Die Entwicklung eines neuen Teilhabeplans für den Landkreis Rosenheim ist auf der Zielgeraden angekommen. Zum Abschluss eines umfassenden Beteiligungsprozesses fand im Rosenheimer Landratsamt noch eine Teilhabekonferenz statt. Auf dieser wurden weitere Ideen und Anregungen formuliert. Etwas, was Landrat Otto Lederer besonders wichtig fand: „Wir haben nicht nur über Probleme gesprochen, wir haben gemeinsam nach Lösungen gesucht.“
Die Sozialplanerin des Landkreises Sevgi Cetinkaya hatte die in den vorhergegangenen Veranstaltungen formulierten Probleme und Missstände sowie die entwickelten Lösungsvorschläge mit Plakaten auf Stellwänden präsentiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im vollbesetzten großen Sitzungssaal im Rosenheimer Landratsamt rief sie auf, sich zu informieren, ins Gespräch zu kommen und sich weiter einzubringen. Ihr Ziel, Lösungen zu finden, die tatsächlich verwirklicht werden können. Denn, so formulierte Cetinkaya es, „nicht der Mensch ist das Problem, sondern die Barrieren sind es.“
Die Teilnehmenden, darunter zahlreiche mit Beeinträchtigungen, hatten tatsächlich noch viele Anregungen. Sie wünschten sich unter anderem mehr inklusive Angebote in Sportvereinen oder an den Volkshochschulen. Beispielsweise könnte dort Gebärdensprache gelehrt werden. Zu den weiteren Vorschlägen gehörten die Stärkung von ehrenamtlichen Fahrdiensten, Behindertenparkplätze vor Arztpraxen, mehr Zeit für Lehrerinnen und Lehrer, die Kinder mit Förderbedarfen betreuen, mehr Schulsozialarbeit, ein mobiler Tante Emma-Laden oder das Achten auf Barrierefreiheit in Neubauten.
Darüber hinaus gab es wiederkehrende und ganz grundsätzliche Kritiken wie fehlende Zebrastreifen vor einem Bahnhof, keine Aufzüge in Bahnhöfen, fehlende Niederflurbusse im ÖPNV, schlechte Busverbindungen oder zu wenige Toiletten für Menschen mit Behinderungen.
Die Sozialplanerin Sevgi Cetinkaya kündigte an, die Rückmeldungen noch in den Teilhabeplan einzuarbeiten. Wenn er fertiggestellt ist, wird er dem Rosenheimer Kreistag vorgelegt. Die Zustimmung des Gremiums vorausgesetzt, beginnt anschließend die Umsetzung unter anderem durch die Fachstelle Inklusion und weiteren Kooperations- und Netzwerkpartnern.
In den vergangenen Monaten hatten sich beinahe 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihren Erfahrungen, Wünschen und Ideen eingebracht. Der Beteiligungsprozess umfasste eine Teilhabekonferenz zum Auftakt, fünf Fachforen, vier Zukunftswerkstätten, eine Online-Beteiligung sowie zum Abschluss noch eine weitere Teilhabekonferenz. Der daraus resultierende Teilhabeplan schreibt den Teilhabeplan fort, den der Rosenheimer Kreistag 2013 beschlossen hatte. Landrat Otto Lederer bedankte sich bei allen, die mitgemacht und offen über ihre Erfahrungen gesprochen haben. „Ich wünsche mir, dass wir weiter miteinander sprechen, zuhören und gemeinsam handeln“, so der Landrat.
Bericht und Foto: LRA Rosenheim



