Es war ein besonderer Ort für einen besonderen Gottesdienst: Mitglieder der drei evangelischen Kirchengemeinden Marquartstein, Ruhpolding und Übersee waren am Sonntag in die hoch über dem Achental gelegene Streichenkirche St. Servatius eingeladen. Schon auf dem Weg hinauf war das Läuten der Kirchenglocke zu hören und wies den Gläubigen den Weg. Viele folgten diesem Ruf – so viele, dass die Kirche bis auf den letzten Stehplatz gefüllt war.
Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand die Dankbarkeit. Prädikantin Gabriele Zill griff den Tagespsalm auf und stellte ihre Predigt unter das treffende Wort: „Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens“ – ein berühmtes Zitat des französischen Bischofs und Predigers Jean-Baptiste Massillon. In ihrer Predigt beleuchtete Zill die vielen Facetten der Dankbarkeit und fragte danach, was sie für das Leben bedeuten kann. Der Psalm mahnt zugleich, nicht blind auf menschliche Herrscher und deren Macht zu vertrauen. Gerade mit Blick auf die heutige Zeit, so wurde deutlich, ist diese Botschaft von ungebrochener Aktualität. Stattdessen verweist der Psalm auf Gott als einen, der den Menschen in Not nahe ist: Er speist die Hungrigen, befreit Gefangene und steht den Fremden, Waisen und Witwen bei.
An vielen Beispielen zeigte die Prädikantin, wie Dankbarkeit den Blick auf das eigene Leben verändern kann – gerade auch dann, wenn nicht alles selbstverständlich ist oder gelingt. Am Ende stand ein Satz, der als Leitgedanke über dem gesamten Gottesdienst stehen könnte: „Dankbarkeit verändert unsere Haltung zum Leben.“ Für die passende musikalische Gestaltung sorgten Fabien Nowak am E-Piano, Anita Garisch an der Flöte und Sigrid Schneider am Cello. Mit ihrem einfühlsamen Zusammenspiel verliehen sie dem Gottesdienst eine besondere Atmosphäre. Der herzliche Applaus am Ende war ein sichtbares Zeichen des Dankes für die musikalische Begleitung.
Nach dem Schlusssegen traten die Besucher hinaus in einen strahlenden Sonnentag. Und auch dort setzte sich die besondere Stimmung des Vormittags fort. Nach der Wiedereröffnung des Berggasthofs Streichen bot sich für viele die Gelegenheit, noch einzukehren und bei schönstem Wetter im Freien Platz zu nehmen. Bei angeregten Gesprächen, guter Gemeinschaft und dem Blick auf die umliegenden Berge klang dieser besondere Gottesdienst in entspannter Atmosphäre aus – ein schöner Sonntag, für den es allen Grund gab, dankbar zu sein.
Text und Bilder: Sybilla Wunderlich




