Kirche

Trauer um Katharina Straßer aus Nöstlbach

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

„Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt dennoch, dass es plötzlich Nacht ist“, diesen Vers hat die Tochter für das Sterbebild von Katharina Straßer aus Nöstlbach (Gemeinde Pittenhart) ausgewählt.

Langsam ist die Sonne im Leben von Katharina Straßer untergegangen. Die letzten Jahre waren altersbedingt sehr mühsam geworden. Seit 2015 nahm ihre Sehkraft zunehmend ab und Ende Oktober 2023 brach sie sich bei einem Sturz den vorderen und den hinteren Beckenring. Für die damals 96‑Jährige waren die mehreren Operationen und die Vollnarkosen eine große Belastung. Vier Wochen lag sie im Wasserburger Krankenhaus und konnte danach ohne Hilfe nicht mehr gehen. Im März 2024 stand eine weitere Operation mit Vollnarkose an, was noch weitere Einschränkungen mit sich brachte und sie gänzlich ans Bett fesselte. All die Zeit stand ihre Tochter Elfriede ihr zur Seite und pflegte sie mit sehr viel Liebe und Einsatz bis zur letzten Stunde. Auch wenn die körperlichen Umstände den Bewegungsradius von Katharina Straßer zunehmend einschränkten, war sie geistig voll fit und freute sich über Besuche; besonders die Nachbarin war stets herzlich willkommen, und der Ratsch tat der Seniorin gut.

Geboren wurde die Verstorbene als Katharina Straßer am 2. April 1928 als erste Tochter der Bauersleute Katharina und Philip Straßer in Apping in der Gemeinde Pittenhart. Sie wuchs mit ihren Schwestern Resi, Fanny und Annemarie sowie einem Pflegebruder am elterlichen Schillauer-Anwesen westlich von Nöstlbach auf. Zur Schule ging sie in Pittenhart. Nach dem Krieg absolvierte sie in Rimsting eine Ausbildung zur Damenschneiderin, die sie nach eigenem Bekunden sehr erfolgreich mit der Note 1 abgeschlossen hat. Nach der Ausbildung machte sie sich in Apping als Schneiderin selbstständig.

Wie das Leben oft so spielt, verliebte sich Katharina Straßer in Ferdinand Straßer, einen Bauern aus dem Nachbardorf Nöstlbach. Beide kannten sich von Kind auf, gingen zusammen in die Schule und verbrachten zusammen mit den anderen Dorfkindern die Kindheit und Jugendzeit. Als ältere Tochter des Schillauer-Anwesens hätte sie dieses später einmal übernehmen sollen; zugunsten ihrer Schwester Resi verzichtete sie jedoch darauf. Bäuerin wollte sie eigentlich nie werden, wurde es aber durch die Hochzeit im Mai 1957 mit Ferdinand Straßer: Sie wurde die Prenner-Bäuerin von Nöstlbach. Dass beide denselben Familiennamen hatten, beruhte auf einer weit zurückliegenden Verwandtschaft.

Schon in jungen Jahren machte sie, für eine Frau damals unüblich, den Führerschein. Im Januar 1960 kam Tochter Elfriede zur Welt. Bei ihrem Mann Ferdinand zeichnete sich schon früh eine Herzkrankheit ab, die das Familienleben und gemeinsame Unternehmungen einschränkte. Später erkrankte der Prenner-Bauer an Lymphdrüsenkrebs, die gemeinsam betriebene Landwirtschaft wurde aufgegeben und es fehlten die Einnahmen. Katharina besorgte sich Arbeit, zuerst bei der Firma Loos in Traunreut und dann bei der Firma Tiedemann in Pittenhart, die sie in Heimarbeit erledigte. Ihr Mann nahm, soweit es seine Gesundheit erlaubte, immer wieder kleinere Aushilfsjobs an.

1984 wurde das alte Bauernhaus und einige Grundstücke verkauft, und gegenüber der Hofstelle wurde ein Zweifamilienhaus gebaut. Wegen einer erneut auftretenden Krankheit von Ferdinand Straßer mussten viele Gewerke vergeben werden, was die Kosten für den Neubau sehr erhöhte, wie die Tochter später erzählte. Tochter Elfriede war beruflich lange Zeit in München sehr erfolgreich tätig. Die gesundheitliche Situation des Vaters brachte es mit sich, dass Elfriede 1998 zurückkehrte und sich im Chiemgau als Steuerberaterin selbstständig machte, um das Familienhaus zu erhalten. Diese schwere Aufgabe bezahlte sie Anfang der 2000er Jahre mit einer unheilbaren Krankheit. Ein Schicksalsschlag für die Familie war im November 2001 der frühe Tod des Ehemanns und Vaters im Alter von 73 Jahren, trotz seiner eigenen Krankheit. Die finanzielle Lage von Mutter und Tochter blieb weiterhin angespannt, sodass der Verkauf des Hauses unumgänglich wurde; beide konnten jedoch weiterhin als Mieter im Haus wohnen bleiben.

„Still ist’s nun geworden“, sang der Pittenharter Kirchenchor bei der Trauerfeier für Katharina Straßer; alle Worte dieses Liedes konnten Leben und Tod der Verstorbenen nicht trefflicher beschreiben. Still ist es geworden: Am Morgen des 25. Juli 2026 ist sie im gesegneten Alter von 98 Jahren zuhause friedlich eingeschlafen. Der Trauergottesdienst fand im engsten Familien- und Freundeskreis in der Pittenharter Pfarrkirche statt und wurde von Pfarrer David Mehlich zelebriert. Anschließend begleitete die Trauergemeinde die Urne von Katharina Straßer auf dem Friedhof in Pittenhart zu ihrer letzten Ruhestätte.

Bericht: Emmy Künzner-Hingerl – Foto: Privat


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