Seit 900 Monaten beziehungsweise 27.375 Tagen verheiratet – Josefine und Konrad Bergmann feiern nach 75 Ehejahren in Breitbrunn ihre Kronjuwelenhochzeit. Auch Ministerpräsident Markus Söder und Landrat Otto Lederer gehören zu den Gratulanten.
Breitbrunn – Eines der seltensten und kostbarsten Ehejubiläen überhaupt haben Josefine und Konrad Bergmann jetzt bei stabiler Gesundheit gefeiert: ihre Kronjuwelenhochzeit. Das entspricht 27.375 Tage.
Josefine hatte 1932 im „Radlerhof“ von Anna und Josef Wölkhammer in Gstadt das Licht der Welt erblickt. Sie wuchs mit vier Geschwistern auf und musste schon sehr früh am Hof mitarbeiten. Konrad wurde als Sechstes von sieben Kindern 1931 in das „Weingartnerhäusl“ von Anna und Johann Bergmann hinein geboren. Nach dem Schulbesuch absolvierte er eine Lehre zum Schreiner. In die Arbeit ging es neben dem Radl schon auch mal im Winter auf Skiern.
Die „Radler Sephi“, wie sie allseits genannt wurde, habe er bereits durch regelmäßige Trachtlerproben gekannt, erinnert sich der Jubilar im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Auf einem Tanzkurs im Hausgang vom Gstadter „Huababauern“ hätten sich ihre Wege erneut gekreuzt. „Eigentlich wollte ich mit ihrer Freundin tanzen, aber die hatte, Gott sei gedankt, schon einem anderen zugesagt“, so der Jubilar, der unserer Zeitung sichtlich vergnügt die Lebensgeschichte des Ehepaars zusammenfasst.
Während einer Busfahrt mit dem Heitauer zur Hochzeit von der „Schmied Liesl“ sei auf dem Rückweg nur noch der Notsitz frei gewesen „und so musste Sephi die Heimfahrt auf meinem Schoß antreten. Ein damals filmreifes Fensterln bei seiner Sephi war nicht „ohne Folgen“ geblieben und so beschloss das Paar zu heiraten. Hierfür war aber Mitte der 1950er Jahre eine Bescheinigung vom örtlichen Pfarrer Lipp über die Heiratsfähigkeit von Minderjährigen unter 21 Jahren notwendig. „Wobei er es der Sephi eigentlich mehr zugetraut hat, als mir“, grinst der Jubilar dabei. Zusätzlich musste das Ansinnen auch vom Landratsamt noch genehmigt werden.
Auf dem Weg zum Gollenshausener Standesamt mit dem Heitauer-Auto lief ihnen der Standesbeamte, der Stich Kaspar, über den Weg, der den Trauungstermin scheinbar gänzlich vergessen hatte. Sie packten ihn kurzerhand ins Auto und fuhren bei ihm zu Hause vorbei, so dass er sich noch umziehen konnte. „Da wir arm wie die Kirchenmäuse waren, erinnert sich Konrad, war guter Rat für eine Hochzeitsfeier teuer. Die sieben Markl Salär für die Priener „Uhl’n-Buam“ wurden zum Beispiel über Ehrentänze oder das Tellergeld fürs „Spielen übers Mahl“ eingespielt.
Fürs Hochzeitsessen hatte der Schwiegervater ein Kalb geschlachtet und dem Wirt für die Zubereitung überlassen. „Sauber z´sammg´richt “, amüsiert sich der Erzähler noch heute, schlossen sie schließlich im April 1951 den Bund eines bewegten, bisher 75 Jahre andauernden Ehelebens. Das Paar bekam die beiden Söhne Herbert und Gerhard und 1961 entstand bereits das erste von mehreren Eigenheimen. Bei 50 Mark Lohn und davon 35 für Miete, wurde es manches Monat schon mal eng. Um Geld zu sparen, arbeiteten Beide nach Feierabend auf der Baustelle.
Später betrieb das Paar viele Jahrzehnte den Breitbrunner Gasthof „Koniwirt“. Bekannt als singender Wirt lockte Bergmann über Jahre seine Gäste aus allen Ecken Bayerns nach Breitbrunn. Als Musikant der „Vier Chiemseer“ hatte er sogar Auftritte auf dem Pariser Eifelturm. Schon im Rentenalter beschloss das Paar, nochmals die „Ärmel hochzukrempeln“ und mit einem Neubeginn im eigenen Lokal durchzustarten, erinnert sich das Jubelpaar stolz. Aber mit Anfang Achtzig legte Sephi endgültig die Kochschürze und Konrad das Instrument zur Seite, um sich endlich in den wohlverdienten Ruhestand zu verabschieden.
Im kleinen Kreise ihrer Lieben konnten sie nun dieser Tage das seltene Jubiläum einer Kronjuwelenhochzeit feiern. „So lange war nur noch die Queen Elisabeth verheiratet“, schmunzelt der Jubilar in seiner gewohnten Weise.
Bericht und Foto: Tschalie Wastl





