Natur & Umwelt

Schutzschirm für Obst- und Gemüse

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Agri-Photovoltaik – ein Schutzschirm für Obst- und Gemüse – Landwirtschaftsministerin Kaniber eröffnet Versuchs-Agri-PV in Uffenheim

Im Beisein zahlreicher Gäste hat Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in Uffenheim offiziell eine innovative Agri‑Photovoltaik‑Anlage eröffnet. Unter den Modulen der Anlage will die Bayerische Landesanstalt für Weinbau- und Gartenbau (LWG) nun erforschen, ob die Kombination aus Energieerzeugung und Obst- und Gemüseanbau einen Mehrwert für die bayerische Landwirtschaft und den Gartenbau erbringen kann. „Grade so sensible Sonderkulturen wie Obst und Gemüse leiden besonders unter den Folgen des Klimawandels – also beispielsweise unter immer häufiger auftretendem Starkregen, Spätfrost, Hagel oder Dürre. Das Beschatten und der Schutz durch Solarmodule könnte hier einen Vorteil schaffen“, so Ministerin Kaniber. Aber nur auf Basis fundierter Daten ließen  sich die Chancen und Risiken für den Obst- und Gemüsebau realistisch bewerten.

Aus diesem Grund stellt das Landwirtschaftsministerium Fördermittel in Höhe von 500.000 Euro bereit. Damit soll die LWG mit weiteren Partnern das Projekt wissenschaftlich begleiten, um aussagekräftige Empfehlungen für Praxis, Verwaltung, Politik und Gesellschaft zu erarbeiten.

Eine Besonderheit der neuen Agri-PV-Anlage ist ihre Bauweise in Nord-Süd-Ausrichtung; bislang weisen die meisten Anlagen eine Ost-West-Ausrichtung auf. Und noch ein Novum kommt in Uffenheim hinzu: Im Unterschied zu starren Systemen folgt die Anlage dem Lauf der Sonne. Dadurch verändert sich die Beschattung der Kulturen im Tagesverlauf dynamisch. Daraus können sich zusätzliche Vorteile ergeben – etwa eine noch gezieltere Steuerung von Licht und Schatten zum Vorteil der Pflanzen. Im Projekt werden aber nicht nur Daten zu Strom- oder Gemüseerträgen erhoben. Ziel ist es auch, zu bewerten, wie sich das veränderte Mikroklima auf die Qualität der Pflanzen –zum Beispiel deren Vitamin‑Gehalt – auswirkt. Genauso wird untersucht, ob sich das Auftreten von Schädlingen und Krankheiten verändert.

„An dieser Stelle gilt mein besonderer Dank unserem Projektpartner, der Firma Gillig & Keller. Das Unternehmen hat diese technische Innovation nicht nur gedacht, sondern auch umgesetzt und der Forschung zur Verfügung gestellt. Ohne das enge Zusammenspiel von Wissenschaft, Praxis und engagierten Unternehmen wäre ein solches Vorhaben nicht möglich“, betonte die Ministerin bei der Eröffnung. Zugleich machte sie deutlich: „Unsere Flächen sind begrenzt und sie werden vorrangig für die Lebensmittelproduktion gebraucht. Wir wollen keine „Pseudo‑Agri‑PV mit ein paar Schafen unter den Modulen“ als Feigenblatt. Es ist wichtig, genau hinzuschauen, wo Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen sinnvoll ist – und wo die Grenzen liegen.“

Nach Auffassung der Ministerin muss allerdings beim EEG unbedingt auch in Sachen Agri-PV nachgebessert werden. Denn nach jetzigem Stand soll es darin keine Sonderausschreibung mehr für Agri-PV-Anlagen geben. „Damit müssten die Agri-PV-Anlagen künftig mit konventionellen Freiflächen-PV-Anlagen in der Ausschreibung konkurrieren und kämen praktisch nicht mehr zum Zug. Denn Agri-PV-Anlagen sind kostenmäßig den konventionellen Freiflächen-PV-Anlagen unterlegen“, so Kaniber. Und weiter: „Agri-PV-Anlagen müssen im EEG 2027 unbedingt angemessen berücksichtigt werden, denn damit erzeugen wir oben sauberen erneuerbaren Strom und unten weiterhin nachhaltige Lebens- und Futtermittel – auf ein und derselben Fläche. Gerade deshalb braucht diese Technologie verlässliche Rahmenbedingungen statt Hürden. Wer von den Landwirtinnen und Landwirten erwartet, dass sie Verantwortung für Ernährung, Klima und unsere ländlichen Räume übernehmen, der muss ihnen auch die Freiheit und Planungssicherheit geben, solche innovativen Lösungen in die Praxis zu bringen.“

Die Anlage in Uffenheim hat eine maximale elektrische Leistung von 1,3 Megawatt Peak. Dieser Wert beschreibt die maximale Leistungskapazität einer Solaranlage unter idealen Bedingungen. Rein rechnerisch könnte die Anlage den jährlichen Strombedarf von rund 480 Haushalten decken. Dadurch dass die Module nach der Sonne ausgerichtet werden können, ist gegenüber vergleichbaren starren Systemen zudem ein etwa 20 Prozent höherer Stromertrag zu erwarten. Das Forschungsprojekt der LWG wird sich gemeinsam mit Partnern (unter anderem TFZ Straubing, Saatzucht Streng‑Engelen, Krämer Ökolandbau, dem Betrieb Reinhold Weber und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth‑Uffenheim) vorrangig gartenbaulichen Kulturen widmen. Parallel dazu läuft an den Bayerischen Staatsgütern in Grub ein Schwesterprojekt, das die Chancen und Risiken von drei verschiedenen Agri-PV-Bauweisen für klassische landwirtschaftliche Fruchtfolgen beleuchtet. Nähere Informationen zum Projekt finden Sie unter: https://baysg.bayern.de/zentren/grub/372597/

Bericht: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus

Bildnachweis: Pia Regnet/StMEL


Redaktion

Toni Hötzelsperger

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!