Brauchtum

Einladung zum Wössner Erntedank

Die Seewind Harfendirndln mit ihren Harfen
Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

In Unterwössen gehören Erntedank und alpenländische Volksmusik seit Jahrzehnten zusammen. Am Sonntag füllt sich die Pfarrkirche St. Martin zunächst zur Festmesse, danach ziehen Dreigesang, drei Harfen und Blechbläser in den Altarraum ein. Vier junge Formationen gestalten die traditionelle Erntedank-Matinée. Danach und wenige Schritte entfernt geht es beim Schafabtrieb im Kurpark in das Standkonzert der Musikkapelle Wössen.

Der Wössner Erntedank beginnt am Sonntag, 27. September, um 9 Uhr mit dem Pfarrgottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin. Kirchenchor und Kirchenorchester unter Leitung von Wolfgang Kurfer gestalten musikalisch die Festmesse von Augustin Holler. Gegen 10 Uhr schließt die Alpenländische Volksmusik-Matinée mit den Hacher Dirndl, den Geschwistern Vordermayer, den Seewind Harfendirndln und dem Wössner Blechbläserquintett an. Sprecher ist Otto Dufter. Der Eintritt ist frei.

Gewachsene Verbindung von Kirche und Volksmusik

Gerade die Matinée macht den Wössner Erntedank seit Jahrzehnten zu mehr als einer örtlichen Erntedankfeier. Diese Verbindung prägte einst der Pfarrer Monsignore Franz Niegel, der als Volksmusikpfarrer weit über den Ort hinaus bekannt war. Wo zuvor Kirchenchor und Orchester die Messe begleitet haben, nehmen zur Matinee die Volksmusikgruppen Platz. Die mit Erntekrone, Früchten, Blumen geschmückte Kirche wird zum Klangraum für Dreigesang, Harfen, Blechbläser und Chor. In der voll besetzten Kirche entfalten die unterschiedlichen Besetzungen ihren eigenen Klang. Die Stimmen der Dreigesänge tragen durch das Kirchenschiff, die Harfen setzen feinere Klangfarben, die Blechbläser einen kraftvollen Gegenpol. Daraus entsteht eine dichte Atmosphäre, die sich deutlich von einem herkömmlichen Saalkonzert unterscheidet.

Junge Gruppen mit eigenem Klang

Auffallend jung ist in diesem Jahr die Besetzung der Matinee. Die vier Gruppen aus Chiemgau und Achental haben sich in der regionalen Volksmusik dennoch längst einen Namen gemacht. Die Geschwister Vordermayer aus Söllhuben sind Benedikt, Regina und Martin Vordermayer, 18, 17 und 14 Jahre jung. Sie singen seit rund drei Jahren gemeinsam im Dreigesang. Dabei begleiten sie sich selbst mit Harfe, Ziach und Zither, manchmal auch der Posaune. Sie waren heuer unter anderem beim Volksmusikfestival ‚drumherum‘ vertreten. Mit den Hacher Dirndln kommen drei Schwestern aus Marquartstein nach Unterwössen. Katrin, Marlies und Verena erhielten ihre ersten Unterrichtsstunden 2011 an der Musikschule Grassau und singen seit sieben Jahren in der heutigen Besetzung. Beim Alpenländischen Volksmusikwettbewerb 2022 in Innsbruck erhielten sie eine Urkunde mit Auszeichnung. Sie spielen unter anderem Steirische Harmonika, Gitarre, Harfe und Klarinette.

Die Seewind Harfendirndln, Maria Weingartner aus Bernau, Franziska Aberger aus Oberwössen und Lena Kurfer aus Unterwössen musizieren seit 2017 gemeinsam. Ihr Repertoire reicht von traditioneller alpenländischer Volksmusik bis zu festlichen und kirchlichen Stücken. Bereits im Gründungsjahr errang das Trio den Wasserburger Löwen, später waren sie im Bayerischen Rundfunk zu hören und zu sehen. Für die kräftigeren Klangfarben sorgt das Wössner Blechbläserquintett. Die fünf jungen Musiker stammen aus der Musikkapelle Wössen und fanden über Familie, Musikschule, Jugendkapelle und schließlich die Musikkapelle zusammen. Die Besetzung ist variabel und reicht von Trompeten und Flügelhörnern über Tenorhorn und Bariton bis zu Posaune oder Tuba.

Musikalisch durch das Jahr

Vom Frühjahr über Sommer und Herbst führt das Programm durch das Jahr, bevor es mit Dank und Abschied endet. Volksmusikklassiker wie „Üba D´Alma“ und „Fahr ma hoam“ erklingen. Otto Dufter verbindet die einzelnen Beiträge mit seinen Texten, Geschichten und Gedanken.

Erst Festmesse, dann Matinee

Wer den Vormittag vollständig erleben will, sollte bereits zum Gottesdienst um 9 Uhr kommen. Die Festmesse mit Kirchenchor und Kirchenorchester bildet den ersten Teil des Wössner Erntedanks und gibt der anschließenden Matinée (10 Uhr) ihren Rahmen.

Zum Abschluss in den Kurpark

Im Anschluss an die Matinée verlagert sich das Geschehen von der Pfarrkirche in den nahen Kurpark. Dort werden beim traditionellen Schafabtrieb die Alpinen Steinschafe vom Rechenberg erwartet. Auch musikalisch geht der Vormittag weiter: Die Musikkapelle Wössen spielt ein Standkonzert. Die Schafböcke werden zum Saisonabschluss in ihren Zuchteigenschaften bewertet und anschließend im Kurpark versteigert.

Eine Platzreservierung gibt es nicht. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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