Das Landratsamt Rosenheim, Abteilung Wasserrecht, hat mit Schreiben vom 6. August 2026 die wasserrechtliche Genehmigung für die Moorrenaturierung in der Damberger Filze auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt (JVA) erteilt. Vorhabensträgerin ist die Regierung von Oberbayern, vertreten durch die untere Naturschutzbehörde Rosenheim.
Hintergrund und Bürgerversammlung 2023
Am 28. November 2023 fand eine außerordentliche Bürgerversammlung zum Thema Renaturierung und Wiedervernässung von Teilflächen der JVA statt. In der Versammlung wurde die Maßnahme des Freistaates und der Staatsforsten grundsätzlich begrüßt, da es sich um eine der größten Klimaschutzmaßnahmen Bayerns handelt. Gleichzeitig wurden Bedenken der Anwohner der Ortsteile Eichet und Neumühle hinsichtlich möglicher negativer Auswirkungen auf die Grundwasserpegel geäußert.
Da die Bedenken auch durch Fachleute nicht vollständig zerstreut werden konnten, wurden in der Bürgerversammlung folgende Forderungen formuliert:
- Langfristiger Betrieb aller Pegelmessstellen über Jahrzehnte; bei negativen Effekten auf die angrenzenden Wohngebiete soll die Maßnahme eingestellt und ggf. zurückgebaut werden.
- Klare Benennung der Verantwortlichen bei negativen Konsequenzen.
- Aufstellung eines Grabenräumkonzepts in Absprache mit der Gemeinde Bernau, ohne dass Arbeiten auf die Gemeinde abgewälzt werden.
- Einführung eines Bibermanagements.
- Vollständige Offenlegung der Maßnahme, einschließlich einer Karte aller sich in Prüfung befindlichen Gebiete, gerichtet an das Umweltministerium.
Gemeinderatsbeschlüsse Bernau am Chiemsee
Der Gemeinderat Bernau fasste am 14. Dezember 2023 einen Beschluss, in dem er die in der Bürgerversammlung deutlich gewordenen Forderungen unterstützt. Die Forderungen wurden sowohl den Ämtern durch die Bürgermeisterin unterbreitet als auch an das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim als Genehmigungsbehörde weitergeleitet, mit der Bitte, diese nach Möglichkeit im Wasserrechtsbescheid festzuhalten.
Inhalte der wasserrechtlichen Genehmigung
Die nun vorliegende wasserrechtliche Genehmigung enthält ein ausführliches Grabenräumkonzept; zudem wird ein langfristiges Monitoring zugesagt. Im Grabenräumkonzept ist auch das Bibermanagement festgelegt, wobei auf Einzelentscheidungen verwiesen wird. Eine Karte, die die gesamten Maßnahmen und alle weiteren Szenarien zeigt, wurde der Gemeinde bereits übersandt.
Aktueller Gemeinderatsbeschluss
Nach intensiver Diskussion traf der Gemeinderat Bernau einstimmig folgenden Beschluss: Der Gemeinderat nimmt die Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes und den Antrag auf wasserrechtliche Genehmigung zur Kenntnis. Zugleich wird festgestellt, dass weiterhin ein Verantwortlicher für den Fall von Schäden benannt werden muss. Der Gemeinderat fordert, das Monitoring langfristig (mindestens 15 Jahre) fortzuführen; der Bericht nach fünf Jahren soll öffentlich vorgestellt werden. Zudem sollen interne Kenntnisse der Pegelstellen jährlich erfolgen.
Weiterhin wird im Gemeinderat festgestellt, dass die Fläche zwischen Renaturierungsgebiet und Förchensee kaum begehbar ist und die Gräben in diesem Gebiet vermutlich schwer oder gar nicht geräumt werden können. Es wird gefordert, dass das Wasserwirtschaftsamt eine kritische Grenze bezüglich des Grundwasserpegels festlegt, ab der die Bebauung im Eichet gefährdet scheint und die Maßnahme beendet und ggf. rückgebaut werden muss (als Beispiel wird HQ20 genannt).
Einordnung
Die Moorrenaturierung in der Damberger Filze ist Teil größerer Renaturierungsbemühungen im Landkreis Rosenheim, wo Moore als wichtige Kohlenstoffspeicher und für den Hochwasserschutz eine zentrale Rolle spielen. Für Wiedervernässungsmaßnahmen sind wasserrechtliche Genehmigungsverfahren erforderlich, in die auch Hochwasserschutzbelange einbezogen werden.
Der rot umrandete Bereich zeigt Szenario 1, die nun geplante Wiedervernässung.
Die beiden rot umrandeten Bereiche liegen direkt neben Szenario 1 und beschreiben die weiteren geplanten Wiedervernässungsbereiche 2 und 3.
Bericht und Grafiken: Gemeinde Bernau a. Chiemsee – Foto mit Blick zur JVA von Hötzelsperger





