Spürbare Preisaktionen wie sie derzeit im Supermarkt häufig zu finden sind, wirken verführerisch und auf den ersten Blick sieht man nicht die Konsequenzen. Ein Preissturz am Kühlregal. Ein schneller Griff zur Butter im Angebot. Doch ist sich jeder bewusst, dass dieser Griff mit darüber entscheidet, wie unsere Bergregionen morgen aus-sehen?
Denn Billigpreise haben weitreichende Auswirkungen, die man nicht sofort sieht: auf den Höfen der Bergbauern, in den Ställen, auf den Almen der Alpenregion zwischen Watzmann und Zugspitze. Unser Einkauf bestimmt, ob wir eine Kulturlandschaft und letzt-endlich auch die eigene Versorgung mit Grundnahrungsmitteln gefährden oder nicht.
Wenn der Preis fällt, fällt mehr als nur der Milchwert
Der weltweite Milchmarkt ist aktuell aus dem Gleichgewicht geraten. Die produzierten Milch-mengen sind viel zu hoch und der Absatz stockt. Das drückt die Preise. Für kleine Familienbe-triebe, die im Schnitt 30 Kühe im Stall haben, ist das gefährlich, denn sie können den Preisdruck nicht ohne weiteres ausgleichen. „Wird Milch unter Wert verhökert, kann das der Todesstoß für kleine Bergbauernhöfe sein,“ erklärt Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkerei Berchtesgadener Land. Viele der Betriebe stehen dann vor der Frage: weitermachen oder aufgeben? Einmal geschlossen, bleibt ein Hof meist für immer verloren. Das ist in den Bergregionen beson-ders dramatisch. Denn hier kommt niemand zurück. Die Strukturen brechen weg. Und so verän-dern sich ganze Landschaftsbilder.
Almen verschwinden schleichend – und mit ihnen ein Stück Heimat
Es sind die Bergbauern mit ihren Kühen, die im Alpenraum die Kulturlandschaft offenhalten. Oft mähen sie in mühsamer Handarbeit die steilen Wiesen, sie pflegen Wege, sie halten Almen begehbar, bewirtschaften die Wälder. Denn ohne Kühe würden die steilen Almhänge zuwuchern und verwildern, die Landschaft würde unzugänglich werden. Was heute wie eine Idylle wirkt, kann schleichend auch wieder verschwinden. „Diese allmähliche Veränderung trifft nicht nur die Landwirtschaft und damit auch die Versorgungssicherheit mit unseren Grundnahrungsmitteln,“ betont Pointner, „sie zerstört auch die Heimat und Zukunft unserer Kinder.“ Zudem trifft die Veränderung auch den Tourismus – und damit langfristig weitere Arbeitsplätze in der Region.
Regionale Betriebe wie die Molkerei Berchtesgadener Land kämpfen um ein faires Gleich-gewicht und halten die Versorgungsicherheit aufrecht
Viele Landwirtschaftsbetriebe und auch die Molkerei Berchtesgadener Land investieren in moderne Technik, Stromreserven und sichere Versorgungslinien, um als Molkerei resilient zu wer-den. Das schützt die Region – gerade in Krisenzeiten. Doch auch vorbereitete Molkereien können nicht bestehen, wenn Butter und Milch dauerhaft als Billigware dienen. Dann überleben nur noch industrielle Großstrukturen. Vielfalt und regionale Identität verschwinden. „Wenn die Milch- und Butterpreise weiter fallen, ist Deutschland bald auf Importe angewiesen,“ so Pointner. Der Zusammenhang geht sogar deutlich weiter: Landwirtschaft ist ein „Teil der inneren Sicherheit“ und nur starke regionale Wertschöpfung macht Deutschland resilient. Die Stabilität der Erzeugerbetriebe ist das Fundament der Versorgung. „Wer Milcherzeugnisse aus der Region kauft, sichert also nicht nur die heimische Landwirtschaft und damit die Pflege der Kulturlandschaft, sondern garantiert zudem Versorgungssicherheit,“ hebt Bernhard Pointner hervor.
Was der Griff ins Kühlregal wirklich kostet
„Für Verbraucher ist der Spareffekt überschaubar: Selbst bei Billigmilch kommen im Jahr kaum mehr als rund 60 Euro zusammen,“ rechnet Pointner vor. „Bei einem durchschnittlich Jahresverbrauch pro Person von 46 Litern Milch und 5,3 Kilo Butter bedeutet die Entscheidung für re-gionale Qualität letztlich nur rund 1,20 Euro Mehrkosten pro Woche.“ Ein kleiner Betrag, der mit darüber entscheidet, ob Höfe bleiben oder gehen, ob Almen gepflegt oder aufgegeben werden. Ob Regionen lebendig bleiben oder ausbluten. „Die kleine Ersparnis heute führt langfristig zu großen Nachteilen.“ so der Geschäftsführer.
Ein kleiner Beitrag mit großer Wirkung
„Von den Preisreduzierungen profitieren ausschließlich die großen Player – für kleine, lokal verankerte Betriebe wird es dadurch existenziell eng.“ stellt Pointner heraus. Wer bewusst einkauft, schützt nicht nur die Bauern. Er schützt die Kulturlandschaft, die eigenen Ferienorte, das Gefühl von Heimat. Es geht darum, die komplexen Zusammenhänge zu sehen. „Wir wollen nicht den Finger erheben, sondern Transparenz schaffen und aufklären.“ Der Preis im Kühlregal ist eine Entscheidung – für oder gegen die Zukunft unserer Bergregionen und für unsere heimische Versorgung.
Bericht und Bilder: Milchwerke Berchtesgadener Land / Gf Pointner / Butterbrot






