte setzten die solistischen Einlagen: Moritz Plasse ist Mitglied des Mozarteumorchesters und überzeugte auf der Traversflöte mit fein gestalteten Passagen, etwa im zweiten Satz „Adagio“ sowie sowie bei den Umspielungen der Melodie in der Sopran-Arie „Seele, deine Spezereien“. Auch die zarten Klänge der Blockflöten, gespielt von Irmgard Steib und Sibylla Hinderling, verliehen der Tenor-Arie „Sanfte soll mein Todeskummer“ eine berührende Leichtigkeit.
Im Oster-Oratorium wurde das biblische Geschehen nicht durch einen Evangelisten erzählt, sondern durch frei gedichtete Rezitative und Arien der Solisten gestaltet. Tenor- und Bass-Solist verkörperten eindrucksvoll die Emotionen von Petrus und Johannes, während Sopran und Alt die hingebungsvolle Suche der Frauen am Grab musikalisch nachzeichneten. Der Motettenchor setzte mit lebhaften Koloraturen – etwa in „Kommt, eilet und laufet“ – bewegte Akzente und führte das Werk schließlich zu einem triumphalen Abschluss: „Höll und Teufel sind bezwungen“. Die Chorsänger überzeugten durch Präzision, Ausdrucksstärke und klangliche Geschlossenheit – besonders auch in den anspruchsvollen Fugati und kontrapunktischen Passagen.
In den Rezitativen und der Alt-Arie „Saget mir geschwinde, wo ich Jesum finde“ wird die Freude über den auferstandenen Heiland hörbar – „denn unser Heiland lebet wieder“. Das Himmelfahrtsoratorium, rund 13 Jahre später entstanden, beeindruckte durch seine geschlossene Form mit Chorälen zu Beginn, in der Mitte und am Ende. Inhaltlich berührte vor allem die letzte Sopran-Arie, deren Botschaft zeitlos wirkt: Die Liebe Christi ermögliche es, schon im Hier und Jetzt einen Vorgeschmack auf die „künftige Herrlichkeit“ zu empfinden.
Die Tatsache, dass Bach bei dieser Arie keinen Basso continuo eingesetzt hat, ließ den Blick und das Ohr nach oben zum Auferstandenen richten und betonte dadurch die Verschränkung der Sprache der Musik mit dem Inhalt. Das Publikum erlebte einen eindrucksvollen Konzertabend mit choraler und solistischer Gesangskultur, der nicht nur musikalisch begeisterte, sondern auch inhaltlich zum Nachdenken anregte und – ganz im Sinne der Aussagen in den großen geistlichen Werken Bachs – durch die Kraft der inneren Vorstellung nachwirkt und nachhaltige Freude vermittelt.
Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka
3515: Kirchenmusikdirektor Matthias Roth leitete das Oratorienkonzert.
3520: Moritz Plasse spielt die Solo-Traversflöte.
3526: Das hochkarätige Solistenquartett mit Diana Plasse, Sopran, Astrid Hofer, Alt, Bernd Lambauer, Tenor und Felix Mischitz, Bass
3539: Sibylla Hinderling (von links) und Irmgard Steib, Blockflöten, sowie Bernd Lambauer, Tenor, mit der Arie “Sanfte soll mein Todeskummer“
3516: Begeisterte mit seiner Gesangskultur bei den Oratorien: der Motettenchor unter der Leitung von KMD Matthias Roth
3550: Lang anhaltender Applaus für alle Mitwirkenden, den Chor, das Orchester, das Solistenquartett mit Bernd Lambauer, Felix Mischitz, Diana Plasse und Astrid Hofer, sowie KMD Matthias Roth, der die Gesamtleitung innehatte
3561: Lang anhaltender Applaus für alle Mitwirkenden, den Chor, das Orchester, das Solistenquartett mit Felix Mischitz, Bernd Lambauer, Astrid Hofer und Diana Plasse, sowie KMD Matthias Roth, der die Gesamtleitung innehatte









