Leitartikel

Frühgeburt auf der Feichten

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Ein außergewöhnlicher Kraftakt spielte sich am frühen Morgen im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol ab: Der Roaner-Bauer aus Erl wollte seine „trogade Kuh“ auf der Feichten heimholen – doch das Muttertier war schneller. Bereits dreieinhalb Stunden zuvor hatte sie im steilen Gelände ein gesundes Kalb zur Welt gebracht.

Die Geburt im hochalpinen Gelände stellte den Landwirt vor eine besondere Herausforderung. Das Kalb lag in einer steilen Hangmulde, weit entfernt von jedem befahrbaren Weg. Ein Abtransport über die Alm war unmöglich. Also entschied sich der Bauer für den einzig machbaren Weg: Er nahm das neugeborene Tier kurzerhand auf die Schultern und trug es den steilen Hang hinauf bis zum Plateau. Mit beeindruckender Ausdauer und Kraft meisterte er den Aufstieg – Schritt für Schritt, über Felsstufen und Grasbänder, begleitet vom besorgten Muttertier. Oben angekommen, konnte er Kuh und Kalb sicher zusammenführen und den Heimweg ins Tal vorbereiten. Dieser Einsatz zeigt einmal mehr, wie viel Herzblut und körperliche Leistung in der traditionellen Alm- und Weidewirtschaft steckt. Für den Roaner-Bauern war es ein „ganz normaler Tag auf der Alm“ – für alle anderen ein bemerkenswertes Beispiel bäuerlicher Hingabe und Stärke.

Hinweis: Die Feichtenalm ist eine historische, einsame Hochalm auf ca. 1.500 Metern Seehöhe, die direkt auf dem Grat-Plateau des Spitzsteins liegt und exakt von der Staatsgrenze zwischen Bayern (Deutschland) und Tirol (Österreich) durchzogen wird.

Bericht: Anton Hötzelsperger – Foto: Georg Antretter


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Toni Hötzelsperger

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