Wasserwirtschaftsamt Traunstein schafft am Hirschbach Lebensraum für Fische – Ökologische Umgestaltung findet großen Anklang
Teising – Sie zögern für einen Moment. Müssen sich erst an das neue Wasser gewöhnen. Dann aber gleiten sie mutig hinaus aus der weißen Plastikwanne. Hinein ins Wasser des Hirschbachs bei Teising. Hier sollen die jungen Bachforellen Lebensraum und Laichplätze finden. Außerdem steht ihnen die Mündung zum Inn hindernisfrei offen. Und schon bald werden aus dem Fluss auch Fische heraufschwimmen in den Hirschbach, um ihn als Rückzugsraum zu nutzen. Möglich macht das alles eine ökologische Maßnahme des Traunsteiner Wasserwirtschaftsamtes.
Ein „tolles Ergebnis“ dank guter Planung und vieler Unterstützer
Bis beinahe zu den Knien steht Andreas Philipp im Wasser. Mit aller Kraft hält der Mitarbeiter des Traunsteiner Wasserwirtschaftsamtes die weiße Plastikwanne gegen die Strömung im Bach. Bald sind alle Jungfische im Wasser verschwunden. Philipp steigt eine kleine Böschung hinauf. Die Gäste warten schon auf ihn, er wird sie herumführen und Details erklären. Zur Einführung spricht Behördenleiter Bernhard Lederer von einem „wichtigen Projekt für den Inn“ mit einem „tollen Ergebnis“, zu dem unter anderem auch die „gute Zusammenarbeit“ mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim beigetragen habe. Neben Vertretern der Nachbarbehörde sind viele andere Begleiter der Maßnahme zur kleinen Eröffnung gekommen. Etwa die umliegenden Grundstückseigentümer, ohne sie wäre die Maßnahme nicht zu realisieren gewesen. Aber auch Dr. Manfred Holzner, der Fischereibiologe des Bezirksfischereivereins Mühldorf/Altötting, mit seinen beiden stellvertretenden Vorsitzenden Anton Lischak und Hans Salfer. Holzner war es, der die jungen Bachforellen mitgebracht hatte, die nun im Hirschbach entdecken können, was Phillips Kollegen von der Flussmeisterstelle Salzach nach seiner Planung im und am Bach gestaltet haben – kräftig unterstützt vom beauftragten Baggerfahrer Charly, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte.
1300 Quadratmeter zusätzliche Wasserfläche
In einer Bauzeit von rund neun Monaten hat der Hirschbach 1300 Quadratmeter an Wasserfläche gewonnen. Der Absturz, der die ursprüngliche Mündung in den Inn prägte, ist mit Hilfe von Wasserbausteinen geschlossen. Das sich nun aufstauende Wasser speist einen neu angelegten Altwasser-Arm, in dem die Tiere ebenfalls Lebensräume und Laichplätze finden. Der Bach selbst fließt mäandernd in einer Kurve nach rechts, rund 2000 Kubikmeter Kies sorgen dabei für ein stabiles Bachbett. In seiner neuen Führung verläuft das Gewässer jetzt parallel zum Inn, in den es nach 240 Metern hindernisfrei mündet. Auf diese Weise entsteht eine Durchgängigkeit der Strecke, zum Inn hinunter aber auch von ihm herauf. Ein wichtiges Kriterium zur ökologischen Aufwertung von Gewässern, ganz wie sie die Europäische Wasserrahmenrichtlinie fordert.
Viele Details sorgen für ökologische Aufwertung
Auch Wurzelstöcke im Wasser, Unterstände aus Holz sowie Kopfweiden und Seggengräser an den Uferlinien unterstützen das Ziel des ökologisch guten Zustands. Wo Gelände umgestaltet wurde, war zuvor der Waldboden in Soden abgetragen worden. Diese sind nun wieder ausgebracht. Eine Lehmwand für Eisvögel gehört ebenso zur Neugestaltung wie Steine an den Böschungen, deren Zwischenräume Wasseramseln als Nistplätze nutzen können. Die Kosten für die gesamte Maßnahme betrugen etwa 190.000 Euro. 75 Prozent davon tragen die „Verbund Innkraftwerke“.
Das gesamte Areal lädt ein zum Spazieren, Erleben und Schauen. Rast- und Sitzmöglichkeit bieten zwei große, flache Molassesandsteine. Wer dann nahe ans Wasser herantritt, sieht vielleicht auch eine der jungen Bachforellen, die im Hirschbach bei Teising einen neuen Lebensraum erhalten haben.
Bericht und Fotos: WWA Traunstein
Andreas Philipp: Andreas Philipp vom Wasserwirtschaftsamt in Traunstein hat die ökologische Maßnahme am Hirschbach bei Teising geplant und ihre Umsetzung betreut. Hier entlässt er junge Bachforellen in ihren neuen Lebensraum im Hirschbach.
Blick auf das Areal: Der Hirschbach ist umgestaltet und fließt nun auf einer Strecke von 240 Metern mäandernd parallel zum Inn, in den er dann mündet. Totholz in und am Wasser wertet die ökologische Struktur auf.
Drohnenaufnahme Areal aktuell: Die Drohnenaufnahme bietet einen Überblick über einen Großteil des neu gestalteten Areals.
Drohnenaufnahme Areal während Bauphase: Die Umgestaltung für mehr ökologische Qualität in und am Hirschbach bei Teising erfordert zunächst einen Eingriff in die Natur.
Mündung in den Inn: Die neu gestaltete Mündung des Hirschbachs in den Inn können Fische ohne Hindernis durchschwimmen. Das Totholz wird der Fluss nach und nach mitnehmen. Auch das macht Sinn, denn Totholz dient ebenfalls der Ökologie: Fische können es beispielsweise als Unterschlupf und Schutz vor Fressfeinden nutzen.
Foto: Wasserwirtschaftsamt Traunstein
Rastplatz: Wunderbare Sitzgelegenheiten nahe dem Bach bieten die beiden großen und flachen Molassesandsteine. Foto: Wasserwirtschaftsamt Traunstein









