Land- & Forstwirtschaft

Petersberg: Bäuerliche Familienberatung

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Zum dreißigjährigen Bestehen der Bäuerlichen Familienberatung in der Erzdiözese München und Freising feiert Christoph Klingan, Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, am Freitag, 6. November, einen Gottesdienst in der Basilika St. Peter und Paul auf dem Petersberg (Erdweg), Landkreis Dachau. Beim anschließenden Festakt werden unter anderem zwei Ehrenamtliche geehrt, die sich seit 30 Jahren in der psychosozialen Beratung von Familien in der Landwirtschaft engagieren.

„Die Herausforderungen für die Landwirtschaft werden in den kommenden Jahren wohl nicht geringer“, sagt Generalvikar Klingan. So setzten „immer wieder neue Anforderungen an die Landwirtschaft durch Gesellschaft und Staat, die Klimaveränderungen, neue Technik, Nachweispflichten und Kontrollen“ sowie damit verbundene hohe Investitionskosten den Betrieben zu. Umso wichtiger sei es, dass die Kirche auch weiterhin an der Seite der Landwirtinnen und Landwirte stehe und sich in der Bäuerlichen Familienberatung weiterhin Menschen engagierten, „die zuhören, begleiten, in Konflikten vermitteln, schlicht Hoffnung schenken und Zuversicht geben“. Der Generalvikar versicherte, dass die Erzdiözese München und Freising weiter zu dem von ihr getragenen Angebot der Bäuerlichen Familienberatung stehe und auch künftig Menschen aus dem Bereich der Landwirtschafte hier Rat und Unterstützung bekommen sollen.

Peter Bartlechner, der seit sechs Jahren die Bäuerliche Familienberatung der Erzdiözese München und Freising leitet, sieht ebenfalls landwirtschaftliche Betriebe durch das große Arbeitspensum insbesondere in Milchviehbetrieben sowie „hohe bürokratische, und finanzielle Hürden“ unter großem Druck. Hinzu kämen „Weltkrisen wie Kriege, Umweltzerstörung, der Klimawandel, aber auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie“. Diese schwierige Gemengelage könne „Lebenskrisen oder zumindest heftige Konflikte bei einzelnen Personen oder in den Familiensystemen auslösen“, so Bartlechner. Durch das enge Zusammenleben und -arbeiten wirkten sich wirtschaftliche Entscheidungen oft auch auf das soziale Gefüge aus. Vor diesem Hintergrund verzeichnet der Leiter der Bäuerlichen Familienberatung in jüngerer Zeit neben der Auseinandersetzung mit strukturellen Themen vor allem einen erhöhten psychologischen Beratungsbedarf. „Die Bäuerliche Familienberatung unterstützt moderierend bei Konflikten, hilft bei der Rollenklarheit, vermittelt den Kontakt zu externen Hilfestellen und berät bei Lebenskrisen“, sagt Bartlechner: „Wir versuchen mit den Ratsuchenden neue Perspektiven zu erarbeiten und fragen nach Ressourcen, hören zu, sind da, wenn das persönliche Leid besonders groß ist“.

Die Bäuerliche Familienberatung wurde im September 1996 von der Erzdiözese München und Freising ins Leben gerufen. Das von der Erzdiözese finanzierte Angebot versteht sich als eine ganzheitliche Beratung für Bäuerinnen und Bauern und steht diesen in schwierigen familiären, persönlichen oder wirtschaftlichen Lebens- und Arbeitssituationen zur Seite – vor Ort, telefonisch oder auch online. Zwei Hauptamtliche und 15 Ehrenamtliche, darunter Familientherapeutinnen und -therapeuten, Mediatorinnen und Mediatoren, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, Supervisorinnen und Supervisoren, systemische Beraterinnen und Berater und eine Seelsorgerin, verwurzelt und erfahren in der Landwirtschaft, beraten Einzelpersonen, Paare und Familien in den landwirtschaftlichen Betrieben. Der Dienst ist kostenfrei, jede Beratung unterliegt der Schweigepflicht. Für Angehörige und für Betroffene existieren darüber hinaus noch zwei Selbsthilfegruppen für psychische Gesundheit und Depression. (fho)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat – Archiv-Foto: Hötzelsperger 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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