Land- & Forstwirtschaft

Molkerei BGL: “Artenreiche Landwirtschaft”

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Mehr Lebensräume für Insekten und Vögel, begrünte Hofflächen oder Nisthilfen: Mit ihrem neuen Förderprogramm „Artenreiche Landwirtschaft“ unterstützt die Molkerei Berchtesgadener Land ihre Landwirte dabei, die Artenvielfalt auf den Höfen gezielt zu fördern. Dafür stellt die Molkerei insgesamt 100.000,- Euro bereit. Bei einer Presseveranstaltung auf dem Genossenschaftshof der Familie Koch in Teisendorf wurde das Programm mit seinen sechs Maßnahmenpaketen vorgestellt. Vertreter aus Politik, Landwirtschaft und Naturschutz waren sich einig: Biodiversität gelingt nur gemeinsam.

„Der Klimawandel entscheidet darüber, wie wir leben. Der Verlust der Artenvielfalt entscheidet darüber, ob wir leben.“ Mit diesem Zitat machte die Projektverantwortliche und Nachhaltigkeitsbeauftragte in der Molkerei Berchtesgadener Land Veronika Pletschacher deutlich, warum die Molkerei das Förderprogramm ins Leben gerufen hat. Viele Landwirtinnen und Landwirte engagierten sich bereits für die Natur. Dieses Engagement wolle man sichtbar machen, wertschätzen und finanziell honorieren. Dafür habe die Molkerei gemeinsam mit dem Landwirtschaftsamt, Biodiversitätsfachleuten der Landkreise, dem Landschaftspflegeverband, der Biosphärenregion und Landwirten ein praxisnahes Programm entwickelt. Es setzt gezielt dort an, wo bestehende Förderangebote Lücken lassen, und unterstützt Maßnahmen, die sich gut in den landwirtschaftlichen Alltag integrieren lassen.

Sechs Maßnahmen für mehr Lebensräume

Ihre Kollegin  Julia Kainhofer  aus der Landwirteabteilung, ebenfalls für das Projekt in der Molkerei verantwortlich, stellte die sechs Fördermaßnahmen vor. Sie reichen von der Schaffung neuer Lebensräume für Insekten und Vögel über Begrünungsmaßnahmen bis hin zu Nisthilfen.

Die Nistkästen werden dabei von der Molkerei kostenfrei zur Verfügung gestellt. Sie werden von der Pidinger Lebenshilfe angefertigt. Je nach Maßnahme erhalten die teilnehmenden Betriebe eine Förderung zwischen 150,- und 5.000,- Euro. Auch die Effizienz der Maßnahmen soll dabei eindeutig nachvollziehbar sein: Grundlage dafür ist ein Biodiversitäts- und Klimacheck mit dem die Entwicklung der Betriebe anhand etablierter Standards erfasst werden kann. Wie solche Maßnahmen konkret aussehen, zeigte anschließend die Gastgeberfamilie Koch bei einem Rundgang über ihren Hof. Elisabeth  Koch erklärte unter anderem das angelegte Sandarium für bodennistende Wildbienen, einen Käferkeller, eine Lehmkuhle für Schwalben und eine Totholzhecke. Die Beispiele machten deutlich, wie mit gezielten und oft überschaubaren Maßnahmen wertvolle Lebensräume  und damit eine vielfältige Kulturlandschaft entstehen können.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Der  stellvertretende Landrat im Berchtesgadener Land, Thomas Weber, zollte den Landwirtinnen und Landwirten Respekt für ihre vielfältigen Leistungen. Der Erhalt der Artenvielfalt sei eine gemeinsame Aufgabe. Umso erfreulicher sei es, dass die Molkerei dieses Engagement unterstütze.  Auch die Geschäftsführerin des  Landschaftspflegeverbands  BGL Susanne Thomas, die das Programm im Expertenkreis begleitet hat, betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit. Biodiversität entstehe durch das Zusammenspiel von Lebensräumen und den darin lebenden Arten. Landwirtschaft und Naturschutz müssten deshalb gemeinsam an einem Strang ziehen.

Konkrete Maßnahmen

Der Geschäftsführer der Molkerei Berchtesgadener Land Bernhard Pointner hob hervor, dass Biodiversität auch für Verbraucher immer wichtiger werde. „Biodiversität ist ein Kaufargument– genauso wie Regionalität. Wie schön, wenn man beides verbinden kann.“ Kunden interessierten sich zunehmend für konkrete Leistungen vor Ort statt für schwer nachvollziehbare Nachhaltigkeitsversprechen. Die Familie Koch stehe beispielhaft dafür:  Sie ist Mitglied und damit Miteigentümerin der Genossenschaftsmolkerei, liefert regionale Biomilch und setzt sich auf ihrem Hof für Artenvielfalt ein. Die Resonanz auf das neue Programm sei bereits bei der Vorstellung gegenüber den Landwirtinnen und Landwirten sehr positiv gewesen. Nun freuen sich alle Beteiligten auf den Start und die Umsetzung der Maßnahmen. Mit dem 100.000,- Euro Förderbudget möchte die Molkerei das Engagement ihrer Genossenschaftsbetriebe stärken und gemeinsam mit ihnen einen konkreten Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt im Alpenraum leisten.

Bericht und Fotos: Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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