Ein klangvolles Fest des Glaubens, der Freundschaft und des Miteinanders – Die Kulturwoche „Suchers Seeoner Leidenschaften“ findet einen würdigen spirituellen Abschluss – Hochkarätige Musiker gestalten unter der Gesamtleitung von Andrea Wittmann einen besonderen katholischen Festgottesdienst mit jüdischen Elementen
Seeon-Seebruck. Mit einem Festgottesdienst, der Glaube, Musik, kulturelle und menschliche Begegnung auf besondere Weise miteinander verband, hat die Kulturwoche „Suchers Seeoner Leidenschaften“ am vergangenen Sonntag in der Kirche St. Lambert in Seeon einen würdigen Abschluss gefunden. Unter der musikalischen Gesamtleitung der hiesigen Kirchenmusikerin Andrea Wittmann wurde eine außergewöhnliche Messe gestaltet, die traditionelle römisch-katholische Liturgie mit musikalischen und spirituellen Elementen aus der jüdischen Tradition und anspruchsvoller geistlicher Konzertmusik verband. Für Liturgie und Predigt zeichnete der Dekan und örtliche Pfarrer Dr. Florian Schomers verantwortlich. Ausgewählte Texte von C. Bernd Sucher, dem Initiator der Kulturwoche, stellten einen biblischen und zugleich kulturgeschichtlichen Bezug her und gaben dem Gottesdienst eine besondere inhaltliche Tiefe. So verlas Sucher, der der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom (Haus des Friedens) in München vorsteht, die Jona-Geschichte (Lesung) und „Ein altes Blatt“ von Fanz Kafka. Er freue sich sehr, dass man dieses besondere Gottesdienstformat jedes Jahr mit Leben erfülle, so Pfarrer Schomers und sprach „von wichtigen Zeichen der persönlichen Freundschaft, der Solidarität und der Toleranz“. In Deutschland zähle leider oft erst das Papier, dann der Mensch, das sei nicht gut, denn „erst kommt der Mensch und dann das Papier und die Bürokratie“, so Schomers in seiner Predigt. Geschmunzelt und gelacht wurde, als dieser einen Witz erzählte, in dem der Papst und der Jerusalemer Oberrabbiner die Protagonisten waren. In den Fürbitten bat man unter anderem für den Frieden in der Welt, für Weisheit in der Politik zum Wohle aller Menschen und für die Zusammenarbeit zwischen Religionen, gerade zwischen Christen, Juden und Muslimen, die mit Abraham einen Stammvater und somit gemeinsame Wurzeln haben.
Der Seeoner Kirchenchor gestaltete den Gottesdienst unter anderem mit „Samachti Bómrim Li“ von Charles Oborne und brachte damit ein Werk mit hebräischer Sprache ein. Ein besonderer musikalischer Höhepunkt war auch das „Andante religioso d’après un thème hébraïque“ von Fernand Gustave Halphen, das Wittmann an der Orgel mit der Solobratschistin der Dresdner Philharmonie Christina Biwank gestaltete. Das 1913 entstandene Werk basiert auf einem hebräischen musikalischen Thema und greift die Melodie eines jüdischen Gebets auf. Damit wurde die verbindende Kraft der Musik über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg unmittelbar hörbar. Christoph Denoth, international konzertierender Gitarrist und Professor an der Royal Academy of Music in London, musizierte im Altarraum gemeinsam mit Wittmann am Cembalo das Gitarrenkonzert in D-Dur RV 93 von Antonio Vivaldi. Das Ensemble Classico Regensburg, zu dem sich rund 15 ehemalige Regensburger Domspatzen zusammengeschlossen haben, sangen Teile aus der Missa „O sacrum convivium“ von Alwin M. Schronen. Diese Messe verband die traditionelle lateinische Liturgie mit einer modernen, klanglich differenzierten Tonsprache. Der Gottesdienst war weit mehr als ein musikalisch besonders gestalteter Abschluss der Kulturwoche: Er wurde zu einem Zeichen für die verbindende Kraft von Musik, Spiritualität und kultureller Begegnung. Diverse musikalische Traditionen – katholische Kirchenmusik, jüdische Klangsprache, barocke Konzertmusik und zeitgenössische Chormusik – begegneten sich in einem gemeinsamen liturgischen Rahmen. Ein Festgottesdienst, der nicht nur zu hören, sondern auch als Zeichen des Miteinanders und der gemeinsamen Spiritualität zu erleben war. Vor dem Gotteshaus spielte die Musikkapelle Seeon zünftig auf. Für alle Mitwirkenden gab es zurecht viel Applaus. 2027 werde man sich, so Gott will, wiedersehen, so Sucher. Es wäre mit der fünften Ausgabe von „Suchers Seeoner Leidenschaften“ ein kleines Jubiläum. Nach der Festmesse kam man noch zu einem geselligen Gartenfest zusammen. mmü
Foto 1 (mmü): Der Seeoner Kirchenchor unter der Leitung von Andrea Wittmann sang beim abschließenden Festgottesdienst der Kulturwoche „Suchers Seeoner Leidenschaften“. Unterstützt wurden die Sängerinnen und Sänger vom stimmgewaltigen Ensemble Classico Regensburg, zu dem sich rund 15 ehemalige Regensburger Domspatzen zusammengeschlossen haben. Kirchenmusikerin Wittmann hatte indes auch die musikalische Gesamtleitung inne.
Foto 2 (mmü): Das großartige Ensemble Classico Regensburg, zu dem sich rund 15 ehemalige Regensburger Domspatzen zusammengeschlossen hatten, bereicherte den eindrucksvollen Festgottesdienst zum Ende der wunderbaren Kulturwoche „Suchers Seeoner Leidenschaften“.
Foto 3 (mmü): Einen ganz besonderen ökumenischen Gottesdienst gab es zum Abschluss der Kulturwoche „Suchers Seeoner Leidenschaften“. Der Dekan und örtliche Pfarrer Dr. Florian Schomers zeichnete für die römisch-katholische Liturgie und Predigt verantwortlich und der Initiator der Kulturwoche und gläubige Jude C. Bernd Sucher trug seinerseits entsprechende Texte vor. Sucher steht der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom in München vor.
Foto 4 (mmü): Ein musikalischer Höhepunkt war das „Andante religioso d’après un thème hébraïque“ von Fernand Gustave Halphen, das die hiesige Kirchenmusikerin Andrea Wittmann an der Orgel mit der Solobratschistin der Dresdner Philharmonie Christina Biwank gestaltete.
Bericht und Bilder: Markus Müller











