Tilo Heinrich, bekannt als Filmmusiker von „Das Kanu des Manitu“, zeichnet für die Komposition der Musik zum neuen Theaterstück „WEG“ verantwortlich – ein Werk, das Heimatgeschichte, Erinnerung und menschliche Schicksale eindrucksvoll verbindet.
Am 6. November feiert WEG im König-Ludwig-Saal seine Uraufführung, getragen von der Idee des Theaterseelsorgers Werner Hofmann, der die Lebensgeschichte einer vertriebenen Familie zum Ausgangspunkt eines großen Erinnerungsprojekts machte.Für die musikalische Gestaltung konnte Hofmann den renommierten Komponisten Tilo Heinrich gewinnen. Mit einem 25‑köpfigen Ensemble schafft Heinrich Klangräume, die die emotionalen Stationen der Flucht, des Ankommens und des Weiterlebens intensiv erlebbar machen.Im Interview spricht Tilo Heinrich über seine Herangehensweise, die Herausforderung, historische Erfahrungen musikalisch zu übersetzen, und darüber, wie Musik Erinnerung lebendig halten kann.Ein Gespräch, das neugierig macht auf eine außergewöhnliche Premiere und ein Theaterprojekt, das weit über die Bühne hinauswirkt.
Wir haben ihn gefragt, warum er dieses besondere Theaterstück über Flucht und Vertreibung in der Nachkriegszeit unterstützt.
- Hast Du einen persönlichen Bezug zum Thema Flucht und Vertreibung?
Ja, ich weiß von meiner Mutter, dass ihre Familie nach dem 2. Weltkrieg fliehen mussten, auch väterlicherseits gibt es einen Bezug.
- Was hat Dich an dem Projekt gereizt?
In erster Linie das Thema natürlich, gerade den Bezug zu unserer aktuellen Zeit finde ich sehr wichtig. Das Stück bezieht sich ja ganz explizit auf unsere Region, wo viele Menschen – egal welcher Generation – gar nicht mehr realisieren wie wir von Zuwanderung und Migration geprägt sind. Musikalisch fand ich es spannend das Theaterstück musikalisch zu umrahmen. Außer den beiden Tänzen gibt es keine szenische Musik – wie z.B. in einem Musical. Deshalb kann die Musik Stimmungen und Gefühle aufgreifen und so die Handlung begleiten, ähnlich wie Filmmusik.
- Du hattest einen Komponierpartner an Deiner Seite. Was ist das denn für ein junges Talent?
Anian Moch, er spielt seit einigen Jahren in meiner Bigband, im Landes-Jugendjazzorchester und hat gerade sein Musikstudium an der Berufsfachschule für Musik München begonnen. Ich wusste das er gerne Arrangiert und Komponiert, daher fand ich es eine schöne Gelegenheit sich in so einem Projekt musikalisch auszuprobieren. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig es ist die geschriebene Musik zu hören, wie sie umgesetzt wird, nicht synthetisch vom Computer, sondern von Menschen gespielt.
- Du bist ja bekannt für Deine musikalische Arbeit bei den Bully Filmen. Wie unterscheidet sich für Dich die Arbeit für Film im Vergleich zu hier – für das Theater…
Der entscheidende Unterschied ist natürlich, das ich bei meiner Arbeit als Orchestrator immer direkte Vorgaben vom Komponist habe wohin die Reise gehen soll. Jetzt bin ich natürlich für alle Teile selbst in der Verantwortung, kann aber meine Ideen direkt musikalisch umsetzen. Interessant fand ich auch wie sich Musik und Dramaturgie im Theater gegenseitig befruchten können. Werner hatte an manchen Stellen, nachdem er die Musik gehört hatte, dann etwas an der Inszenierung angeglichen, weil ihm die Musik neue Impulse gegeben hat wie eine Szene oder ein Übergang plötzlich wirkt. In der Filmmusik ist alles bereits fertig geschnitten und das Timing gesetzt, egal wie toll eine musikalische Idee vom Komponist ist, deshalb wird der Film nicht nochmal umgeschnitten.
- Kannst Du uns neugierig machen auf Deine/Eure Musik…was erwartet den Zuschauenden?
Es geht in Richtung Filmmusik, die stilistisch vielfältig ist und nicht in einem bestimmten Genre bleibt. Man hätte auch das Thema nur mit Volksmusik – bezugnehmend auf die Region – umsetzen können. Allerdings glaube ich, bekommt das Theaterstück mit unserem Ansatz einen modernen Rahmen, präsentiert sich nicht altbacken und wird vielleicht auch dadurch leichter zugänglich. Daher auch mein Wunsch das Projekt mit einem kleinen Orchester – plus Rhythmusgruppe und Saxophonen – umzusetzen.
Interview mit Tilo Heinrich – Fragen von Werner Hofmann – Fotos: WEG-Projekt Tilo Heinrich mit Werner Hofmann (re.)








