Mit der Freiluftausstellung „Vui Stui“ feiert kunst+werk Nußdorf sein 20-jähriges Bestehen – und macht den Dorfanger für einige Wochen zu einem offenen Schauplatz der Kreativität

Nußdorf – Ein Stuhl ist eigentlich ein ganz gewöhnlicher Gegenstand. Man setzt sich darauf, ruht sich aus, kommt ins Gespräch oder nimmt einfach für einen Moment Platz. Doch in Nußdorf zeigt sich derzeit, wie viel Fantasie, Witz, Erinnerung und Gemeinschaft in einem solchen Alltagsgegenstand stecken können. Mit der Ausstellung „Vui Stui“ hat der Verein kunst+werk Nußdorf sein 20-jähriges Bestehen auf besondere Weise gefeiert: nicht mit einem Festakt hinter geschlossenen Türen, sondern mit Kunst mitten im Dorf.

Kunst auf Stühlen im Herzen von Nußdorf

Auf dem Dorfanger, rund um den Schneiderwirt und an weiteren Stellen im Ortszentrum stehen seit der Eröffnung zahlreiche gestaltete Stühle. Sie wurden bemalt, beklebt, umgebaut, mit Erinnerungen versehen, in kleine Bühnen verwandelt oder zu humorvollen Objekten weitergedacht. So ist aus vielen einzelnen Beiträgen eine große gemeinsame Freiluftausstellung entstanden, die im Vorübergehen entdeckt werden kann – von Einheimischen ebenso wie von Gästen.

Kunst auf Stühlen im Herzen von Nußdorf: Auf Wolke 7

Gerade der Stuhl als Motiv erwies sich dabei als treffend. Er ist vertraut, unspektakulär und doch voller Bedeutung. Fast jeder Mensch habe einen Lieblingsstuhl oder einen Lieblingsplatz, erinnerte Bürgermeisterin Susanne Grandauer in ihrer Ansprache. Einen Ort, an dem man zur Ruhe komme, im Haus, im Garten oder auf dem Balkon. Zugleich spiele der Stuhl auch in der Sprache eine Rolle: Man könne „zwischen den Stühlen sitzen“ oder jemandem „den Stuhl vor die Tür setzen“. In Nußdorf aber stehe der Stuhl in diesen Tagen für etwas anderes: für Gemeinschaft, Beteiligung und dafür, dass jeder im Dorf seinen Platz haben könne.

Kunst auf Stühlen im Herzen von Nußdorf: Auf Wolke 7

Dass dieser Gedanke nicht nur gesagt, sondern sichtbar wurde, zeigt die Ausstellung auf eindrucksvolle Weise. Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Gruppen, Firmen, Institutionen und die Schule haben sich beteiligt. Manche Stühle sind farbenfroh und verspielt, andere liebevoll handwerklich gestaltet. Es gibt humorvolle Ideen, persönliche Erinnerungsstücke, musikalische Anspielungen, kleine Traumorte, Sitzgelegenheiten zum Schauen, Schmunzeln und Nachdenken. Ein grünes Stuhl-Duo lädt „zum Hocka, Frogn, ziang und redn“ ein. Eine hellblaue „Wolke 7“ wird zum luftigen Ruheplatz. Andere Arbeiten greifen Vereinsleben, Dorfgeschichten oder persönliche Vorlieben auf.

Kunst auf Stühlen im Herzen von Nußdorf: Musikalisch begleitet von der Musikkapelle Nußdorf

Renate Pröbstl, Gründerin von kunst+werk Nußdorf, erinnerte bei der Eröffnung an die Anfänge des Vereins. Vor 20 Jahren habe sich ein lockerer Kreis von Kunstschaffenden zusammengefunden, weil kreatives Schaffen etwas Wertvolles sei. Seither wurde gemalt, getöpfert, geschnitzt, ausgestellt, gelesen und musiziert. Die Arbeiten waren in Galerieräumen, in der Turnhalle, im Freien und auch in Kirchen zu sehen. Viele Besucher aus Nußdorf und der Umgebung kamen über die Jahre zu den Ausstellungen – und nicht wenige ließen sich dadurch selbst zum kreativen Arbeiten anregen.

Genau darin liegt bis heute ein Kern von kunst+werk: Kunst soll nicht abgehoben oder unnahbar wirken, sondern Menschen erreichen. Die Ausstellungen griffen immer wieder Themen auf, die in den Ort hineinwirkten, und bezogen unterschiedliche Gruppen ein – Senioren, Jugendliche, Geflüchtete, Vereine und Schulklassen. Auch die von Renate Pröbstl über viele Jahre geprägte Reihe „Bilder-Klänge-Worte“ verband bildende Kunst, Musik und Sprache. Mit „Vui Stui“ führt kunst+werk diesen Gedanken nun konsequent weiter: Die Kunst steht mitten im Alltag, unter freiem Himmel, zwischen Wiese, Wirtshaus, Dorfleben und Spazierwegen.

Ein besonderer Blickfang war die Live-Aktion von Christian Staber: Der als Eiskünstler bekannte Nußdorfer schuf vor den Augen der Besucher mit elektrischen Sägen aus einem Eisblock einen Stuhl. Während die Späne flogen und das Eis in der Sonne glänzte, verfolgten Kinder und Erwachsene gleichermaßen fasziniert, wie aus einem kalten Block nach und nach eine Sitzgelegenheit entstand.

Besonders anschaulich wurde der Mitmachcharakter durch die Beteiligung der Grundschule. Die Kinder kamen mit selbst bemalten Stühlen zur Ausstellung, begleitet von Schulleitung und Lehrkräften. Für Renate Pröbstl war dies ein besonderer Moment. Es gehe bei dieser Aktion nicht nur um fertige Kunstobjekte, sondern auch um den gemeinsamen Weg dorthin: um Fantasie, Ausprobieren, gemeinsames Arbeiten und die Freude daran, etwas Eigenes beizutragen.

Die Bürgermeisterin Susanne Grandauer als Eisprinzessin auf dem neu gestalteten Stuhl.

Auch das Rahmenprogramm machte deutlich, dass dieses Jubiläum nicht nur eine Ausstellung, sondern ein Dorferlebnis ist. Die kunst+werk-Gruppe trat mit einer kleinen theatralischen Einlage auf. Die Musikkapelle Nußdorf spielte unter der Leitung von Sepp Maurer. Der Schneiderwirt sorgte für Essen, ein Fass Bier war gestiftet, und statt eines festen Eintritts konnten die Besucher freiwillig einen Beitrag leisten. Ein besonderer Blickfang war die Live-Aktion von Christian Staber: Der als Eiskünstler bekannte Nußdorfer schuf vor den Augen der Besucher mit elektrischen Sägen aus einem Eisblock einen Stuhl. Während die Späne flogen und das Eis in der Sonne glänzte, verfolgten Kinder und Erwachsene gleichermaßen fasziniert, wie aus einem kalten Block nach und nach eine Sitzgelegenheit entstand.

Kunst auf Stühlen im Herzen von Nußdorf

Viele helfende Hände waren nötig, damit dieses Projekt gelingen konnte. Pröbstl dankte der Gemeinde Nußdorf für die langjährige Unterstützung, Bürgermeisterin Grandauer für das offene Ohr, den Vereinen, Sponsoren, dem Schneiderwirt sowie allen, die mit Zeit, Material, Ideen, Musik, Technik oder organisatorischer Hilfe beteiligt waren. Solche Projekte entstehen nicht von selbst. Sie brauchen Menschen, die anpacken, ermöglichen und mittragen.

Die Besucherinnen und Besucher können sich auch nach der Eröffnung weiter beteiligen. Wer beim Rundgang einen persönlichen Lieblingsstuhl entdeckt, kann ein Foto davon einschicken. Bei der späteren Abholung der Stühle soll bekanntgegeben werden, welcher „Lieblingsstui“ ausgezeichnet wird. Damit bleibt die Ausstellung lebendig und lädt weiter zum Hinschauen, Auswählen und Mitreden ein.

Kunst auf Stühlen im Herzen von Nußdorf

Mit „Vui Stui“ ist kunst+werk Nußdorf ein Jubiläumsprojekt gelungen, das die Geschichte des Vereins auf einfache und zugleich starke Weise zusammenfasst. Seit 20 Jahren trägt kunst+werk dazu bei, Kultur im Dorf sichtbar zu machen und Menschen zusammenzuführen. Die gestalteten Stühle zeigen genau das: Viele Ideen, viele Handschriften, viele Beteiligte – und ein Dorf, das gemeinsam Platz nimmt.

Kunst auf Stühlen im Herzen von Nußdorf

Bis Mitte Juni bleibt die Ausstellung im Ortszentrum zu sehen. Wer über den Dorfanger geht, kann die Arbeiten im Vorübergehen entdecken oder sich bewusst Zeit für einen Rundgang nehmen. Es lohnt sich, genauer hinzusehen. Denn manchmal genügt ein Stuhl, um zu zeigen, wie viel Kreativität in einem Dorf steckt.

Fotos: Rainer Nitzsche | Eindrücke von der Ausstellung „Vui Stui“ in Nußdorf: gestaltete Stühle auf dem Dorfanger, die Beteiligung von Kindern und Familien sowie Christian Staber bei seiner Eiskunst-Aktion.

 

 

 

 

 

 

 

 


Redaktion

Rainer Nitzsche

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Als Reportage-Fotograf möchte ich mit wenigen Bildern wiedergeben, was als geschriebener Text vielleicht Bände füllen würde. Es geht um Ereignisberichte in Bildern. Es gilt, schrittweise und in den richtigen Momenten Entwicklung und Ablauf von Ereignissen festzuhalten, die schließlich in einem Höhepunkt gipfeln. Das bedeutet, meine Fotografien sind sehr oft weniger formell und zeigen den Charakter der Menschen eher in einer pose-freien, authentischen Weise, die nicht inszeniert ist.
Mehr Fotos finden Sie auch auf meiner Webseite unter www.rainernitzsche.de

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