Leitartikel

RO: Kreis-Feuerwehr-Versammlung

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Smartphones lösen automatisch viele Falschalarme aus  – Die Feuerwehren im Landkreis blickten auf ein ereignisreiches Jahr zurück

6.360 Mal sind die Feuerwehren im Landkreis Rosenheim im vergangenen Jahr ausgerückt. Kreisbrandrat Richard Schrank präsentierte die Bilanzzahlen in der Kommandantendienst- und Kreisfeuerwehrverbandsversammlung in Eiselfing. Auffallend ist aus Sicht des Kreisbrandrats die hohe Zahl der Brandeinsätze.

Die Zahl der technischen Hilfeleistungen ging 2025 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurück. Auch gab es im Vorjahr nur wenige Unwetterlagen. „Das war positiv, das war die Jahre zuvor nicht so,“ sagte Schrank. Im Unterschied dazu ging es bei den Brandeinsätzen deutlich nach oben. Fast 1.600 Mal wurden die Frauen und Männer der Feuerwehren gerufen um Feuer zu löschen. Das sind je etwa 200 Einsätze mehr als die beiden vergangenen Jahre. Und der Trend hält heuer an. „Wir sind beschäftigt, was ganz besonders die großen Brandeinsätze anbelangt,“ so Richard Schrank.

1.450 Personen wurden betreut, versorgt oder gerettet. Für 114 Menschen kam jede Hilfe zu spät oder sie konnten nicht gerettet werden. Für die Einsatzkräfte bedeutet das in jedem einzelnen Fall eine enorme Belastung. Der Kreisbrandrat bedankte sich in diesem Zusammenhang bei dem Team der Psychosozialen Notfallversorgung, das unter anderem für die Einsatznachsorge in Stadt und Landkreis Rosenheim zur Verfügung steht.

Gar nicht erfreulich ist aus Sicht von Richard Schrank die seit Jahren zunehmende Zahl an Falschalarmierungen. Mehr als 700 waren es 2025, meist automatisch ausgelöst von Smartphones oder Smartwatches. Weil auch in diesem Fällen jedes Mal eine örtliche Feuerwehr gefragt ist, wird bereits zum 1. Juni eine neue Form der Alarmierung eingeführt. Wenn die Leitstelle von einem Falschalarm ausgeht, kann sie nur eine oder zwei Verantwortliche alarmieren, die dann vor Ort entscheiden können, ob weitere Einsatzkräfte benötigt werden.

Um im Einsatzfall gut vorbereitet zu sein, nahmen 2025 rund 4.700 Feuerwehrmänner und Frauen an einer von mehr als 350 Ausbildungs-Veranstaltungen teil. „Im Schnitt ist das jeden Tag ein Lehrgang. Vom Umfang her ist das eine eigene Feuerwehrschule.“ Der Kreisbrandrat lobte sein Ausbilderteam, das rund 130 Mitglieder zählt.

Mehr als 7.800 Frauen und Männer leisten im Landkreis Rosenheim ehrenamtlich ihren Dienst bei den Feuerwehren, eine neue Rekordzahl. Auch der Anteil der Frauen steigt kontinuierlich an, inzwischen auf knapp 600. Zudem gibt es keine Nachwuchssorgen. Marco Polster, der Kreisjugendfeuerwehrwart berichtete von zahlreichen Aktivitäten um Mädchen und Buben an den Dienst bei der Feuerwehr heranzuführen. Insgesamt gibt es im Landkreis Rosenheim 109 Jugendfeuerwehrgruppen mit mehr als 1.100 Mitgliedern.

Um im Brand- und Katastrophenschutz gerüstet zu sein, setzen die Feuerwehren im Landkreis derzeit neue Konzepte um. „Das was wir vorhaben, haben wir 2021 im Kreistag vorgestellt“, blickte Richard Schrank zurück. Er bedankte sich beim Rosenheimer Kreistag, diesen Weg mitzugehen. „Jetzt sind wir in der Umsetzung“, sagte der Kreisbrandrat. Vier mächtige Stromerzeuger wurden angeschafft. Die 150 kVA-Anlagen können gekoppelt ein Krankenhaus oder ganze Straßenzüge mit Notstrom versorgen. Zudem gibt es fünf neue Verkehrssicherungsanhänger. Mit ihnen werden Einsatzorte abgesichert und so die Einsatzkräfte geschützt. Einer der fünf steht bei der Feuerwehr in Pfraundorf. Allein sie benötigt diesen pro Jahr für rund 60 Einsätze auf der Autobahn.

Die größten Veränderungen bringt ein Wechsellader-Konzept mit sich, das in Teilen bereits umgesetzt wurde. Feuerwehren erhalten Lkw, die Abrollbehälter transportieren. Diese Behälter oder Container werden unterschiedlich bestückt. Sie können zum Beispiel die umfassende Ausrüstung für Atemschutz-Träger enthalten, mobile Dämme für Hochwasserlagen oder 12.500 Liter Wasser.

Weil zusammen mit den neuen Lkw auch ein Anhänger beschafft wurde, können die Feuerwehren ein eigenes Gespann für die Fahrschulausbildung anbieten. Der große Vorteil, die Kosten für den Lkw-Führerschein reduzieren sich deutlich. Das Interesse jedenfalls ist groß, denn es liegen bereits mehr als 20 Anmeldungen vor. Bis 2028 soll die Umsetzung des Wechsellader-Konzepts abgeschlossen sein. Für den Kreisbrandrat steht fest, dass es die Leistungsfähigkeit im Brand- und Katastrophenschutz erheblich steigern wird.

Aber nicht nur das. Aufgrund der weltpolitischen Lage und den damit verbundenen Veränderungen im Bereich der Sicherheit hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe 21 Fähigkeiten definiert, die Landkreise im Zivil- und Bevölkerungsschutz erfüllen müssen. Die neuen Konzepte, die 2021 im Rosenheimer Kreistag beschlossen wurden, sorgen dafür, dass der Landkreis bereits 17 der 21 Fähigkeiten erfüllt.

Abschließend erinnerte Richard Schrank daran, dass es normale Einsätze nicht gibt, weil jeder anders ist. „Wir müssen immer wachsam sein und unser Können abrufen.“

Die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig, sie ist auch Kreisvorsitzende des Bayerischen Roten Kreuzes, griff das Thema Sicherheit noch einmal auf. „Wir haben neue Bedrohungslagen. Wir müssen uns selbst helfen, können uns nicht auf andere verlassen.“ Sie kündigte an, dass der Bund hier weiter sehr viel Geld in die Hand nehmen wird. Stadt und Landkreis Rosenheim sieht Ludwig besser gerüstet als viele andere im Bundesgebiet. Sie lobte zudem die Zusammenarbeit vor Ort. „Ich bin sehr stolz darauf, dass wir so viel erreicht haben.“

Landrat Otto Lederer thematisierte einen weiteren Aspekt zum Thema Sicherheit. „Alle hier helfen seit Jahrzehnten Menschen. Wir müssen den Bürgern aber auch sagen, dass es keine 100prozentige Sicherheit gibt. Jeder ist aufgerufen, selbst Vorbereitungen zu treffen.“ Der Landrat bedankte sich für das gute Miteinander innerhalb der Blaulicht-Familie. „Da greift ein Zahnrad in das andere. Man kennt sich, spricht auf Augenhöhe miteinander und das trägt dazu bei, dass wir den Herausforderungen gemeinsam begegnen können.

Der Hausherr, Eiselfings Bürgermeister Georg Reinthaler sagte im Namen aller Bürgermeisterinnen und Bürgermeister herzlichen Dank. „Nur mit euch können wir die Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger leisten. Bleibt bitte mit eurer Leidenschaft voll dabei.“

Rosenheims Stadtbrandrat Hans Meyrl sprach in seinem Grußwort von einer starken Blaulichtfamilie. „Die vergangenen Jahre haben deutlich gezeigt, große Einsätze stemmt niemand allein.“ Meyrl lobte die funktionierende Zusammenarbeit und bedankte sich bei den Familien. „Das Ehrenamt funktioniert nicht, wenn die Familie nicht mitspielt.“

Der Kufsteiner Bezirksfeuerwehrkommandant Andreas Oblasser lobte die Umsetzung der Konzepte. Er sei skeptisch gewesen. „Ich habe es jahrelang verfolgt. Hochachtung, dass ihr es durchgebracht habt.“ Die Feuerwehr im Bezirk Kufstein feiert heuer 150-jähriges Jubiläum. Oblasser sorgte mit einigen Anekdoten aus dieser Zeit für Lacher und lud zu den Feierlichkeiten Mitte September nach Kufstein ein. Die Feuerwehren dies- und jenseits der Grenze unterstützen sich mit einer großen Selbstverständlichkeit. „Helfen tun wir überall gleich, ich wünsche uns eine gute kameradschaftliche Zeit.“

Im Rahmen der Kommandantendienst- und Kreisfeuerwehrverbandsversammlung wurde Franz Aichinger von der Feuerwehr in Pfraundorf für seine langjährigen und außergewöhnlichen Leistungen mit dem Bayerischen Feuerwehr Ehrenkreuz in Silber geehrt. In der Jugendfeuerwehr engagiert sich seit vielen Jahren schon Matthias Stuckenberger von der Feuerwehr in Bruckmühl. Für ihn gab es die Ehrennadel der Jugendfeuerwehr Oberbayern in Silber. Zudem werden alljährlich Unternehmen ausgezeichnet, weil sie das Ehrenamt bei den Feuerwehren besonders unterstützen, beispielsweise indem sie ihre Mitarbeitenden kostenlos für Einsätze und Übungen freistellen. Die Firmen Huber & Sohn GmbH & Co. KG in Eiselfing und phoenix Brandschutz in Kolbermoor erhielten je eine Urkunde, die sie als Partner der Feuerwehren ehren.

Im Landkreis Rosenheim gibt es 116 Freiwillige Feuerwehren, dazu zwei Betriebsfeuerwehren und 123 Feuerwehrgerätehäuser.

Bericht und Bilder: LRA Rosenheim 

Ehrennadel der Jugendfeuerwehr Oberbayern in Silber: Für seine vorbildliche und langjährige Jugendarbeit bei seiner Heimatfeuerwehr in Bruckmühl, aber auch auf Landkreisebene, wurde Matthias Stuckenberger mit der Ehrennadel der Jugendfeuerwehr Oberbayern in Silber geehrt. (von links) Kreisbrandrat Richard Schrank, Matthias Stuckenberger, Kreisjugendfeuerwehrwart Marco Polster, der Vorsitzende vom Bezirksfeuerwehrverband Oberbayern Dr. Rüdiger Sobotta, Landrat Otto Lederer und Eiselfings Bürgermeister Georg Reinthaler.

Bayerisches Feuerwehr Ehrenkreuz in Silber: Er wusste nichts, bis er auf die Bühne gebeten wurde. Seine Kameraden hatten ihn vorgeschlagen und so wurde Franz Aichinger für seine langjährigen und außergewöhnlichen Leistungen für die Feuerwehr Pfraundorf mit dem Bayerischen Feuerwehr Ehrenkreuz in Silber geehrt. (von links) Kreisbrandrat Richard Schrank, Dr. Rüdiger Sobotta vom Bezirksfeuerwehrverband Oberbayern, der Kommandant der Feuerwehr Pfraundorf Stefan Schröttinger, Franz Aichinger, Landrat Otto Lederer und Georg Reinthaler, der Bürgermeister von Eiselfing.

Partner der Feuerwehren Huber & Sohn Eiselfing: Die Freistellung von Mitarbeitenden für die Einsätze und Übungen der Feuerwehren ist für die Eiselfinger Firma Huber & Sohn GmbH 6 Co. KG selbstverständlich. Zum Dank gab es eine Urkunde und das Unternehmen darf sich nun Partner der Feuerwehren nennen. (von links) Kreisbrandrat Richard Schrank, Eiselfings Bürgermeister Georg Reinthaler, Vinzent Huber, der Vorsitzende vom Bezirksfeuerwehrverband Oberbayern Dr. Rüdiger Sobotta und Landrat Otto Lederer.

Partner der Feuerwehren phoenix Brandschutz Kolbermoor: Für ihre überdurchschnittliche und engagierte Unterstützung des Ehrenamts der Freiwilligen Feuerwehren wurde das Kolbermoorer Unternehmen phoenix Brandschutz geehrt. Das Unternehmen und die Feuerwehren arbeiten seit Jahrzehnten zusammen. (von links) Kreisbrandrat Richard Schrank, der Bürgermeister von Eiselfing Georg Reinthaler, Florian und Helmut Bergmaier, Dr. Rüdiger Sobotta vom Bezirksverband Oberbayern und Landrat Otto Lederer.

 

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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