Kultur

Kunst & Demokratie im Schloss Herrenchiemsee

Veröffentlicht von Günther Freund

Könnt ihr noch? Ausstellungseröffnung der Pinakothek der Moderne im Schloss Herrenchiemsee

Deichkind, eine weit über Deutschland hinaus bekannte Hiphop Band lieferte den Titel zur Ausstellung. Eigentlich müsste sie „Könnt ihr noch einmal“ heißen, da 2025 mit großer positiver Resonanz die Ausstellung mit 95% der Exponate aus der Münchner Pinakothek bereits gezeigt wurde. Kunst lebt jedoch von stetiger Begegnung und Demokratie von Menschen, die sich dazu bekennen und nicht nur auf die Verfassung verlassen.

Die Kunstwerke von Max Beckmann, Joseph Beuys, Deichkind, Günther Förg, Sheila Hichs, Jörg Immendorff, Anselm Kiefer, Maria Lassnig, Inge Mahn, Henry Moore, A.R. Penck, Pablo Picasso, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Antonio Saura, Rosemarie Trockel, Paloma Varga Weisz, Andy Warhol und weiteren internationalen Künstlern „fördern die Auseinandersetzung mit unseren Grundwerten von Freiheit, Gleichheit und der Würde des Menschen“, betont der Leiter der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Anton Biebl in seiner Eröffnungsrede.

      Anton Biebl bei seiner Eröffnungsrede

Die Jugend als Zukunftsfaktor muss besonders einbezogen werden, deshalb weist er als Highlight auf den Mitmachraum des Kinderforums van de Loo hin. Hier dürfen Kinder und Jugendliche bei freiem Eintritt mit eigenen Ideen in Kontakt mit der Kunst treten. Allein im letzten Jahr besuchten 60 Schulklassen die Kunstwerke in den historischen Rohbauräumen von Schloss Herrenchiemsee.

Den hohen Stellenwert der gemeinsamen Zukunft repräsentierte der Kinder- und Jugendchor Prien mit Liedern wie „Die Gedanken sind frei … und Freude schöner Götterfunken“.

 der Priener Kinder-und Jugendchor

Livemusik gab es auch mit Rapper Roger Rekless aus der Hiphop Szene, der sein zahlreiches Publikum aller Altersklassen erfolgreich zum Mitmachen animierte.

       Rapper Roger Rekless

Konstantin Buchner, Vorstand Schloss- und Gartenverwaltung Herrenchiemsee würdigte die Verdienste der Kuratoren Verena Hein, Anja Heitzer und Oliver Kase. Dem schloss sich ein Gespräch zwischen der Kuratorin Anja Heitzer mit der Künstlerin Paloma Varga Weisz an, die zum ersten Mal in diesem Jahr vertreten ist. Ihre Skulpturen und Installationen aus Holz, Metall, Keramik. Glas und Bast befinden sich in der ehemaligen Küche und im Treppenaufgang.

Paloma Varga Weisz

Die Objekte sind von ihrer Biografie geprägt und Erinnerungsstücke an ihre teils jüdische Familie. Als ausgebildete Holzbildhauerin unterstützt sie alte Kulturgewerke in Bayern wie die Schnitz- und Korbflechttechnik. Ihr Anliegen ist es, auf die Würde des Individuums hinzuweisen.

Alle in der umfangreichen Ausstellung gezeigten Kunstwerke treten für das Erinnern ein, übersetzen schmerzhafte Erfahrungen in zeitlose Bilder und Skulpturen, zeigen die Gebrochenheit und Traumata des Einzelnen und der Gesellschaft und stellen Fragen zu der menschlichen Existenz, Zugehörigkeit und Identität.

Der Rundgang beginnt im Parterre und 1. Stock und endet mit Joseph Beuys „Rose für direkte Demokratie“. Die Ausstellung ist täglich von 9 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet.

Bericht und Fotos: Martina Blank


Redaktion

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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