Kirche

10 Jahre Rat der Religionen

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Zum Einstehen für Frieden ruft Christoph Klingan, Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, angesichts der vielen Kriege und gewaltvollen Auseinandersetzungen in der Welt auf. „Das Gebet um Frieden ist 2026 – leider – weiter hochaktuell“, sagt er laut Manuskript beim Friedensgebet des Rats der Religionen am Dienstagabend, 29. September, in der ehemaligen Karmeliterkirche in München. Zum 10-jährigen Bestehen des Friedensgebets warnt Klingan zugleich vor den Auswirkungen des hybriden Krieges, die unmittelbar auch in Deutschland zu spüren seien: „Wir müssen mit stetig wachsender Besorgnis erleben, wie unsere freiheitliche Demokratie und offene Gesellschaft bedroht wird durch gezielte Falschinformation, Beeinflussung des Meinungsklimas sowie Cyber- und Drohnenattacken auf die Infrastruktur.“

In seiner Ansprache erinnert der Generalvikar daran, wie heilsam und friedensstiftend es wäre, wenn sich alle Menschen als Teil einer Menschheitsfamilie begreifen würden, „unabhängig von Herkunft, Nationalität, Sprache, Geschlecht, Hautfarbe oder wonach auch immer man sie unterscheidet“. Die Religionsgemeinschaften sollten sich neben dem Gebet für die Menschen in den Kriegsregionen an diesem Tag auch wieder neu bewusst machen, dass Friede „auch bei uns selbst“ beginne, „in unserem Denken und Handeln, im täglichen Miteinander“. Klingan räumt ein, dass es bei aller Dankbarkeit für zehn Jahre Zusammenwirken im Rat der Religionen auch „schwierige Zeiten“ gegeben habe und immer noch gebe. „Ich möchte nur die unterschiedlichen Positionen etwa in Bezug auf den Nahostkonflikt nennen‘“, so der Generalvikar, der zugleich betont: „Umso mehr sehen wir uns weiterhin gefordert: Wir, die wir heute hier sind, laden uns wechselseitig ein, sind im Gespräch, hören einander zu, nehmen gemeinsam Stellung, wenn eine Gemeinschaft von außen angegriffen wird.“

Als wichtigen Referenzpunkt des Friedensgebets, das in diesem Jahr unter dem Leitwort „Zehn Jahre zusammen unterwegs“ steht, nennt der Generalvikar das Friedenstreffen der Religionen in Assisi in Italien, zu dem vor 40 Jahren der damalige Papst Johannes Paul II. „in prophetischer Geste“ Religionsvertreter und -vertreterinnen aus aller Welt eingeladen hatte. „Ein Novum in der Religionsgeschichte und eine Inspiration für unzählige interreligiöse Friedensinitiativen und Friedensgebete weltweit“, unterstreicht der Generalvikar.

Neben Generalvikar Klingan und Bernhard Liess, Stadtdekan im Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirk München, nehmen an dem Gebet teil: Rabbiner Tom Kučera von der Liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom; Imam Belmin Mehic für das Münchner Forum für Islam; Ergün und Yasemin Erdoğan für die Alevitische Gemeinde München; der bulgarisch-orthodoxe Erzpriester Nedialko Kalinov; Erika Grimm für die Deutsche Buddhistische Union; Sandra Schönitzer für die Baha’i-Gemeinde; und Heide Duckert für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Sie lesen und rezitieren Texte aus ihren jeweiligen Heiligen Schriften, singen und tragen Gebete aus ihren Traditionen vor. Verena Dietl, dritte Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, spricht ein Grußwort.

Der Rat der Religionen in München wurde im Juli 2016 gegründet, um die Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften vor Ort zu stärken und durch Dialog und Beratung das gegenseitige Verständnis und Zusammenleben in der Stadtgesellschaft zu verbessern. (hor)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat – Archiv-Foto: Hötzelsperger

 

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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