Carmen Rohrbach bringt die große Welt ins Bergsteigerdorf Schleching –Die Besucher in der Bücherei waren begeistert
Schleching – Schon mit drei Jahren beim Bergwandern auf Papas Schultern packte Carmen Rohrbach das Fernweh, sie sah den weiten Horizont und wollte genau dorthin. Als Älteste von vier Kindern packte sie schon so früh die Sehnsucht nach der Ferne. Sie lebte in Dresden mit ihrer Familie und fühlte sich in der ehemaligen DDR eingesperrt. Ein Fluchtversuch Anfang zwanzig -schwimmend über die Ostsee nach Dänemark- scheiterte und sie landete vorerst im Gefängnis. Später wurde sie von der Bundesrepublik Deutschland „freigekauft“ und konnte nun endlich ihre Träume verwirklichen.
Sie promovierte am Max-Planck-Institut für Verhaltensforschung und erhielt den Auftrag, ein Jahr lang das Leben der Meerechsen auf einer unbewohnten Galapagos Insel zu erforschen – ein Traum ging für die Biologin in Erfüllung.
Die große weite Welt in Schleching
So kam die große weite Welt in die kleine Bücherei im Bergsteigerdorf Schleching, da saß Carmen Rohrbach und las den zahlreichen Gästen aus ihren vielen Büchern vor, begleitet mit ihren persönlichen Kommentaren.
Die Autorin wollte zu jeder der vielen Reisen einen Auftrag erfüllen, bereitete sich akribisch vor. Für ihre Reise in den Jemen hat sie die arabische Sprache gelernt und ist als alleinstehende Frau von der Hauptstadt Sanaa quer durchs Land gereist, was für eine mutige Frau! In Namibia stand sie mit einem großen freilebenden Elefanten plötzlich Aug in Aug, in Island beobachtete sie den großen Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull 2010, in Canada wurde sie in einer einsamen Hütte für Wochen eingeschneit, in der Mongolei ist sie mit Nomaden auf dem Pferd unterwegs gewesen – und so hat Carmen Rohrbach sehr anschaulich und temperamentvoll von ihren Abenteuern erzählt. Die Zuhörer spürten, dass für die Autorin das Reisen ein Lebenselixier ist. Sie ist keine Touristin, sie bleibt oft ein paar Jahre an den Reiseorten und lernt das Land und die Menschen vor Ort ganz genau kennen. Darüber schreibt sie dann ihre spannenden Bücher.
Eine Besucherin fragte, ob bei Carmen Rohrbach noch Reiseträume offen sind, die Antwort war ja, ich würde gern Kamtschatka kennenlernen, aber das fand sie im Moment zu riskant, aber den Norden hat sie noch auf dem Plan, vielleicht Skandinavien oder Estland. Ein weiterer Gast fragte, warum sie schreibt, worin sie den Sinn des Lebens sieht. Ihre Antwort war „weil ich etwas bewahren will“. Auf die Frage wie sie den Kontrast aushält zwischen dem Leben in der totalen Einsamkeit auf den Reisen und dann nach der Rückkehr das Leben in der Stadt. Carmen Rohrbach meinte dazu, dass sie gleich nach den Reisen zu schreiben beginnt, dann fällt es ihr leichter und sie kann die Erinnerungen und Erlebnisse bewahren.
Für den Leser ist es wunderbar – er kann mit dem Kopf und dem Herzen der Autorin bei ihren Abenteuern folgen, ohne Risiko aber mit viel Lesevergnügen. Die Gäste in der Bücherei waren dem Team um Uschi Ziegler dankbar, dass einen so interessanten Abend erleben durften.
Text und Fotos: Sybilla Wunderlich – Carmen Rohrbach begeistert das Publikum




