Kirche

Trauer um Christa Pitsch aus Neubeuern

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Im vertrauten Kreis von Familie, Freunden, Nachbarn und Vereinsmitgliedern wurde dieser Tage Frau Christa Pitsch am Friedhof in Altenbeuern zu Grabe getragen. Sie verstarb im 95. Lebensjahr im Seniorenheim in Thansau, wo sie ihren letzten Lebensabschnitt verbrachte – umsorgt, begleitet und getragen von ihrer Familie. Lebensfreude und Gemeinschaftssinn zeichneten sie auch dort im Zusammenleben mit den Mitbewohnern aus, nach einem langen und abwechslungsreichen Lebensweg.

Dieser begann 1931 in ihrer Heimat Ostpreußen, wo sie zusammen mit fünf Geschwistern aufwuchs. Die bedrückende Zeit der politischen Unruhe und des nahenden Krieges prägte ihre Jugend und ließ keine abgeschlossene Schulausbildung zu. Vertreibung und Flucht bestimmten die folgenden Jahre. Auf diesem Weg verlor sie ihre Mutter, mit der sie unterwegs war. Einer glücklichen Fügung war es zu verdanken, dass sich beide zwei Jahre später wiederfanden. Erste feste Bindung fand die Familie in Neubeuern, wo Christa Pitsch eine Anstellung als landwirtschaftliche Helferin beim „Weissen“ in Holzham erhielt. Pfarrer Auer aus Neubeuern vermittelte ihr aufgrund der fehlenden Schulbildung weiteres Wissen. Ihre Tätigkeiten entwickelten sich, und Lebensmut, Arbeitswille, Lebensfreude und Geselligkeit prägten ihren weiteren Weg. Beim Tanz lernte sie schließlich ihren späteren Ehemann kennen.Ein Wohnungswechsel nach Rosenheim folgte, der auch zur Mitgliedschaft beim Trachtenverein „Alt-Rosenheim“ führte – eine Verbindung, die über Jahrzehnte bis zu ihrem Tod Bestand hatte, ebenso wie die zum Trachtenverein Edelweiß Neubeuern. Untätigkeit war ihr fremd: Viele Jahre war sie eine verlässliche helfende Hand bei der Schaustellerfamilie Distl, deren Fahrgeschäft beim Rosenheimer Herbstfest und an vielen weiteren Standplätzen sie unterstützte.

Später übersiedelte die Familie mit Mann und Tochter wieder nach Neubeuern. Der Familienverband war ihre Lebensaufgabe, in dem sie ein bestimmender Teil war. Für die drei Enkel und vier Urenkel war sie eine verlässliche Vertrauensperson.Die Leidenschaft für den Tanz begleitete sie ein Leben lang. So blieb es nicht aus, dass die Faschingsgesellschaft Neubeuern ihr Engagement in Anspruch nahm. Zusammen mit Tanzlehrer Peter Roleff aus München, der in Holzham eine Bleibe hatte, war sie verantwortlich für die Auftritte der Gardemädchen und die Tänze des Prinzenpaares. Ungezählte Stunden des Probens wurden von ihr geleistet. Mehr als drei Jahrzehnte war sie dieser Gemeinschaft verbunden und stets zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wurde. Das Glaubenswort „Alles hat seine Zeit“ stellte Pfarrerin Susanne Franke in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Alles habe seinen Anfang und sein Ende, aber auch die Zeit des Dankes. Dies dürfe man nach einem erfüllten Leben sagen – und in diesem Dank das Leben zurückgeben.

Die Trauerfeier wurde begleitet vom Chor, von Zithermusik sowie der Beerdigungsmusik. Die Fahnenbegleitung der beiden Trachtenvereine und der Frauengemeinschaft war ein sichtbares Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu den Gemeinschaften. Zu den Trauerweisen stimmten die Musikanten auch Neubeuerns Faschingshymne „Vom schönen Gamsgebirg“ an, was an viele gesellige Stunden erinnerte.

Bericht und Sterbefoto: Thomas Schwitteck  


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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