Ein kleiner Berggasthof hoch über dem Achental, 30 Menschen aus 30 Ländern und ein gemeinsames Anliegen: das kulturelle Erbe für kommende Generationen zu bewahren. Beim internationalen Begegnungstag am Streichen wurde Schleching zum Treffpunkt für Fachleute und Engagierte aus aller Welt.
Anlass war die INTO Conference 2026, die erstmals in Bayern stattfand. INTO ist ein internationaler Dachverband nationaler und regionaler Organisationen, die sich für den Schutz des Kultur- und Naturerbes einsetzen. Mehr als 90 Mitgliedsorganisationen gehören dem Netzwerk an, darunter die National Trusts für England, Schottland und Wales. Die 125 Delegierten aus allen fünf Kontinenten tauschten Erfahrungen aus und entwickelten neue Perspektiven für den Erhalt historischer Orte.
KULTUR ERBE BAYERN ist seit 2019 als bislang einzige deutsche Organisation Mitglied bei INTO. Im Rahmen der Konferenz verteilten sich die Teilnehmer auf verschiedene Workshops und Exkursionen. Neben Schleching standen Projekte der Stiftung in Dillingen, Rothenburg und Schloss Erkersreuth auf dem Programm. Eine weitere Exkursion führte zur Isarrenaturierung in Zusammenarbeit mit dem Isartalverein. Die Gäste in Schleching erreichten den Berggasthof über den neuen Hutschensteig. Schon der Weg durch die herrliche Natur und die Ausblicke ins Tal begeisterten die Besucher. Auch die großen Hutschen, auf denen man sprichwörtlich „ins Tal schaukeln“ kann, wurden ausgiebig ausprobiert.
Empfangen wurden die internationalen Gäste von den beiden Trägerstiftungen des Berggasthofs Streichen, KULTUR ERBE BAYERN und der Thomas und Yvonne Wilde Stiftung, vertreten durch Yvonne und Thomas Wilde sowie Pilar Prinzessin zu Salm-Horstmar von KULTUR ERBE BAYERN. Gemeinsam führten sie die Besucher durch das historische Gebäude und machten auf zahlreiche Details aufmerksam. Im Anschluss stand eine Besichtigung der kleinen St.-Servatius-Kapelle oberhalb des Gasthofs auf dem Programm.
Besonders beeindruckt zeigte sich Princess Dana Firas aus Jordanien. „Der Berggasthof sei ein gelungenes Beispiel dafür, wie historische Gebäude bewahrt und wieder mit Leben erfüllt werden könnten. Es gehe nicht allein um die Sanierung eines 600 Jahre alten Gebäudes, sondern darum, gemeinsam mit Menschen einen Ort wiederzubeleben. Das sei ein großer Wert und eine wichtige Erkenntnis, die sie von ihrem Besuch mitnehme.“ Die vielen liebevollen Details hätten sie begeistert, insbesondere auch die teilweise handgemalten Restaurierungen an den Fenstern. Als besonders wertvoll empfand sie zudem, dass das Ensemble für alle Besucher frei zugänglich ist – etwas, das keineswegs selbstverständlich sei. Für Pilar Prinzessin zu Salm-Horstmar war es eine große Ehre, dass sich die internationale Fachwelt am Berggasthof Streichen zur Besichtigung und zum anschließenden Workshop versammelte. Auch für die Gastgeber sei der Austausch mit Menschen aus allen Kontinenten eine Bereicherung. Wenn so viel Fachwissen und unterschiedliche Erfahrungen zusammenkämen, entstünden neue Erkenntnisse und Perspektiven.
Yvonne und Thomas Wilde freuten sich über das große Interesse der Gäste. Besonders schön sei es, wenn Besucher nicht nur das Ergebnis der Arbeit wahrnähmen, sondern auch die vielen Details und die Geschichte hinter dem Projekt entdeckten. Dass 30 Menschen aus 30 verschiedenen Ländern ausgerechnet hier zusammenkamen, unterstrich die internationale Bedeutung des Projekts – und zeigte, wie sehr ein historischer Ort Menschen über Kontinente hinweg verbinden kann. So wurde der Streichen für einen Tag zu einem Ort, an dem die Welt zusammenfand und das gemeinsame Bewahren von Geschichte im Mittelpunkt stand.
Text und Bildmaterial: Sybilla Wunderlich








