Schnell verbreitete sich im Dorf die Nachricht vom Ableben von Pfarrer Erhard Wachinger, geboren im Mühlner-Anwesen in Winkl, Gemeinde Altenbeuern. Der Geistliche stand im 86. Lebensjahr, davon 59 Jahre im Priesterdienst. Domkapitular Thomas Frauenlob aus Berchtesgaden zelebrierte für Erzbischof Karl Marx in der Kirche von Altenbeuern die Trauerfeier für seinen Kollegen Erhard Wachinger.
Die tiefe Verwurzelung in der Heimat und das Bewusstsein für Tradition entsprachen dem Wunsch Wachingers, im elterlichen Familiengrab am Friedhof in Altenbeuern, am unmittelbaren Eingang zur Sakristei, der geweihten Erde übergeben zu werden. Zusammen mit seinen fünf Geschwistern wuchs er in Winkl, dem elterlichen Anwesen mit Mühle und Hof, auf. Die Zeit war geprägt vom beginnenden Krieg, aber auch von der Aufbruchszeit.
Kardinal Döpfner weihte Wachinger am 29. Juni 1967 zum Priester – nach seiner Schulzeit am Gymnasium in Rosenheim sowie Studium und Ausbildung. Dem Neuen aufgeschlossen und offen für die Belange der Gläubigen, so der Domkapitular im Rückblick auf den Lebensweg von Erhard Wachinger, begann sein beruflicher Weg als Kaplan in Partenkirchen – eine Arbeitsstelle, die seinem persönlichen Gefallen und dem Skisport sicher zuträglich war. Seine weiteren Wirkensorte waren Kaplanstellen in drei Münchner Pfarreien, anschließend 15 Jahre Pfarrer in Esting, danach weitere 15 Jahre in Zorneding. Als Pfarradministrator und später als Ruhestandspfarrer wirkte er ab 2005 in Holzkirchen–Warngau.
„Alles hat seine Stunde“ – dieser Leitspruch und Lebensspruch, so Pfarrer Gottfried Doll als Mitbruder des Verstorbenen und Weggefährte im Pfarrverband, war die Triebfeder im Wirken Wachingers. Dem Neuen aufgeschlossen, den Grundlagen des letzten Konzils verpflichtet, galt sein Betreben. So sah er auch den Ministrantendienst für Mädchen bereits in frühen Jahren als gegeben und gleichwertig an. Der Tisch des Herrn sollte der zentrale Mittelpunkt der Messfeier sein. Das Familienwesen war eine Herzensangelegenheit für Wachinger. Auch technischen Neuerungen gegenüber war er aufgeschlossen. Früh stattete er die Bürotätigkeiten mit Computer und modernem Arbeitsgerät aus, ohne dabei die Bindung zu den Mitbürgern zu verlieren. Gemeinsamkeiten begleiteten seinen Lebensweg – dazu gehörte auch eine gemütliche Schafkopfrunde mit Kollegen und Freunden.
Zwei Schlaganfälle engten den Lebensweg von Erhard Wachinger ein. Lebenswille ließ eine Erholung zu, sodass er eingeschränkt noch mitwirken und seine Heimat besuchen konnte. Pfarrer Doll sagte den nächsten Vertrauenspersonen, die Pfarrer Wachinger begleiteten – Frau Bigl, die über Jahrzehnte helfende Hand war, der Familie, dem Caritas-Seniorenheim Holzkirchen, Wuni Mayer und Lorenz Knoll – herzlichen Dank. Sie ermöglichten es, dass er in vertrauter Umgebung aus dem Leben scheiden konnte.
Neun pfarrliche Weggefährten und Glaubensbrüder, darunter Ortspfarrer Christoph Rudolph, folgten im langen Trauerzug – angeführt von der Musikkapelle Neubeuern unter der Stabführung von Bernd Eutermoser –, einem großen Familienverband und vielen Trauergästen zur letzten Ruhestätte. Die Trauerfeier wurde ferner mitgestaltet vom Kirchenchor, der Orgel und einer Musikgruppe.
Bericht und Bilder: Thomas Schwitteck – Fotos zeigen das Sterbebild Wachingers, ihn als Skisportler (fünfter von links) sowie seine Primizfeier 1967 in Neubeuern (zweiter von rechts).





