Kirche

REI: Orgelsommer-Konzert-Freuden

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Bad Reichenhall. Zwei herausragende Werke der Orgelliteratur standen beim vorletzten Konzert des Reichenhaller Orgelsommers auf dem Programm. Kirchenmusikerin Julie Pinsonneault begrüßte dazu den aus Neuseeland stammenden Organisten Paul Tarling, der als Kirchenmusiker in München-Sendling tätig ist.

Tarling interpretierte Johann Sebastian Bachs Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur (BWV 564) sowie den Choral Nr. 2 in h-Moll von César Franck (1822–1890). Kennengelernt hatten sich die beiden Musiker über Pinsonneaults Partner bei einem gemeinsamen Dirigierkurs in Belgien. Nach einer Einladung der Reichenhaller Organistin nach München folgte nun der Gegenbesuch in der Kurstadt, wie Tarling im Gespräch mit der Heimatzeitung erzählte.

Die Zusammenstellung der beiden Werke sei bewusst gewählt worden. Franck greife in seinen Chorälen barocke Formen auf, ohne sie zu imitieren. Vielmehr entwickle er sie mit der harmonischen Sprache der französischen Romantik weiter und knüpfe damit an die musikalische Tradition Johann Sebastian Bachs an.

Für den Organisten bedeutete dies zugleich eine besondere Herausforderung. Die Reichenhaller Orgel ist vor allem deutsch-barock disponiert, während Francks Werk eigentlich nach den charakteristischen Klangfarben einer französisch-romantischen Orgel verlangt. So ersetzte Tarling die Register der „Trompette harmonique“ und des „Basson“ durch diejenigen von Oboe und „Clairon“. Von diesen registrierungstechnischen Kompromissen war im Kirchenraum jedoch nichts wahrzunehmen. Mit feinem Gespür für Klangfarben und einer sorgfältig abgestimmten Registrierung entfaltete sich Francks Musik ebenso überzeugend wie Bachs barocke Klangwelt.

Bereits Bachs Toccata, Adagio und Fuge beeindruckte durch ihre außergewöhnliche Anlage. Mit der dreisätzigen Form aus Toccata, Adagio und Fuge erinnert das Werk beinahe an ein italienisches Solokonzert und nimmt daher unter Bachs Orgelkompositionen eine Sonderstellung ein. Das ausgedehnte Pedalsolo der Toccata zählt bis heute zu den spektakulärsten Passagen der gesamten Orgelliteratur und verlangt höchste Virtuosität. Tarling meisterte diese Herausforderung mit beeindruckender Sicherheit und Präzision. Das lyrische Adagio in a-Moll bildete dazu einen ausdrucksstarken Ruhepunkt, bevor der Organist das Werk mit der kunstvoll aufgebauten Fuge in einem großen Spannungsbogen eindrucksvoll vollendete.

Im zweiten Teil des Konzerts führte Tarling die Zuhörer in die spätromantische Klangwelt César Francks. Der zweite der drei Choräle, die wenige Monate vor Francks Tod entstanden und als Höhepunkt seines Orgelschaffens gelten, entfaltet sich aus einem einfachen musikalischen Gedanken zu einem majestätisch Klangraum. Es handelt sich weniger um eine eigentliche Choralkomposition als vielmehr um eine freie Variationen- und Passacagliaform, so dass das Werk barocke Strenge mit romantischer Ausdruckskraft verbindet.

Mit beeindruckender technischer Souveränität, feinem Gespür für Klangfarben und einer bis ins Detail durchdachten Gestaltung ließ Paul Tarling die Reichenhaller Orgel weit über ihre barocke Prägung hinaus erklingen. Sein Spiel verband Virtuosität mit musikalischer Tiefe und ließ sowohl die klare Architektur Bachs als auch die farbenreiche Klangsprache Francks eindrucksvoll zur Geltung kommen. Ein Konzert, das ein weiteres Mal eindrucksvoll zeigte, wie zeitlos und faszinierend die großen Werke der Orgelliteratur bis heute sind.

Letztes Konzert im Orgelsommer St. Nikolaus: am 1. August um 11 Uhr mit Manfred Müller aus Traunstein

Bericht und Foto: Brigitte Janoschka – Paul Tarling an der Orgel in St. Nikolaus

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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