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Bürgerversammlung in Neubeuern

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

In einer mehr als dreistündigen Bürgerversammlung beleuchtete der Neubeurer Bürgermeister Christoph Schneider den Ist-Zustand, bereits Geschaffenes sowie künftige Entwicklungen. Sein Fazit: Vieles sei abgeschlossen, besonders hervorgehoben wurde das neue Klärwerk. Bebauungsprojekte wie die „Hinterhörer Straße“ wurden auf den Weg gebracht und stehen nun kurz vor dem Abschluss. Zudem seien gezielte Entwicklungen, etwa die Erweiterung des Gewerbegebiets in Heft, in die Umsetzung gegangen.

Als begleitende Partner der Versammlung informierte Kerstin Stock über das Patenprojekt „Jugend in Arbeit“. Martin Hintermayr von der GWG Wasserburg stellte das Wohnprojekt in Altenmarkt an der Rosenheimer Straße vor. Dank richtete der Bürgermeister an alle Verantwortlichen, die die Kommunalwahlen sicher geleitet hatten. Die Wahlergebnisse mit der Vorstellung der neu gewählten Ratsmitglieder bildeten einen informativen Einstieg.

Die Sitzverteilung änderte sich dahingehend, dass CSU und Freie Wähler jeweils einen Sitz hinzugewinnen konnten. Die Listengemeinschaft aus SPD, Grünen und Bündnis 90 hält weiterhin vier Sitze, während die Gruppe Beurer-Bürger zwei Sitze verlor. Schneider ergänzte, der CSU hätten nur wenige Stimmen zu einem weiteren Mandat gefehlt. Neu gewählt wurden Petr Bichler, Vorstand des Trachtenvereins Altenbeuern, Stephanie Schulz, Tobias Englmann, Regina Prokopetz und Jörg Wolfrum. Die erste Sitzung des neugewählten Gremiums findet am 12. Mai statt.

Anerkennung zollte der Bürgermeister den Verantwortlichen für das neu geschaffene „Marktbladl“, das in der Nachfolge des „Beurer Bladl“ steht, das von der im vergangenen Jahr verstorbenen Petra Reischl herausgegeben worden war. Schneider dankte ihr ausdrücklich sowie Ricarda zur Hörst, die künftig als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Eine erste Ausgabe des Informationsmediums lag bei der Bürgerversammlung aus.

„Wir brauchen Unterstützung bei der Betreuung Jugendlicher im Patenprojekt“, appellierte Kerstin Stock. 16 Jahre lang war in Neubeuern Manfred Englmann Ansprechpartner für die Begleitung von Jugendlichen beim Übergang von der Schule ins Berufsleben. Ziel sei es, junge Menschen in ein stabiles soziales Umfeld zu führen und Hilfestellung in besonderen Lebenssituationen zu geben. Für das Projekt werden vor Ort dringend weitere Unterstützer gesucht. Derzeit besteht eine Zusammenarbeit mit Mitgliedern aus Raubling.

Wenige Stunden vor der Bürgerversammlung erfolgte der Spatenstich für das genossenschaftliche Wohnbauprojekt in Altenmarkt Richtung Neuwöhr. Dort entstehen 25 Wohnungen in drei Gebäuden. Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen, alle barrierefrei zugänglich, sollen zur Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes beitragen. Vorgesehen ist eine bevorzugte Vermietung an Bürger aus Neubeuern. In Partnerschaft mit der Wasserburger GWG konnte damit ein zweites Projekt in der Gemeinde gestartet werden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Versammlung lag auf Veränderungen im Verwaltungsbereich, der Vorstellung neuer Mitarbeiter sowie statistischen Daten. In Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Helmut Typold, der über 42 Jahre die Geschicke der Gemeinde maßgeblich mitgestaltet hatte, wurde erläutert, dass dessen Aufgaben nun auf mehrere Verantwortungsbereiche verteilt sind. Für den Bereich Personal und Verwaltung zeichnet Christine Bayer verantwortlich.

Der Mitarbeiterstand der Gemeinde umfasst – von der Verwaltung über Bauhof, Klärwerk und Wasserversorgung bis hin zu Kindergarten, Wertstoffhof und Staudendeponie – derzeit rund 70 Beschäftigte. Die ausreichende personelle Besetzung stellt dabei die größte Herausforderung dar, insbesondere für die zehn Kindergartengruppen. Auch Aus- und Weiterbildung fallen in den Zuständigkeitsbereich von Bayer.

Aktuell zählt die Gemeinde 4.343 Einwohner. Im vergangenen Jahr wurden 264 Zuzüge und 284 Wegzüge registriert. Zudem gibt es 157 Nebenwohnsitze. Das Standesamt verzeichnete 39 Geburten, 50 Todesfälle und 52 Eheschließungen. Gemeinsam mit den Nachbargemeinden Nußdorf und Samerberg bildet Neubeuern eine Standesamtseinheit.

Satzungsfragen sind ebenfalls Teil des Verwaltungsbereichs. Als Beispiel nannte der Bürgermeister die Hundeverordnung auf dem Friedhof, mehr Disziplin würde hier den Verwaltungsablauf erleichtern. Der Fachbereich von Beate Bergmann umfasst alle Themen rund um Baurecht, Verordnungen, Bauleitplanung und Bebauungspläne. In enger Abstimmung mit den bautechnischen Mitarbeitern vor Ort werden entsprechende Maßnahmen beraten. Schwerpunkte bei Einsprüchen und Eingaben liegen laut Bergmann bei Nachverdichtung und Neuausweisungen. Aktuelle Projekte betreffen unter anderem die Rosenheimer Straße, den Auerhof, das ehemalige Raiffeisengebäude an der Auerstraße sowie die Hinterhörer Straße.

Von einer angespannten Finanzlage berichtete Christian Loferer aus dem Fachbereich Finanzen und IT. In einer modernen Verwaltung seien Sicherheits- und IT-Belange selbstverständlich diesem Bereich zugeordnet. Für das laufende und kommende Jahr gelte: kein Stillstand, aber auch keine „Hauruck-Aktionen“. Ein Haushalt von knapp 20 Millionen Euro bleibe die Ausnahme.

Die Einnahmen aus Gewerbe und Einkommensteueranteil bleiben weitgehend stabil, mit leichten Zuwächsen, ebenso bei der Grundsteuer B. Positiv bewertet wurde die wieder gewährte Schlüsselzuweisung. Erstmals rechnet die Gemeinde zudem mit Einnahmen von rund 135.000 Euro aus der neu eingeführten Zweitwohnungssteuer.

Auf der Ausgabenseite fallen rund 220.000 Euro für den Schulverband an, die Tilgungsrate beträgt etwa 500.000 Euro. Einen Schwerpunkt bilden die Personalkosten. Die getroffenen Maßnahmen seien laut Bürgermeister Investitionen in die Zukunft. Einsparungen erhofft sich die Gemeinde durch geplante Projekte zur Energieversorgung und Stromgewinnung, deren Vorbereitungen bereits laufen.

Verschiedene Gebührensätze, etwa für Friedhof und Bestattung, müssen angepasst oder ergänzt werden. Änderungen wird es auch bei der Abrechnung von Feuerwehreinsätzen geben, da Vorgaben aus der Rechnungsprüfung umzusetzen sind. Diese Kosten könnten jedoch häufig über private Versicherungen ausgeglichen werden.

Ein Einnahmeplus wird durch die Entwicklung im Gewerbegebiet Heft erwartet. Durch den Erschließungsträgervertrag entstehen der Gemeinde keine Kosten. Bei planmäßigem Verlauf rechnet man bereits in der zweiten Jahreshälfte mit steigenden Gewerbesteuereinnahmen.

Als zukünftiges Arbeitsmodell sieht Bürgermeister Schneider das Co-Working. Unternehmen könnten sich in bestehenden Gebäuden einmieten, flexible Arbeitsplätze nutzen und so schneller wirtschaftlich erfolgreich werden und damit auch früher Steuerzahler. Dieses Modell könnte auch für den Bereich Auerhof eine Option darstellen, wo neben Gewerbeflächen auch Wohnungen geplant sind.

Bericht und Fotos: Thomas Schwitteck


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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