Land- & Forstwirtschaft

BBV und Fleischerverband zur Schweinekrise

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger
Angesichts der anhaltend schwierigen Situation auf dem Schweinemarkt rufen der Fleischerverband Bayern und der Bayerische Bauernverband ihre Mitgliedsbetriebe zu einem engen Schulterschluss auf. Ziel ist es, die bewährten regionalen Wertschöpfungsketten in Bayern zu erhalten und den Schweinehaltern in der aktuellen Marktphase Planungssicherheit zu geben.

Bayern verfügt im bundesweiten Vergleich über eine einzigartige Struktur regionaler Erzeugung und Verarbeitung. Viele handwerkliche Metzgereien arbeiten seit Jahrzehnten eng mit landwirtschaftlichen Familienbetrieben zusammen. Diese Partnerschaften bilden das Fundament einer regionalen Fleischversorgung und schaffen Vertrauen bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Vor diesem Hintergrund empfehlen die beiden Verbände den Handwerksmetzgereien, mit ihren Vertragslandwirten eine faire Preisuntergrenze von 1,60 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht zu vereinbaren. Gleichzeitig soll bei einer späteren Markterholung ein partnerschaftlicher und fairer Umgang auch in die andere Richtung gelten. Deshalb sprechen sich die Verbände dafür aus, im Rahmen der individuellen Vertragsgestaltung auch einen Orientierungswert von 2,20 Euro je Kilogramm als eine mögliche Preisobergrenze anzuvisieren. Die Empfehlung für diesen Preiskorridor ist auf das Kalenderjahr 2026 ausgerichtet.

„Wir stehen zu unseren Landwirten. Deswegen empfehlen wir auch eine absolute Preisuntergrenze von 1,60 Euro. Viele Betriebe haben uns bereits signalisiert, ohnehin schon eine Untergrenze mit ihrem Landwirt vereinbart zu haben. Wir können allerdings nur an Fairness appellieren. Die Entscheidung treffen immer beide Partner vor Ort. Aber eine gute Partnerschaft ist keine Einbahnstraße. Deswegen ist uns auch das klare Bekenntnis der Landwirte wichtig, die gegenseitige Bedeutung, die Unterstützung des Metzgerhandwerks und den fairen Preiskorridor auch im Falle von steigenden Preisen zu einem späteren Zeitpunkt nicht zu vergessen.“, erklärt der Landesinnungsmeister des bayerischen Metzgerhandwerks, Konrad Ammon.

Auch der Bayerische Bauernverband sieht in der Initiative ein wichtiges Signal für den Erhalt der regionalen Schweinehaltung. Nur wenn Erzeuger und Verarbeiter gemeinsam Verantwortung übernehmen, können die bestehenden Strukturen dauerhaft gesichert werden. „Es geht
momentan in dieser Erzeugerpreiskrise für viele Ferkelerzeuger und Schweinemäster um die Existenz! Und wenn den Schweinehaltern die Luft ausgeht, zerfällt die gesamte Wertschöpfungskette Schweinefleisch. Damit steht Versorgung mit bayerischem Schweinefleisch auf dem Spiel. Das Marktrisiko darf nicht einseitig auf die Erzeuger abgewälzt werden. Die Empfehlung für einen Preiskorridor zwischen Schweinemästern und Handwerksmetzgern ist genau das, was es jetzt braucht: Ein faires Miteinander in der Wertschöpfungskette, betont der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Günther Felßner. Felßner appelliert aber auch an die Schweinemäster, ihre Ferkelerzeuger nicht zu vergessen und auch hier ein partnerschaftliches Miteinander zu leben.

Beide Verbände betonen, dass Fleisch kein Ramschprodukt werden darf. Eine hochwertige regionale Erzeugung setzt wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen sowohl für die landwirtschaftlichen Betriebe als auch für das Metzgerhandwerk voraus.

Die Verbände appellieren daher an alle Beteiligten, den partnerschaftlichen Dialog fortzusetzen und gemeinsam Verantwortung für die Zukunft der bayerischen Schweinehaltung und des Fleischerhandwerks zu übernehmen. Nur mit fairen und verlässlichen Beziehungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette können die regionalen Strukturen erhalten und weiterentwickelt werden.

Hinweis:  Bei dem Preiskorridor handelt es sich lediglich um einen Appell an die Fairness in der Wertschöpfungskette sowie um eine Empfehlung für eine mögliche Lösung vor Ort. Der Korridor stellt keine Vorgabe oder feste Vereinbarung dar. Die individuelle Preisgestaltung wird zwischen den Betrieben vor Ort vereinbart.

Bericht und Foto: BBV 


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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