Außergewöhnliche Erinnerungen an ihre Geburts-Heimatgemeinde Wildenwart hat Franziska Mühlthaler. Das ehemalige „Fräulein Lehrerin“ lebt seit ihrer Pensionierung mit derzeit 99 Jahren noch selbstversorgend in ihrer Rosenheimer Wohnung. In ihrem eigenen Büro-Zimmer hat sie ihre vielen Erinnerungen an die Lehrer-Schulstationen in Prien, Wildenwart, Tittmoning, Tengling, Neukirchen am Teisenberg, Aschau i. Chiemgau sowie Feldkirchen-Westerham wohl geordnet festgehalten. Bei einem jüngsten Besuch erinnerte sich die in Kaltenbach (ehemals Gemeinde Wildenwart, jetzt Gemeinde Prien a. Chiemsee) mit 12 Geschwistern aufgewachsene Lehrerin vor allem an viele Schüler- und Klassentreffen – bis zuletzt vor wenigen Monaten in Aschau i. Chiemgau.
„Wildenwart war und ist mir natürlich ans Herz gewachsen“ – und sie ergänzte weiter: „Meine erste Anstellung als Schulleiterhilfe auf dem Weg zur Schulamtsanwärterin begann in der Volksschule in Prien, doch schon bald wurde ich zur Aushilfe für drei Wochen nach Wildenwart gebeten. Plötzlich war ich für viele Freunde und Nachbarskinder eine Vorgesetzte. Die Wochen in Wildenwart waren eine sehr schöne und prägende Zeit“. Wie sie beziehungsweise ihre Familie nach Kaltenbach kam, weiß sie ebenfalls zu berichten. „1818 hat ein Sebastian Mühlthaler Kaltenbach, das vormals im Besitz von Herrenchiemsee war, gekauft, nachdem er im Mühlthal am damals noch nicht regulierten Inn bei Prutting immer wieder mit Hochwasser zu kämpfen hatte. Er war zudem vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 verwundet zurückgekehrt“. Vormals in Mühlthal wie dann in Kaltenbach bestand der Besitz aus einem Sägewerk, einer Mühle und einer Landwirtschaft. Viele Erinnerungen hat Franziska Mühlthaler an ihre Wildenwarter Kindheit, unter anderem mit zweimal in der Woche Besuch in der Frühmesse in der 1934 von Kardinal Faulhaber geweihten Kirche „Christkönig“ vor Beginn des Schulunterrichtes (Die Kirche wurde im übrigen mit einem örtlichen Kirchenbauverein gebaut, zu den herangezogenen Bauern und Arbeitern gehörte auch der Vater der Geschwister Mühlthaler). „Es war in der ersten Septemberwoche des Jahres 1939, als ich von der damaligen Gemeindesektretärin Kipfelsberger gebeten wurde, die neu herausgekommenen Lebensmittelmarken bis nach Pfifferloh zu verteilen, da kam ich nicht zur Frühmesse und erst am nachmittag nach Hause. Deswegen gab es von Pfarrer Braunmüller eine Rüge, er beklagte sich diesbezüglich bei meinen Eltern“.
Insgesamt sechs Wildenwarter Klassentreffen
Franziska Mühlthaler hatte zur Familie in Kaltenbach und zu den Wildenwartern immer guten Kontakt, in den Ferien sang sie auch mit dem Wildenwarter Chor mit. Ganz besonders lagen ihr die Treffen der Schülerjahrgänge 1919 bis 1929 am Herzen (sie selbst ist Jahrgang 1926 und kann im Oktober ihren 100. Geburtstag feiern). Die Organisation der Treffen übernahm ihrer ältere Schwester Gretl Maier zusammen mit Annemarie Faust (geborene Dietl). Das erste Treffen war im Jahr 1984, die weiteren immer im Abstand von fünf Jahren. Waren es anfangs noch fast 80 Frauen und Männer, so waren es beim letzten Mal im Jahr 2009 nur noch zwölf ehemalige Schülerinnen und Schüler von insgesamt 40 Angeschriebenen. Die Treffen waren immer mit einem kirchlichen Besuch, mit einer Einkehr beim Gasthaus Stocker in Atzing und später bei der Schlosswirtschaft in Wildenwart und zuweilen mit einem kleinen Chiemsee-Ausflug verbunden.
Fotos/Repros: Berger/Winkler/Hötzelsperger – Klassentreffen 1989 (Winkler) – 1994 (Berger) – 1999 (Berger) – 2004 (Berger).
Fotos: Hötzelsperger – Franziska Mühlthaler in der Rosenheimer Wohnung mit einem ihrer Erinnerungsalben und bei einer schön gewachsenen Hochgeranie / Prolog im Klassentreffen-Album von Franziska Mühlthaler
Prolog im Album:
„Wie reich und froh könnte jeder Tag werden,
wenn jeder dem anderen das gibt, was er braucht:
LIEBE, WÄRME, VERSTÄNDNIS, ZUWENDUNG!
Das Leben beginnt neu, wenn ein Mensch auf andere zugeht,
Beziehungen anknüpft, sie vertieft. Wo ein Mensch nicht allen gelassen wird,
Freude hat, für jemanden da ist und für ihn sorgen kann, lachen kann und angelacht wird,
weinen kann und beweint wird – da ist Leben!“













