Aufgrund zunehmender Hitze und Starkregen ist auch das Oberland gefordert, Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel umzusetzen. Unterstützung erhalten die Kommunen vom BMFTR-geförderten Projekt KARE. Bei der diesjährigen Regionalveranstaltung am 22. Juli im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen stellte das Projekt aktuelle Ergebnisse vor und konkretisierte mit den rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Weg zum klimafitten Oberland.
„Vermehrter Starkregen und Hitze bedeuten Stress für die Gesellschaft. Das Projekt KARE hilft den Kommunen im Oberland dabei, der Situation zu begegnen und für die Region vorzusorgen“, so stellvertretender Landrat Klaus Koch in seiner Begrüßung bei der KARE-Regionalveranstaltung. Welche Zukunftsbilder dabei für das Oberland wünschenswert sind, hatten die Kommunen bereits bei der letzten Regionalveranstaltung bewertet. Ein entsprechendes Leitbild für die Region stellte diesmal Dr. Anne von Streit (LMU München) vor: „Das Oberland soll trotz Klimawandel lebenswert und klimafest sein. Entsprechende Maßnahmen zur Anpassung und auch zum Klimaschutz sollen gemeinsam von Landkreisen, Städten und Gemeinden und auch von Wirtschaft, Bürgerschaft und Zivilgesellschaft umgesetzt werden.“ Um die Richtung zum – auch zukünftig – lebenswerten Oberland genauer festzulegen, waren die Kommunen bei der Veranstaltung dann selbst gefragt: In vier Gruppen diskutierten sie mögliche Ziele und Maßnahmen für die Siedlungsentwicklung, für besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen, Katastrophenschutz und Infrastruktur sowie für Natur, Land- und Forstwirtschaft und Tourismus.
Risikokarten, die den Kommunen dabei helfen, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen, erläuterten David Feldmann vom Ingenieurbüro Lindschulte und Dr. Anne von Streit beispielhaft an Karten für die KARE-Pilotkommune Weilheim: Sie kombinieren Überflutungsrisiken mit Bevölkerungsentwicklung, mit kritischer Infrastruktur wie Krankenhäusern oder Kindergärten und mit besonders verletzlichen Bevölkerungsgruppen wie Kleinkindern und älteren Menschen. So können die Karten zum Beispiel bei der Bauleitplanung, beim Katastrophenschutz oder bei der Anlage von kühlenden Grünflächen helfen.
Ein eigens entwickeltes Online-Werkzeug zur Anpassung präsentierte Annika Schubert (LMU München): Für einen schnellen und systematischen Einstieg können kleine und mittlere Kommunen darin zukünftig Fragen über ihre eigene Situation und ihren Bedarf beantworten. Als Ergebnis erhalten sie passende Maßnahmen, Steckbriefe zur Umsetzung und gute Praxisbeispiele aus der Region. Zur Finanzierung von Maßnahmen informierte Dr. Marie von Schickfuß vom ifo-Institut. Laut ihrer Unternehmensbefragung machen sich Unternehmen Sorgen um Schäden bei Flut und Hitze und nutzen Versicherungen vor allem für Gebäude und Anlagen. Als Finanzierungsspielräume auf kommunaler Ebene sieht das ifo perspektivisch Förderprogramme und das Finanzpaket 2025 des Bundes sowie kommunale Gebühren, Beiträge und lokale Steuern, die zweckgebunden verwendet werden könnten.
Um schließlich Anpassung vor Ort kontinuierlich weiterzubringen, stellte Elisabeth Freundl von der Energiewende Oberland das KARE-Netzwerk vor. Aktuell nehmen fünf Gemeinden und zwei Landkreise teil und haben bereits Maßnahmen von Trinkwasserbrunnen über Baumpatenschaften bis zu kommunalen Hitzeaktionsplänen umgesetzt. Eine Erweiterung des Netzwerks ist laut Freundl im kommenden Jahr möglich, sofern das Projekt weiterhin Förderung erhält.
Bericht und Bilder: Energiewende Oberland







