„Die Berge warn seine Hoamat, die Kirche sein Dahoam“ – Emotionaler Abschied von Florian Pis – Eine besondere Ehre war für Florian Pis die Pferdewallfahrt 2011 nach Rom – Mit Florian Pis geht ein Stück Pittenharter Zeitgeschichte zu Ende
Am vergangenen Freitag heißt es Abschied nehmen von Florian Pis, dem Stockempl-Flori von Pittenhart. Bis auf den letzten Platz ist die Pittenharter Pfarrkirche beim Trauergottesdienst gefüllt, der vom Kirchenharter Kirchenchor unter Leitung von Hans Bruckner würdevoll begleitet wird. Mit dem Stockempl-Flori geht ein großes Stück Pittenharter Zeitgeschichte, ein Mensch der sich bis zum Ende seine Freundlichkeit, seine Fröhlichkeit bewahrt hat, zu Ende.
„Meine Stunde ist gekommen sagt Jesus im Evangelium“, so Pfarrer David Mehlich zu Beginn des Rückblicks auf das Leben von Florian Pis. Diese Bibelstelle bringt Pfarrer Mehlich in Verbindung mit den letzten Wochen des Lebens vom Flori. Als fühlte er, dass seine irdische Zeit zu Ende geht, hat er seiner Familie viel aus seinem Leben erzählt. In seiner Erinnerung waren Erlebnisse an die Kriegszeit und an eine schöne Kindheit.
Begonnen hat das Leben von Florian Pis am 4. August 1931 in Pittenhart. Als jüngstes Kind von Florian und Elisabeth Pis wuchs er zusammen mit den Schwestern Elisabeth und Maria auf dem Stockempl-Hof in Pittenhart auf. Nach seiner Schulzeit erlernte er den Beruf des Landwirtes und besuchte in Traunstein die Landwirtschaftsschule. In den 1950iger Jahren vertrat er einige Zeit die Stelle des Bauern, seines kranken Onkels, dem Fischer in Fremdling. In Fremdling lernte er auch seine spätere Frau Christl Straßer kennen. Im Mai 1961 haben Flori und Christl geheiratet. In der glücklichen Ehe sind fünf Kinder, Christa, Resi, Florian, Ingrid und Christian geboren. Mit den Schwiegertöchtern, den Schwiegersöhnen, sieben Enkelinnen und den Urenkel Kilian und Lukas wuchs die Familie im Laufe der Jahre. Flori und Christl waren immer stolz auf ihre Kinder und Enkel. Pfarrer Mehlich vergleicht das Leben von Flori mit einem ausgesäten Weizenkorn, das reiche Frucht bringt. Flori hat in seinem Leben viel ausgesät, zusammenfassend ist sein Leben mit viel Mühe, Arbeit und Herzblut zu beschreiben. Mit seiner Frau Christine hat er die Frau seines Lebens gefunden, zusammen durften sie 2021 die Diamantene Hochzeit feiern. Als ihm die Bürgermedaille überreicht wurde widmete er seiner Frau eine Laudatio, dankte ihr, dass sie ihm immer den Rücken freigehalten hat und er neben der Arbeit auf dem Hof, seiner Arbeit als LKW-Fahrer bei der Firma Stöcklhuber sich auch in der Gemeinde engagieren konnte.
Sein Tagesablauf war geprägt von der Arbeit am Hof, seiner Tätigkeit bei der Firma Stöcklhuber und den Gemeinderatssitzungen am Abend. Er hat sich im Dorf und der Gemeinde engagiert, ist gerne mit seinen Kindern in die Berge gegangen und hat ihnen gezeigt wie wichtig und wertvoll es ist, sich in der Gemeinschaft einzubringen. Die Dorfgemeinschaft und die Vereine gehörten zum Leben des geselligen Pittenharter‘s, neben Burschenverein, Trachtenverein gehörte er auch örtlichen Sportverein, der Spielvereinigung Pittenhart an. Über 53 Jahre hinweg war er der Christlich-Sozialen-Union eng verbunden und fand beim CSU-Ortsverband seine politische Heimat. An seinem Grab würdigt Philipp Spiel, Vorsitzender des Ortsverbandes diese Zeit.
Für den Bayerischen Bauernverband bedankt sich Traunsteins BBV-Kreisobmann Johann Steiner bei dem Verstorbenen. Flori war von 1976 bis 1996 Vorsitzender des Ortsverbandes Pittenhart. Wie Steiner erwähnte, gab es in seiner Zeit starke und beeinträchtigende Veränderungen in der Landwirtschaft. Stets setzte sich Pis für die Belange der Bauern ein und fand auch kritisierende Worte gegenüber der Obrigkeit.
Für die Gemeinde Pittenhart würdigt Bürgermeister Sebastian Unterhuber das Leben und Wirken des Verstorbenen. 24 Jahre, von 1972 bis 1996 hat sich Florian Pis als Gemeinderat stets mit Vernunft und Weitsicht für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger eingesetzt, zudem übte er 42 Jahre lang das Amt des Feldgeschworenen aus, sehr geschätzt war sein Humor und seine herzliche Art. Als Dank und an Anerkennung für seine Verdienste bekam er 2008 die Bürgermedaille verliehen.
Viele Jahre als aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Pittenhart, hat das Feuerwehrauto mit den Kameraden zu den Einsätzen gefahren, die wie er seiner Familie erzählte auch oft prägende Erinnerungen mit sich gebracht haben. Familie, Geselligkeit und Lebensfreude haben immer einen großen Stellenwert im Leben des Pittenharter‘s eingenommen, war es für einen Ratsch auf der Hausbank, oder in den letzten Jahren bei den Besuchen der Seniorennachmittage.
Zu den Klängen von „La Montanra“ nehmen die Fahnenabordnungen der Freiwilligen Feuerwehr, des Trachten- und Burschenvereins, sowie des Sportvereins Abschied von ihrem langjährigen Kameraden und Vereinsmitglied und erweisen mit dreimaligem Absenken der Fahnen dem Flori die letzte Ehre. Das bekannte Bergsteigerlied spiegelt Floris Verbundenheit zu den Bergen und der Natur wider.
Neben all dem geselligen Leben, der Verbundenheit zu Natur und Heimat nahm der Glaube im Leben von Florian Pis eine große Bedeutung ein. Im Juni 2011 machte er sich zusammen mit den Pferdezuchtverband Traunstein, seinem Sohn Florian und seiner Stute „Helga“ im Pferdetransporter auf den Weg nach Rom. Fein rausgeputzt wurde sein Pferd für die Huf-Audienz bei Papst Benedikt auf den Petersplatz. Den Pferden, gerade seinen drei Pferden galt eine besondere Liebe und Leidenschaft. Zu seinem 70. Geburtstag wurde ein lang ersehnter Wunsch von Flori wahr und mit der Stute „Helga“ kam sein Pferd auf den Stockemplhof.
Mit Humor und seiner herzlichen Art hat er über Jahre hinweg die Kindheit und Jugend unzähliger Ministranten der Pfarrei Pittenhart geprägt. Flori hat 1984 das Mesneramt von seinen Eltern übernommen und war zusammen mit seiner Frau Christl bis 2012 für die Pfarrei tätig. Als stets hilfsbereit und zuverlässig wurde er von den Seelsorgern sehr geschätzt. Diakon Wolfgang Mösmang brachte den überaus vielen Besuchern der Beisetzung drei Bilder zur Erinnerung an den Mesner nahe. Die Osterkerze, die während der Andacht brennt und von ihm unzählige Male angezündet wurde, die Turmuhr, die zu seinen Zeiten noch mit der Hand aufgezogen wurde und ihn zu zum Herrn der Zeit machte und die Wetterglocke, die er immer geläutet hat, wenn sich ein Unwetter anbahnte und bei der Sterbeandacht zu seinem Gedenken erklang.
Mit dem Gebet von Mutter Teresa „Das Leben ist eine Chance – nutze sie, das Leben ist Schönheit – bewundere sie, das Leben ist Seligkeit – genieße sie“ rundet Pfarrer David Mehlich den Rückblick auf Floris Leben ab. Für das Sterbebild haben seine Kinder ein Foto des Pittenharter Kreuzes am Taubensee gewählt. In all den Jahres im Dienst der Pfarrei war er als Mesner dabei, wenn am zweiten Sonntag im August dort die Bergmesse gefeiert wird. Als besonderes Geschenk und Dank für sein Wirken in der Pfarrei stimmte der Kirchenchor zum Ende der Trauerfeier das Lied „Großer Gott wir loben dich“ und ein „Ave-Maria“ an. Ein tolles Bild für eine Beerdigung bezeichnet Pfarrer Mehlich, die mit den vielen Fahnen festlich geschmückte Kirche. Als Mesner war das Herrichten der Kirche zu Fronleichnam immer eine besondere Arbeit, die von ihm und seiner Frau mit viel Aufwand und Liebe ausgeführt wurde.
Alles hat seine Zeit und dass seine Zeit auf der Erde endlich ist, war dem Stockempl Flori in den letzten Wochen sehr bewusst, hat er sich doch gewünscht, dass statt Kränze und Blumen die Leute ihr Geld für die Sternstunden e.V. spenden und dass an seinem Grab die Bayernhymne erklingen soll. Nach kurzer, aber sehr ernster Krankheit ging am Sonntag 31. Mai 2026 sein Leben im Trostberger Krankenhaus im Beisein seiner Kinder ruhig zu Ende.
Bericht und Bilder: Emmy Künzner-Hingerl




